«Mitarbeiter finden – Mitarbeiter binden». Unter diesem Titel stand der sechste Netzwerkanlass des Vereins Gewerbe Region Frick-Laufenburg (Geref) vom Dienstagabend. «Ein Thema, das uns alle unter den Fingernägeln brennt», sagt Geref-Präsidentin Franziska Bircher zu Beginn im fast vollen Saal des «Fricks Monti». «Wir hoffen, dass wir heute einige Werkzeuge finden, um diese Aufgabe in Zukunft zu lösen.»

Denn die Aufgabe, da sind sich die Gewerbler einig, wird zunehmend schwieriger. Landstatthalter Urs Hofmann sprach als Gastredner unter anderem den Faktor «Babyboomer» an. «Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Pensionsalter», so Hofmann. «In den nächsten Jahren gehen deutlich mehr Arbeitnehmer in Pension, als junge Arbeitnehmer auf den Arbeitsmarkt kommen.» Ein zweiter Faktor sei die digitale Transformation, die Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung.

Neue Anreize schaffen

Ein Thema, das auch die beiden Referenten ansprachen: Thomas Tanner, Inhaber der Tanner Leder GmbH und Berater beim Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ), sowie Cécile Zachlod, Dozentin Digitales Marketing an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ihr Tenor: Um gute Mitarbeiter zu gewinnen, sind KMU gefordert, neue Wege zu gehen. Tanner betonte etwa, dass junge Arbeitnehmer andere Anforderungen stellten und andere Ziele hätten als die Generationen zuvor. Eine Sicht, die Urs Hofmann bestätigte: «Nur mit einem guten Lohn und Aufstiegsmöglichkeiten lassen sich junge Fachkräfte nicht mehr ködern.» Wichtig seien heute zunehmend auch flexible Arbeitszeiten und -pensen, eine ausgewogene Work-Life-Balance, mehr Erfüllung im Job.

Tanner plädierte dafür, diesen neuen Bedürfnissen auch die Unternehmensorganisation anzupassen. Weg von hierarchischen Systemen, hin zu agilen Modellen – Stichwort: Eigenverantwortung. Und: Chefs sollen auch mal nachfragen, was die Mitarbeitenden beschäftigt, für was sie eine Leidenschaft hegen. «Ein familiäres Bürogefühl sorgt für Identifikation», so Tanner. Es gehe um die Frage, weshalb ein Mitarbeiter gerne zur Arbeit komme. «Und vor allem: Weshalb er das auch in drei Jahren noch tut.»

Neue Wege begehen

Den digitalen Wandel sieht Tanner als Chance für die KMU – auch auf dem Jobmarkt. Cécile Zachlod zeigte in ihrem Vortrag auf, welche Möglichkeiten die Unternehmen dabei auf den Social Media-Plattformen haben. Plattformen wie Facebook, Linkedin oder Xing böten die Möglichkeit, das Interesse von Kunden aber auch von potenziellen Mitarbeitenden zu wecken. Wichtig sei dabei vor allem, sich authentisch zu präsentieren. Zachlod nannte als Beispiel die Einbindung von Mitarbeitenden – etwa auf Fotos oder Videos. «Das ist zum einen eine Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden und andererseits macht es das Unternehmen nach aussen greifbar.»

In der anschliessenden Podiumsdiskussion zeigte sich allerdings auch eine der Schwierigkeiten bei der Rekrutierung über die sozialen Medien. Gleich zwei Unternehmensvertreter aus dem oberen Fricktal gaben an, dass sie die sozialen Medien zwar nutzten, der Rücklauf aber – gerade bei ausgeschrieben Jobs – nur gering sei. «Die Präsenz auf den Plattformen steigert aber sicherlich die Aussendarstellung», sagte etwa Jörg Langheim, Geschäftsführer bei der Balteschwiler AG.