Mettau

Mit zwei Schaufeln Glut ist er in Betrieb

Doris Wicki aus dem Entlebuch wurde beim Anzünden des Kohlenmeilers von vielen Schaulustigen beobachtet.

Doris Wicki aus dem Entlebuch wurde beim Anzünden des Kohlenmeilers von vielen Schaulustigen beobachtet.

Das Anzünden des Kohlenmeilers lockte viele Zuschauer am Freitagabend auf den Mettauerberg.

«Bis nächsten Samstag sollten rund elf Ster Holz runtergekohlt sein», erklärte Doris Wicki, Köhlerin aus dem Entlebuch, «dazwischen braucht der Meiler Futter.» Futter, das in Form von Holzschnitzeln oder Kohle verabreicht wird und für Doris Wicki, die sich bestens mit dem alten Handwerk der Köhlerei auskennt, ständige Präsenz vor Ort bedeutet. Weil der rund zwei Meter hohe Kohlenmeiler Tag und Nacht betreut werden muss, verbringt sie die gesamte Zeit, bis alles Holz verschwelt ist, vor Ort in einer Hütte. Unterstützung bekommt sie zwischendurch von drei Forstlehrlingen, die auch mal eine Nachtwache übernehmen. Positiver Nebeneffekt: «So kann das alte Handwerk gezeigt werden», sagte Wicki.

Ein Ster Holz gibt etwa 70 Kilo Kohle. Wer etwas davon abbekommen will, muss sich jedoch gedulden. Denn die Kohle, verriet Cheforganisator André Schraner, wird erst im nächsten Jahr in den Verkauf kommen. Immerhin handelt es sich dabei um einheimische Kohle – eine Seltenheit. Dazu Doris Wicki: «Die meiste Kohle, die in der Schweiz verkauft wird, kommt aus dem Ausland. Deshalb ist diese Kohle hier so wertvoll.»

Ein stiller Prozess

Den Vorgang, wie aus Holz Kohle entsteht, können Interessierte in den nächsten Tagen aus der Nähe beobachten. Es ist zwar ein stiller, nicht wirklich einsehbarer Prozess unter einer grauschwarzen Schicht aus «Löschi», der in der Regel ohne grosse Aufregung vonstattengeht. Aber alleine das Drumherum, dieses romantische Ambiente auf dem Mettauerberg mit geschnitzten Kürbissen aus Etzgen macht einen Besuch lohnenswert, am besten natürlich zu Fuss. Aber auch für Autos hat André Schraner den Weg zum Kohlplatz ab Beginn der Bergstrasse in Mettau gut ausgeschildert, und am Waldrand beim Schützenhaus sind genügend Parkplätze vorhanden.

Auch ein Rahmenprogramm wird angeboten. Heute Montag, 12. November, wird um 15 Uhr ein Köhlerfilm gezeigt. Am Donnerstag, 15. November, hält Ueli Rothenbühler, Geschäftsführer von EM (Effektive Mikroorganismen) Schweiz ab 15 Uhr einen Vortrag über die kleinsten Lebewesen. Zwei weitere Gründe für einen Aufenthalt am Kohlplatz sind der bis 21 Uhr beleuchtete Baumpfad und natürlich die Festwirtschaft im Schützenhaus. Sie ist bis 18. November jeweils ab 11 Uhr geöffnet. Klar, dass es dort Köhlerwurst, Köhlersteak, Köhlersuppe und Köhlertorte gibt, dazu passend Köhlerwein oder Kaffee. Letzterer heisst zwar nicht Köhlerkafi, ist aber trotzdem schwarz.

«Traumhaft!»

Neben dem Anzünden des Kohlenmeilers gab es am Freitag noch einen zusätzlichen Genuss: Maroni, frisch geröstet, die ersten aus dem Mettauertal. Sie stammen aus einer von Stefan Zumsteg vor zehn Jahren angelegten Kultur aus Edelkastanien – dem Baum des Jahres 2018. Alles in allem also eine runde Sache auf dem Mettauerberg. Oder, wie es André Schraner auf den Punkt brachte: «Traumhaft!»

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