Mumpf
Mit vielen kleinen Stichen gegen das Nazireich Hitlers

Eine Ausstellung mit 27 Bildteppichen ist in Mumpf eröffnet worden. Gezeigt wird textile Kunst von Mathilde Riede-Hurt, die zeitlebens kritisch geblieben war und ihre Meinung zu Hitlers Nazireich mit vielen kleinen Stichen zum Ausdruck gebracht hat.

Ingrid Arndt
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Gabriele Roth und Urs Nikolaus Riede vor einem Werk ihrer Mutter in der Ausstellung in Mumpf.

Gabriele Roth und Urs Nikolaus Riede vor einem Werk ihrer Mutter in der Ausstellung in Mumpf.

Ingrid Arndt

Der ein wenig in Vergessenheit geratenen Künstlerin Mathilde Riede-Hurt, 1906 in Mumpf geboren und dort aufgewachsen, ist im Nachgang ihres 25. Todestages eine zutiefst beeindruckende Ausstellung in der Mehrzweckanlage Burgmatt gewidmet.

Zu bewundern sind 27 gestickte Bildteppiche auf Leinen, Seide mit Naturfasern, Gobelins, Wollapplikationen, Zeichnungen in Farbe und mit Bleistift, satirische Gedichte, sowie Texte zu ihrem Leben.

Eine wichtige Grösse im Gemeindeleben ist das Dorfmuseum alte Dreschscheune in Mumpf, dessen Team unter Leitung von Gerhard Trottmann die Ausstellung organisierte. Er dankte an der Vernissage der anwesenden Familie von Mathilde Riede-Hurt, den Nachkommen Gabriele Roth und Urs Nikolaus Riede sowie den Museen und allen Helferinnen und Helfern für ihre Beiträge.

Kontakt zu Bauhaus

Urs Nikolaus Riede führte in die Ausstellung der Kunstwerke seiner Mutter ein, die bis 1934 in Mumpf lebte, bevor sie durch Heirat nach Ludwigshafen (Deutschland) zog.

Er zeigte den Gedankenaustausch seiner Mutter mit der Design-Hochschule Bauhaus und der Künstlerkolonie Worpswede auf, ging auf ihre Technik und Gestaltungskraft ein, ihre neu erfundenen Stiche in der Stickerei sowie ihr Gefühl für Proportionen.

Die Bildteppiche erzählen vom Brauchtum im Fricktal, der schönen Natur, der Heimatliebe, von sozialen Ungerechtigkeiten, Widersprüchen in der Gesellschaft, menschlichen Schwächen, vom Glauben und den Rechten der Frau. Bis zur Vollendung eines Teppichs verging ein Jahr, manchmal auch mehr.

Der Betrachter der Werke kann sich deren Faszination kaum entziehen. Der stets kritische Blick von Mathilde Riede-Hurt auf die Gesellschaft kommt besonders im «Hexeneinmaleins» zum Ausdruck. In sechs zusammengefügten Friesen prangert sie das Verderben des Dritten Reiches an, das den Deutschen alles versprach und ihnen am Ende doch alles nahm.

Gestickte Zeitgeschichte

Gestickt auf Leinen ist ein Stück nationalsozialistischer Geschichte zu verfolgen. Sie zeigt, wie viele Deutsche blindlings und wie verhext dem Führer bedingungslos hinterherliefen und offenbart das wahre Gesicht des Krieges mit all seinem Elend, den als Krüppel Heimgekehrten, Gefangene mit ihren unerfüllten Träumen und im letzten, sehr aufrüttelnden Fries die oft verlogene Politik mit ihren gespaltenen Schädeln.

Da ist die Propaganda mit dem aufgerissenen Maul, die Humanität mit Bomben auf der Brust und einem Herzen am falschen Fleck, die Philosophie, auf einem Auge blind, die Justiz mit alten Zöpfen, die Medizin, die krank macht, die Technik, die Kinder und Zeit frisst. Dieser Bildteppich auf Leinen entstand innerhalb von 5 Jahren von 1942 bis 1947.

1947 kehrte Mathilde Riede-Hurt in die Schweiz zurück, lebte mit ihrer Familie in Basel, am Thunersee und bis zu ihrem Tod 1988 in Spiez.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Mehrzweckanlage Burgmatt, Mumpf, bis 19. Januar, täglich von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 19 Uhr.