Der Pharmasektor floriert. Solche Schlagzeilen liest Hansueli Bühler, Gemeindeammann von Stein, gerne. Denn mit Novartis unterhält einer der Big Player einen grossen Standort in seiner Gemeinde. Das spült mehrere Millionen Franken pro Jahr in die Gemeindekasse.

Das bringt aber auch Verkehr. Denn viele der rund 2000 Arbeitnehmer reisen nicht mit dem öffentlichen Verkehr an, sondern kommen mit dem eigenen Auto. Sie verstopfen die Strasse. Und den Grenzübergang: Viele der Beschäftigten sind Grenzgänger.

Die Gemeinde hat zusammen mit der Stadt Bad Säckingen schon mehrere Anläufe unternommen, um den Pendlerstrom einzudämmen. Letztmals 2016, als man versuchte, die beiden Bahnhöfe und die Novartis mit Elektrobussen zu verbinden. Der Versuch scheiterte – auch, weil man keine vernünftige Route fand. Der Weg über die neue Brücke ist zu weit und allzu oft verstopft, als dass man die Zuganschlüsse gewährleisten könnte. Und die alte Holzbrücke wird derart stark von Fussgängern und Velofahrern frequentiert, dass ein Busverkehr über die Brücke nicht möglich ist.

Die Bus-Abklärungen im letzten Jahr zeigten zweierlei auf: Die Distanz zwischen den Bahnhöfen und der Industriezone ist, erstens, zu kurz für den Bus; aber sie ist, zweitens, zu lang, als dass man den Weg zu Fuss macht.

Das führte die beiden Kommunen nun zur Idee, eine Veloverbindung zu schaffen. Der Clou dabei: An den Bahnhöfen sowie im Sisslerfeld soll ein Fahrrad-Leih-System aufgebaut werden, wie es Städte schon länger kennen (siehe Bild). Man registriert sich auf der Gemeinde, bekommt eine Karte und kann mit dieser bei jeder Station ein Fahrrad «auslösen». Das Rad kann man dann an jeder Velostation zurückgeben. «Wir wollen auch prüfen, ob ein E-Bike-Angebot Sinn macht», sagt Bühler.

20 000 Franken im Budget

Die Hoffnung dahinter ist klar: «Wir wollen für Pendler und Touristen einen Anreiz schaffen, um auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.» Damit, so erhofft sich Bühler, «können wir die Verkehrszunahme zumindest etwas dämpfen».

Davon ist man allerdings noch viele Fahrradlängen entfernt. Denn das Projekt befindet sich derzeit erst in der Startphase. Am Montag hat der Gemeinderat von Bad Säckingen einen Kredit über 18 000 Euro für die Planung gesprochen; Stein hat einen Betrag von 20 000 Franken ins Budget 2017 eingestellt. In der ersten Phase geht es nun darum, die offenen Fragen wie jene nach den möglichen Standorten der Velo-Stationen oder nach der Streckenführung zu klären. «Zentral ist auch eine Bedarfsanalyse», sagt Bühler. «Denn wir wollen ja nicht ein Angebot schaffen, das dann niemand nutzt.»

Tempo wollen die Gemeinden gleichwohl geben, denn das Projekt soll, so es realisiert wird, Teil der IBA 2020 sein – und von EU-Fördergeldern profitieren. Bis im September soll das Konzept stehen, bis Ende Jahr das Projekt ausgearbeitet sein und, im besten Fall, bis Ende 2018 realisiert werden.

In Stein will man gleichzeitig prüfen, einzelne Streckenabschnitte für Velos aufzuwerten. Die Schulstrasse nennt Bühler als Beispiel. «Sie soll für Velofahrer sicherer werden.»

«Eine Riesenchance»

Ob das Velo-Projekt realisiert wird, entscheiden auf Schweizer Seite die Stimmberechtigten. Das Geschäft wird an einer Gemeindeversammlung traktandiert, sofern es die Vorprüfung übersteht.

Bühler ist überzeugt, dass dies «eine gute Sache» ist. Sein deutscher Amtskollege, Bürgermeister Alexander Guhl, bezeichnete das Projekt an der Gemeinderatssitzung gar als «eine Riesenchance». Diese Auffassung teilt Dirk Lohaus, stellvertretender Geschäftsführer der IBA Basel: «Das Projekt hat in unseren Augen ein grosses Potenzial, die Region grenzüberschreitend zusammenzubringen», sagte er gegenüber der «Badischen Zeitung». «Und es kann konkret vor Ort einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität und nachhaltigen Mobilität in Bad Säckingen und Stein leisten.»