Frick

«Mit Tempo 30 ist das Ziel erreicht und die Bäume braucht es nicht mehr»

Sie sind vielen ein Dorn im Auge: Die insgesamt sieben mit Bäumen bepflanzten Strassenverengungen am Gänsacker (im Bild) und am Königsweg.

Sie sind vielen ein Dorn im Auge: Die insgesamt sieben mit Bäumen bepflanzten Strassenverengungen am Gänsacker (im Bild) und am Königsweg.

Mit Tempo 30 im Gänsacker können viele leben – aber ohne die sieben Engstellen

Der Gemeinderat von Frick gibt in Sachen Tempo 30 Gas: Das Gebiet GänsackerKönigsweg-Kirchmattweg soll in den nächsten Monaten in eine Tempo-30-Zone umgewandelt werden. Pikantes Detail: Das Gebiet war 2012 Teil eines grösseren Rayons, in dem der Gemeinderat Tempo 30 wollte – und vom Stimmvolk ausgebremst wurde. In einer Referendumsabstimmung lehnten die Fricker die Einführung von Tempo 30 mit 857:360 Stimmen ab.

Für Vreni Grenacher, die im künftigen Tempo-30-Quartier wohnt, missachtet der Gemeinderat damit klar den Volkswillen und auch SVP-Präsident Adrian Speckert hält es generell für fragwürdig, wenn sich eine Behörde über die Bevölkerung hinwegsetzt.

Da aber offenbar eine Mehrheit der Quartierbewohner Tempo 30 wolle, sollte man in diesem Fall auf ihre Bedürfnisse abstellen. «Schliesslich sind sie tagtäglich mit der Verkehrssituation konfrontiert.»

In einer Umfrage, die der Gemeinderat im Sommer im Quartier durchgeführt hat, sprach sich eine Mehrheit für Tempo 30 aus. Deshalb hält auch CVP-Präsident Viktor Müller die Einführung von Tempo 30 in diesem Quartier für richtig. «Der Entscheid 2012 war generellerer Natur. Jetzt geht es um ein klar eingegrenztes Quartier.»

Im Gegenzug erwartet Müller aber auch, dass die sieben mit Bäumen bepflanzten Einengungen zur Verkehrsberuhigung wieder entfernt werden. «Mit Tempo 30 ist das Ziel, dass der Verkehr langsamer fliesst, erreicht. Die Bäume braucht es nicht mehr.»

Diese Ansicht teilt die «IG Gänsacker», der Vreni Grenacher angehört. Mehr noch: Die IG macht die Beseitigung sämtlicher Engstellen zur Bedingung. Es sei mit dem Gemeinderat abgemacht, dass das Ergebnis der Umfrage 1:1 umgesetzt werde. Und darin sprach sich eine Mehrheit gegen die Verengungen aus, also dafür, dass Tempo 30 mit minimalen Massnahmen umgesetzt wird.

«Es braucht minimale Massnahmen»

Dass es so kommt, dass also die Buchten wieder verschwinden, daran mag Adrian Speckert noch nicht so ganz glauben. Auch, weil Gemeindeammann Daniel Suter in diesem Punkt vage bleibt. Er kann es sich zwar «gut vorstellen», dass die Einengungen entfernt werden, will dem Ausführungsprojekt aber nicht vorgreifen.

Was für Suter indes klar ist: «Es braucht minimale bauliche Massnahmen.» Es müsse für den Autofahrer erkennbar sein, dass er sich in einer Tempo-30-Zone befinde. «Sonst ist es eine Falle und das ist nicht Sinn und Zweck einer Tempo-30-Zone.» Es gehe um Sicherheit, nicht um Schikane.

Man müsse deshalb die Autofahrer mit Markierungen am Boden und mit gestalterischen Elementen immer wieder daran erinnern, dass sie langsam fahren müssen. Auch, weil der Gesetzgeber mitbeobachtet: «Sollten Nachmessungen eine permanente Überschreitung der Geschwindigkeiten ergeben, müssten von Gesetzes wegen bauliche Massnahmen ergriffen oder die Tempo-30-Zone wieder aufgehoben werden.»

Suter ist überzeugt, dass Tempo 30 in diesem Quartier Sinn macht. «Damit können wir die Lebensqualität steigern und die Lärmemissionen senken.» Zudem werde man einem Problem Herr, das nicht nur Anwohner ärgert: dem Schleichverkehr durchs Quartier. Gerade in Stosszeiten umfahren Ortskundige so den «Stau» in der Geissgasse.

Freie Fahrt an Markttagen?

Im Schussfeld der Kritik war der Gemeinderat in den letzten Jahren nicht nur wegen der sieben Engstellen, sondern auch wegen der Marktumfahrung. An Markttagen rollte der Verkehr – wegen der Engstellen – im Einbahnregime durch das Quartier.

Zum Ärger vieler Anwohner: Sie mussten dadurch bisweilen mit der Kirche um das Dorf. Mit der Tempo-30-Zone könnte, so Suter, dieses umstrittene Einbahnregime wieder Geschichte sein. Allerdings nur, wenn die Bäume fallen.

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