Rheinfelden

Mit Sturmgewehren gegen Terroristen: Die Regionalpolizei rüstet für Amokszenarien auf

Die Regionalpolizei hat im vergangenen Jahr Sturmgewehre und schwere Schutzwesten angeschafft.

Die Regionalpolizei hat im vergangenen Jahr Sturmgewehre und schwere Schutzwesten angeschafft.

Die Regionalpolizei verzeichnet fünf Prozent weniger Aufgebote im vergangenen Jahr. Mit Sturmgewehren und schweren Schutzwesten rüstet sich die Repol für Terror- und Amokszenarien auf.

Es ist ein ungewohntes Bild, als am Mittwochmorgen zwei Polizisten vor dem Posten in Rheinfelden zu einem der Fahrzeuge schreiten – in den Händen ein Sturmgewehr, auf dem Kopf ein Helm, um den Oberkörper eine schwere Schutzweste. Es handelt sich nicht um einen Ernstfall, die beiden Beamten führen die Ausrüstung nur für den Pressetermin vor. Trotzdem: Das Bild macht Eindruck.

Seit vergangenem Jahr verfügt die Regionalpolizei Unteres Fricktal (Repol) über die schwere Ausrüstung, die für den Einsatz bei Terror- oder Amokszenarien gedacht ist. Vier Langwaffen – umgangssprachlich Sturmgewehre – und acht schwere Westen, die auch gegen eben solche von Terroristen oft verwendeten Sturmgewehre schützen. Die Repol reagiert damit auf Einschätzungen von Experten, wonach auch die Schweiz im Ziel terroristischer Anschläge steht.

«Wir hoffen natürlich, dass wir weder mit einem Terror- noch mit einem Amokszenario je konfrontiert werden», sagt Hansueli Loosli, Chef der Regionalpolizei. «Aber sollte es trotzdem passieren, wollen wir gewappnet sein.» Deshalb sei es «ein gutes Gefühl» zu wissen, dass die Repol jetzt entsprechend ausgerüstet sei.

Schnelles Eingreifen entscheidend

Die Beamten der Repol seien häufig als Erste am Ort des Geschehens, erklärt Loosli. Dann sei es wichtig, dass die Polizisten nicht tatenlos zuschauen müssen, weil ihnen eine entsprechende Ausrüstung oder Ausbildung fehlt. «Gerade bei Amoksituationen kann ein sofortiges Eingreifen entscheidend sein. Die Bevölkerung erwartet von uns, dass wir das können und wir wollen das können.» Allerdings, das sei ebenfalls klar, gebe es auch Szenarien, in denen die Regionalpolizisten trotz ihrer neuen Ausrüstung und Ausbildung auf Unterstützung von Spezial-Einheiten angewiesen seien.

Der Fototermin mit der neuen Ausrüstung am Mittwoch ist Teil der jährlichen Präsentation des Geschäftsberichts. Dazu gehört noch viel mehr als neue Waffen und Westen. Auch wenn Loosli sagt, dass das vergangene Jahr «aus polizeilicher Sicht als ruhig eingestuft werden darf». So wurde die Repol im vergangenen Jahr weniger aufgeboten als noch im Jahr davor. 1627 Aufgebote waren es 2017, fünf Prozent weniger als noch 2016 (1709 Aufgebote). «Es ist das erste Mal seit rund zehn Jahren, dass wir hier einen abnehmenden Trend verzeichnen», sagt Loosli.

Beamte sind weniger draussen

Geht es nach ihm, dürfte sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen – oder sich zumindest nicht wieder in eine Zunahme kehren. Eine Zunahme hingegen würde sich Loosli bei der ausgewiesenen Polizeipräsenz wünschen, also bei der Zeit, die Beamte beispielsweise bei Patrouillen in den Quartieren verbringen.

Insgesamt 8820 Stunden Polizeipräsenz erreichte die Repol 2017. Das sind knapp elf Prozent – oder 1035 Stunden – weniger als im Jahr zuvor. Das lasse sich einerseits mit der «relativ hohen Fluktuation» im Team erklären, andererseits auch mit zunehmenden administrativen Aufgaben. «Ziel ist es, die Präsenz im nächsten Jahr wieder zu steigern», sagt Loosli.

In einem ähnlichen Rahmen wie in den Jahren zuvor bewegen sich die Bussenbeträge. Insgesamt knapp 1,1 Millionen Franken hat die Repol an Bussen eingenommen. Das sind knapp zwei Prozent mehr als 2016. Rund 70 Prozent (764 810 Franken) entfallen auf Geschwindigkeitsbussen, der Rest auf Ordnungsbussen.

Bussen in Magden und Schupfart

Allerdings: Die Statistik wird von zwei Ausreissern nach oben etwas verfälscht. In Schupfart (18'650 Franken) und Magden (20'540 Franken) nämlich verteilte die Repol deutlich mehr Bussen als 2016. Da waren es zusammen knapp 4500 Franken. In beiden Gemeinden gab es im letzten Jahr grosse Baustellen an viel befahrenen Strassen. Die Lenker nutzten deshalb Ausweichrouten – und liessen sich dabei auch von Fahrverboten nicht beirren.

Stadtrat Walter Jucker spricht von «Hilferufen» aus den Gemeinden an die Repol: «Die Anwohner wehrten sich gegen den Verkehr.» Ohne die Zahlen aus Schupfart und Magden hätten die Busseneinnahmen sogar leicht abgenommen. «Das spricht für einen gewissen Lerneffekt», sagt Jucker. Zumindest in Schupfart dürfte sich das Problem nun ohnehin gelöst haben; die Bauarbeiten sind abgeschlossen. In Magden hingegen dauert es mit der Wintersingerstrasse noch einige Monate.

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