Mumpf

Mit Sole aus automatischer Enteisungsanlage erfolgreich gegen das Glatteis

Die Fahrbahn der A3 beim Mumpfer Viadukt wird bei Glatteis-Gefahr automatisch mit Salzsole besprüht.

Die Fahrbahn der A3 beim Mumpfer Viadukt wird bei Glatteis-Gefahr automatisch mit Salzsole besprüht.

Ein voller Erfolg: Die automatische Enteisungsanlage auf der Autobahn 3 hat den einstigen Unfallschwerpunkt entschärft. Die Anlage ist im Aargau bis auf Weiteres einzigartig. Die Besonderheit der Lage ist teilweise dafür verantwortlich.

Die Berichte von damals lesen sich alle ziemlich ähnlich. Es ist die Rede von klirrender Morgenkälte, von plötzlichem Glatteis auf der Fahrbahn, von ins Schleudern geratenen Autos – und von Kollisionen. Das Mumpfer Viadukt der A3 über dem Mumpferbach war bis vor einigen Jahren ein regelrechter Unfallschwerpunkt. Tragischer Höhepunkt war ein Unfall im Dezember 2006. Eine Polizeipatrouille eilte damals zu einem Unfall. Zwei Autos waren wegen des Glatteises kollidiert. Ein Polizist wollte die Unfallstelle sichern. In diesem Moment geriet ein weiteres Fahrzeug ins Schleudern und erfasste den Beamten. Er erlag noch auf der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) reagierte auf die Unfälle und installierte auf dem Streckenabschnitt eine automatische Enteisungsanlage – die erste und bis heute einzige im Aargau. Rund zehn Jahre später lässt sich sagen: mit Erfolg. In den letzten acht Jahren gab es im Mumpfer A3Abschnitt nur vier Schleuder- und Selbstunfälle während der Wintermonate. Das zeigt die Unfallkarte des Astra. Und auch die Aargauer Kantonspolizei bestätigt das: «Die Situation konnte entschärft werden», sagt Sprecher Bernhard Graser.

Automatisch eingeschaltet

Die automatische Enteisungsanlage funktioniert mit Salzsole. «In unmittelbarer Nähe steht eine Glatteisfrühwarnanlage zur Verfügung, welche die Lufttemperaturen misst», erklärt Astra-Sprecherin Esther Widmer. Auf der Brücke sind ausserdem Bodensonden eingelassen, welche die Bodentemperaturen messen und Angaben liefern, ob die Fahrbahn trocken oder nass ist. «Geben die Messungen die Werte feuchte Fahrbahn und Fahrbahntemperaturen von 3 Grad an, so schaltet die Sprühanlage ein», sagt Widmer.

Auf der Mumpferbachbrücke wird die Fahrbahn in beiden Fahrtrichtungen mit Sole bespritzt. Ebenfalls ist im System eine sogenannte dynamische Signalisation eingebunden: Bei einer Besprühung der Fahrbahn mit Sole schaltet im Vorfeld auch das Blinksignal «Achtung Schleudergefahr» automatisch ein und ist für die Verkehrsteilnehmenden sichtbar.

Mumpfer Ausnahmesituation

Andernorts seien solche automatischen Enteisungsanlagen derzeit kein Thema, sagt Widmer. Grund dafür sind die Besonderheiten der Situation in Mumpf. «Der Talfuss vom Fischingertal ist in diesem Bereich sehr steil abfallend. Dadurch bildet der Mumpferbach besonders bei grösserer Wassermenge einen Sprühnebel, also Gischt», so Widmer. Sind die Fahrbahntemperaturen im Bereich des Gefrierpunkts, so kann die zu einer Vereisung führen. Das ist eine Ausnahmesituation im Kanton. Das bestätigt auch Dieter Flückiger, Produktverantwortlicher im Winterdienst der Nationalstrassen Nordwestschweiz AG: «Das Mumpfer Viadukt ist aufgrund seiner Lage bekannt dafür, dass sich schnell Glatteis bildet.» Dank der Sprühanlage gibt es allerdings kaum mehr Unfallberichte.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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