Der Entscheid des Regierungsrates, Nancy Holten direkt das Schweizer Bürgerrecht zuzusichern, sorgt bei Regine Leutwyler, Gemeindeammann von Gipf-Oberfrick, für eine gewisse Erleichterung. «Ich bin froh, dass die Sache nun erledigt ist», sagt sie auf Anfrage. Überrascht sei sie aber nicht. «Der Gemeinderat hat damit gerechnet, dass der Entscheid so ausfällt.» Schliesslich habe der Rat beschlossen, dass er den Einbürgerungsantrag kein drittes Mal der Gemeindeversammlung zur Abstimmung vorlegen werde – und diesen Standpunkt auch gegenüber dem Regierungsrat kundgetan.

SVP-Grossrätin Tanja Primault-Suter ist dagegen überrascht, dass der Regierungsrat bereits im zweiten Anlauf die Einbürgerung beschlossen hat. «Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. An anderen Orten ging es öfter hin und her.» Grundsätzlich habe man jedoch mit dem Entscheid rechnen müssen. Für sie ist aber klar: «Mit solchen Entscheiden wird die Gemeindeversammlung zur Farce.»

«Entmündigung»

Noch deutlichere Worte findet der ebenfalls in Gipf-Oberfrick wohnhafte SVP-Nationalrat Maximilian Reimann. «Das ist eine Entmündigung der Gemeindeversammlung. Die Tendenz, die direkte Demokratie auf Landesebene zu schwächen, setzt sich damit auf Gemeindeebene fort.» Das sei aus seiner Sicht bedauerlich und er habe gehofft, dass der Regierungsrat nach der Stärkung der rechten Seite bei den letzten Wahlen anders entscheiden würde, so Reimann weiter. «Ich bin enttäuscht, dass die Kantonsregierung erneut einen fragwürdigen Gerichtsentscheid über die direkte Gemeindedemokratie gestellt hat.»

Rückendeckung erhält die Kantonsregierung dagegen von SP-Grossrätin Elisabeth Burgener. «Ich unterstütze den Entscheid des Regierungsrates.» Sie habe den Einbürgerungsantrag Holtens stets formell und losgelöst von der Person betrachtet und sei zum selben Schluss gekommen wie der Regierungsrat: «Es gibt keine sachlichen Gründe, Nancy Holten nicht einzubürgern.» Deshalb werde sie auch in der Einbürgerungskommission und im Grossen Rat den Standpunkt der Regierung vertreten.

Nancy Holten holt sich den Schweizer Pass

Nancy Holten holt sich den Schweizer Pass

Der Aargauer Regierungsrat hat sich für die Einbürgerung der Holländerin ausgesprochen. In ihrem Wohnort Gipf-Oberfrick scheiterte Holten zweimal.

Nancy Holten eckt an

Maximilian Reimann hält dagegen: «Die Gemeindeversammlung hat zweimal klar gesagt: ‹Nancy Holten passt nicht zu uns.› Das ist für mich Legitimation genug für eine Ablehnung.» Er respektiere natürlich die Meinungsfreiheit von Nancy Holten, so der Nationalrat weiter. Doch sie habe mit ihren Rundumschlägen gegen viele Sitten und Gebräuche im Dorf den Bogen überspannt. «Da kann sie nicht erwarten, dass sie zum Dank noch eingebürgert wird.»

Regine Leutwyler rechnet denn auch damit, dass der Entscheid in Gipf-Oberfrick auf wenig Verständnis stösst. «Nancy Holten eckt mit ihrem Auftreten und ihrer stetigen Medienpräsenz an», so Leutwyler. «Viele Gipf-Oberfricker sind nun wohl wenigstens froh, dass sie sagen können: ‹Wir haben sie nicht eingebürgert›.»

Juni 2016: «Ich bin keine Böse», sagt Nancy Holten

Juni 2016: «Ich bin keine Böse», sagt Nancy Holten

Sie hofft, dass sich die Gemüter der Gipf-Oberfricker in der Zwischenzeit etwas beruhigt haben. «Und sehen, dass ich mich nur für Tiere einsetzen will – Tierschutz und Schweizer Pass, das beisst sich doch nicht.»