Der Fricker Dinosaurier hat einen Namen: XL. Und der Name ist Programm. Knapp acht Meter misst der Plateosaurier, der im vergangenen Jahr in der Tongrube entdeckt wurde (Kontext). Die kleinste Kralle an seinem Fuss ist grösser als die grösste Kralle eines Grizzlybärs.
Mittlerweile sind die Überreste von XL geborgen. Im Sauriermuseum Aathal (ZH) ist Grabungsleiter und Paläontologe Ben Pabst daran, die Knochen zu präparieren.

Pabsts Arbeitsplatz im ersten Stock des Museums ist verglast. Die Besucher können ihm auf dem Rundgang genau auf die Finger schauen. Stören lässt sich der Paläontologe von den Zuschauern nicht. Nervös werden darf er erst recht nicht: «Wer an Dinosaurierknochen hantiert, braucht eine ruhige Hand», sagt Pabst. Die Überreste sind fragil, liegen teilweise nur locker im Lehm. Ein Zucken zum falschen Zeitpunkt und ein Stück Knochen ist abgesplittert.

Leim ist das Wichtigste

Ben Pabst hat rund ein Dutzend Instrumente zur Hand. Darunter eine Lupenbrille und einen Pinsel, ein Skalpell, einen Staubsauger, zwei Mini-Presslufthämmer, eine Putzmittel-Flasche voll Wasser – und eine Tube Leim. «Der Leim ist das wichtigste Werkzeug. Denn er sorgt dafür, dass die lockeren Knochenteile nicht wegbrechen und im Staubsauger landen», erklärt Pabst.

Pabsts Arbeit gleicht jener eines Zahnarztes – nicht nur, weil er gerade den Kiefer und das Gebiss eines Dinos freilegt. Es ist das Surren des Mini-Presslufthammers, das an den Bohrer beim Zahnarzt erinnert. Eine feine Nadel schlägt mit einer Vibration im Submillimeter-Bereich den Lehm von den Knochen. In besonders harten Bereichen nutzt Pabst einige Tropfen Wasser, um den Lehm aufzuweichen.

Die abgeschlagenen Stücke wischt er mit dem Pinsel weg, saugt sie schliesslich mit dem Staubsauger auf. Ein direkt neben den Überresten platziertes Lüftungsrohr sorgt dafür, dass der Paläontologe bei der Arbeit nicht zu viel Staub einatmet.

Pabst rechnet mit einigen Tagen, bis er den kompletten Kiefer präpariert hat. Der Kiefer gehört allerdings nicht zu XL, soll aber dereinst mit dessen Überresten ausgestellt werden. Denn obwohl XLs Skelett «aussergewöhnlich komplett» gefunden wurde, fehlt ausgerechnet der Kopf. Er wurde wohl beim Bau einer Strasse durch die Tongrube abgetragen, vermutet der Grabungsleiter.

Skelett mit 300 Knochen

Immer zur Hand hat Ben Pabst neben Pinsel, Presslufthammer und Lupenbrille auch einen exakten Plan der Fundstelle. Jeder einzelne Knochen bis hin zu den kleinsten Rippen ist darauf eingezeichnet und beschriftet. Mit rotem Farbstift markiert Pabst jene Teile, die bereits präpariert sind. Im Falle von XL sind das ein Bein mit dem Fuss, die Rippen und ein Arm. «Als Nächstes folgen wohl eine Schulter und die ersten Halswirbel», sagt Pabst. Arbeit bleibt noch viel: Rund 300 Knochen zählt das Skelett eines Plateosauriers.

Unterstützt wird Ben Pabst bei der Präparation von XL von einer Kollegin. Sie ist ausgebildete Paläontologin, arbeitet allerdings als Kindergärtnerin und nutzt XL als Ausgleich. Die Fortschritte hängen einerseits mit den zeitlichen Kapazitäten der beiden Fachleute zusammen. So ist Pabst derzeit in mehreren Projekten engagiert.

Andererseits sind auch die Finanzen entscheidend. Das Dinosauriermuseum Frick sucht laufend Sponsoren, die bereit sind, einen Geldbetrag für die Bearbeitung einzelner Knochen zu spenden. Rund 50 000 Franken sind insgesamt nötig, um XL zu präparieren, schätzt Pabst.

Nach XL kommt XS

Die präparierten Überreste werden im Dinosauriermuseum in Frick bereits ausgestellt. Zum Jubiläumsfest des Museums im Oktober soll auch der Schädel in Frick gezeigt werden.
Bis Ende 2017 oder Anfang 2018 soll das gesamte Skelett fertig sein. Ziel ist es, den Dinosaurier mobil zu machen: XL soll auf verschiedenen, einfach zu montierenden Platten installiert werden und so von Ausstellung zu Ausstellung reisen können. Erste Anfragen liegen vor.

Ben Pabst wird sich dann bereits dem nächsten Projekt zugewendet haben. In diesem Sommer kamen bei Grabungen in Frick erneut aussergewöhnliche Überreste zum Vorschein. Der Oberschenkelknochen dieses Plateosauriers misst 22 Zentimeter und ist damit gerade einmal halb so lang wie der bisher kleinste gefundene Oberschenkelknochen. «So ein kleines Exemplar gibt es weltweit noch nicht», sagt Pabst. Gut möglich also, dass nach XL ein Dino namens XS auf seinem Präparationstisch landet.