Fricktal

Mit oder ohne Kreuz – der Konsument entscheidet

Gehört das Kreuz im Schulzimmer abgehängt? Die Meinungen gehen auseinander. key

Gehört das Kreuz im Schulzimmer abgehängt? Die Meinungen gehen auseinander. key

In die Diskussion um die Kreuze im Café Kunz hat sich Valentin Abgottspon, einer der bekanntesten Freidenker der Schweiz, eingeschaltet. Es sieht darin kein Problem.

Confiseur Markus Kunz hat mit seiner Ansage, das Kreuz sei Teil seiner Philosophie und bleibe deshalb in seinen Cafés hängen, auch wenn dies jemand stören sollte, in ein Wespennest – pardon: einen Bienenstich gestochen (az von gestern). In den Online-Foren wird seither eifrig darüber debattiert, ob ein Kreuz in der Öffentlichkeit etwas zu suchen hat oder nicht. Dreierlei fällt auf:

Die meisten Kommentatoren unterscheiden zwischen öffentlichem Raum – also beispielsweise einer Schule oder einer Verwaltung – und einem öffentlich zugänglichem Raum – etwa einem Café. Bei Letzteren sagen auch viele bekennende Freidenker und Atheisten: Ein Kreuz aufzuhängen, ist das gute Recht des Eigentümers. Diese Ansicht vertritt auch Valentin Abgottspon, der schweizweit wohl bekannteste Freidenker.

Abgottspon verlor 2010 im Wallis seine Stelle als Lehrer, nachdem er sich weigerte, ein Kruzifix in seinem Klassenzimmer wieder aufzuhängen. Ein Café sei kein Schulzimmer und kein Gerichtssaal, schreibt Abgottspon auf Facebook. «Es ist seine Freiheit als Unternehmer, ob er da ein Kruzifix, ein Kreuz, eine Gebetsmühle, einen Baphomet, ein Xenu-Bildli, eine Mohammed-Karikatur, einen David-Stern, ein Stalin-Konterfei oder Justin Bieber aufhängt.» Und weiter: «Es ist die Freiheit der Konsumentinnen und Konsumenten, dann dort einzukaufen oder auch nicht.»

Pragmatismus ist gefragt. Kunz solle es halten, wie er wolle, schreibt Barbara. «Ich für mich persönlich lasse so ein Café einfach aus und gehe woanders hin.» Einen anderen Lösungsansatz hat Patricia: «Wenn ich in ein Hotelzimmer komme und dort hängt ein Kreuz an der Wand, darf es während meines Aufenthaltes in einer Schublade liegen.»

Das Christentum ist die Basis unserer Kultur. «Der christliche Glaube gehört zu unserer Kultur und warum soll man nicht dazu stehen?», fragt Andrea und fügt an: «In der Schweiz herrscht Glaubensfreiheit.»

Ähnlich argumentiert Roger Fricker, Gemeindeammann in Oberhof. «Unsere Kultur basiert auf dem Christentum. Es ist deshalb nur richtig, wenn wir zu den Symbolen dieser Kultur stehen.» Im Gemeinderatszimmer hänge ein Kruzifix, also ein Kreuz mit Christuskorpus. «Es stand bislang nie zur Diskussion, dieses abzuhängen», sagt der SVP-Politiker.

Für Hansueli Bühler, Gemeindeammann von Stein und Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio, darf ein Kreuz auch im öffentlichen Raum – also etwa in der Schule – hängen. Die entscheidende Frage sei, ob ein Kreuz an der Wand Angehörige anderer Religionen oder Atheisten provoziere. Für den FDP-Politiker ist dies nicht der Fall.

Mehrheit entscheidet

Bühler macht die Hamlet-Frage, also Sein oder Nichtsein (in diesem Fall von Kreuzen an Schulen), an einem quantitativ messbaren Indikator fest: «Solange die Mehrheit einer der Landeskirchen angehört, muss es möglich sein, dass eine Schule sagt: Wir hängen ein Kreuz an die Wand.» Ihm ist gleichzeitig wichtig: «Verpflichten darf man niemanden.»

Für CVP-Grossrat Martin Steinacher hat die Kreuz-Frage noch eine tiefer gehende Dimension: «Wenn wir unsere Werte hochhalten wollen, müssen wir sie auch zeigen.» Für ihn ist deshalb klar: «Kreuze im öffentlichen Kontext müssen möglich sein.»

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