Sabine Anderhub war stets eine begeisterte Tänzerin. Ihr Mann Däni dagegen war ein Tanzmuffel. Das änderte sich erst nach 20 Beziehungsjahren. «Meine Frau hat mich bei meinen sportlichen Tätigkeiten immer unterstützt», so Däni Anderhub. «Zum 20. Jahrestag habe ich ihr geschenkt, dass ich mit ihr einen Tanzkurs mache.» Damals war er der festen Überzeugung, dass es bei einem Tanzkurs bleibt. Doch es kam anders. «Däni hat Gefallen am Tanzen gefunden. Wir besuchten einen zweiten und dritten Kurs und es machte uns beiden immer Spass», so Sabine Anderhub. Und ihr Mann ergänzt: «Im Rückblick kann ich sagen, dass ich viel zu spät angefangen habe.» 

Etwas fiel den beiden jedoch bald auf: In der Region gibt es nur wenige Tanzlokale oder Tanz-Events. «Die nächsten Ausgehmöglichkeiten um Discofox zu tanzen, sind in Egerkingen, Rothrist, Zürich oder Freiburg im Breisgau», so Sabine Anderhub. «Irgendwann wollten wir nicht mehr immer so weit fahren und haben Gleichgesinnte in der Region gesucht.» 

Erwartungen klar übertroffen 

Über einen Eintrag in einer Kaiseraugster Facebook-Gruppe fand das Ehepaar Anderhub Oliver Jucker – zu dritt gründeten sie den Verein «Kaiseraugst tanzt». «Unser Ziel war es, die Paartanz-Kultur wieder aufleben zu lassen und einen Treffpunkt für Gleichgesinnte zu schaffen», so das Ehepaar. Vor 15 Monaten organisierten sie deshalb den ersten Tanzevent im Kaiseraugster Liebrüti-Saal. Sie boten in Zusammenarbeit mit einer Tanzschule zuerst einen einstündigen Workshop an, anschliessend standen die Tanzflächen offen für Latin- und Discofox-Begeisterte. 

«Wir hatten mit zehn Paaren für den Workshop und insgesamt etwa 30 bis 40 Leuten gerechnet», sagt Däni Anderhub. Doch das Interesse war viel grösser. 60 Leute nahmen am Workshop teil, 150 tanzten anschliessend durch die Nacht. Zwei Monate später war der zweite Event mit 250 Gästen bereits ausverkauft. 

Damals fiel auch der Entscheid, die Besucherzahl zu limitieren. «Wir wollten den Saal nicht vollstopfen, sondern eine stimmungsvolle Atmosphäre bieten», so Däni Anderhub. Dazu gehören ein ausgefeiltes Lichtkonzept, eine Akustik, die es auch erlaubt, miteinander zu reden, eine Bar und zwei Tanzflächen. Da sich viele Leute genierten, vor anderen zu tanzen, gebe es stets eine etwas weniger ausgeleuchtete Nebentanzfläche. Ein Konzept, das sich sehr bewährt habe. 

So bewährt, dass die folgenden Anlässe stets schon im Vorverkauf ausverkauft waren. Mittlerweile reisen auch Gäste aus dem Thurgau oder der Innerschweiz an. «Ohne, dass wir viel Werbung machen», wie Sabine Anderhub sagt. «Aber die Tanz-Szene ist gut vernetzt.» Der grösste Teil der Besucher der Tanz-Events komme aber aus dem Fricktal und den angrenzenden Regionen des Aargaus und des Baselbiets. Altersmässig seien rund zwei Drittel der Teilnehmer zwischen 40 und 60 Jahre alt. «Doch wir haben auch vermehrt Gäste unter 30 und einen Stammgast über 80.» 

Neuer Verein, neue Location 

Viele Besucher kommen mit ihrem (Tanz-)Partner oder in Gruppen. «Doch es gibt auch Singles, die alleine kommen», so Sabine Anderhub. Mittels einem Armband können die Single-Frauen dabei an den Partys kundtun, bei welchem Stil sie gerne zum Tanzen aufgefordert werden wollen.

Die Gäste dürfen sich im neuen Jahr auf eine neue Location freuen. 2019 finden die Veranstaltungen mehrheitlich im Bahnhofsaal in Rheinfelden statt – da der Liebrüti-Saal wegen des Domus-Baus voraussichtlich nicht mehr zur Verfügung steht. Gleichzeitig wurde ein weiterer gemeinnütziger Verein namens «Fricktal tanzt» gegründet, der die Veranstaltungen in Rheinfelden durchführt und verantwortet. «Mit der Kulturkommission Rheinfelden haben wir einen Partner gefunden, der die Idee des Projekts unterstützt», so Sabine Anderhub. Der erste Event im Bahnhofsaal findet am 19. Januar statt. 300 Gäste haben Platz, das bewährte Konzept mit Workshop und Tanz-Event wird beibehalten. Der Vorverkauf via «Eventfrog», einem Online-Ticketshop, laufe gut, so Däni Anderhub. 

Mit der grossen Nachfrage ist auch der Aufwand gewachsen. Vor allem der Auf- und Abbau der Location ist aufwendig, haben sich doch mittlerweile 4,5 Tonnen Material angesammelt. Deshalb sucht der Verein auch eine fixe Location, damit die Veranstaltungen öfter durchgeführt werden können und der aufwendige Auf- und Abbau vermieden werden könnte. Eine solche Location zu finden, sei allerdings schwierig, sagt das Ehepaar Anderhub. Und so setzt man im Jahr 2019 auf die Lösung Bahnhofssaal. 

Rund 3000 ehrenamtliche Arbeitsstunden leisten der Verein und die freiwilligen Helfer im Jahr. Dieses Jahr arbeitet «Fricktal tanzt» nun deshalb das erste Mal mit der Organisation «mit.dabei Fricktal» zusammen. «So entsteht eine Win-win-Situation», sagt Däni Anderhub. «Fricktal tanzt» gebe den Asylsuchenden die Möglichkeit einer Beschäftigung und Integration und erhalte Unterstützung beim Auf- und Abbau.