Fricktal

Mit dem Töff 53 Jahre lang auf Achse

Der Ryburger Emil Urben (rechts) gehört zu den Originalen im Dorf, hier beim Apéro mit Joseph Simsa, Sohn des alten Bata-Direktors. ach

Der Ryburger Emil Urben (rechts) gehört zu den Originalen im Dorf, hier beim Apéro mit Joseph Simsa, Sohn des alten Bata-Direktors. ach

Im Dorf ist Emil Urben heute noch unter seinem Spitznamen «Gilera-Mil» ein Begriff. Schon als junger Bursche entwickelte Emil Urben (84) seine Leidenschaft zum Motorrad und war als Konsequenz nie mit dem Auto gefahren.

Die Begeisterung für die italienische Top-Marke Gilera trug ihm rasch den Spitznamen «Gilera-Mil» ein, den er bis heute nicht mehr loswurde, der vor allem in der mittleren und älteren Mehler Generation ein Begriff ist und den Familiennamen fast schon verschwinden liess.

«Manchmal Rennfahrertempo»

Wer dem «Gilera-Mil» begegnet, der schön schäumendes Bier oder einen guten Wein nicht verachtet, erkennt in dem rüstigen Pensionär ein wandelndes Motorrad- und Dorflexikon. Einst schaffte der gelernte Zimmermann bei Schindler Waggonbau in Pratteln. Keine Frage, dass er bei Wind und Wetter mit dem Töff zur Arbeit fuhr. Er schätzt sich als Erster im Fricktal, der auf einer 500er Vierzylinder Gilera sass; zuvor hatte er sich mit einer 250er Motosacoche begnügt. «Gilera-Mil» erinnert sich und schmunzelt: «1953 gabs noch keine Tempobeschränkung, da konnten wir manchmal schon Rennfahrertempo vorlegen.»

Er gesteht ganz offen, «früher mitunter rasant und frech» gefahren zu sein. Allerdings nicht, wenn seine Frau mit auf dem «Bock» hockte. «Zum Glück ist nie etwas Ernsthaftes passiert.» Die «jungen Wilden» von damals scheuten sich nicht, beispielsweise in die Rheinfelder Marktgasse, die noch keine Fussgängerzone war, mit ihren Töffs einzurollen und dann auf Beizentour zu gehen. «Im National haben wir angefangen und sind dann schön gezügelt; heute unmöglich.»

Saxofon auf dem Rücken

Als zweite Leidenschaft prägte die Musik den «Gilera-Mil». Im ganzen Fricktal spielte er an den unterschiedlichsten Festen und Feiern; ein Mann also für Folklore, Ländlermusik und Schlager. Zu seinen Auftritten fuhrt er logischerweise mit seinem Töff und hatte das Saxofon auf den Rücken geschnallt. «Vierzig Jahre Tanzmusik bleiben eine unvergessliche Zeit, so 400 Witze habe ich sicher noch auf Lager», gesteht ein mit seinem Lebensablauf zufriedener Mensch.

Kürzlich erst kramte er wieder sein Instrument hervor, begann mit dem Üben. In der wärmeren Jahreszeit geht zwischendurch zum Fischen an den Rhein. «All das hält jung», strahlt «Gilera-Mil». Nach 53 Jahren beendete er das Motorradfahren. Und: «Vor einem halben Jahr habe ich mein Papier abgegeben.»

Als er an einem Gemeindeapéro zum Jahresanfang überraschend einen Weggefährten aus jungen Jahren traf, war die Freude natürlich gross. Joseph Simsa, der heute in Lenzburg wohnt, ist Sohn des ehemaligen Bata-Direktors.

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