Verzollungen
Mit dem Einkaufstourismus nimmt auch der Schmuggel zu

In den letzten Wochen haben nicht nur mehr Schweizer in Deutschland eingekauft. Es haben auch mehr ihre eingekauften Waren nicht verzollt. Die Schweizer Grenzwache reagiert darauf, indem sie mehr Stichproben durchführt.

Nadine Pfeifer
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Wie viel Bier ist da im Kofferraum? Pro Person sind nur fünf Liter zollfrei.ARCHIV

Wie viel Bier ist da im Kofferraum? Pro Person sind nur fünf Liter zollfrei.ARCHIV

Nicht nur der Einkaufstourismus hat nach dem Sturz des Eurokurses zugenommen. Mit ihm haben sich auch die Grenzgänger, die ihre in Deutschland eingekaufte Ware nicht ordnungsgemäss verzollen, gemehrt.

Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Grenzwachtregion Basel, zu der auch die Grenzübergänge Rheinfelden, Laufenburg und Stein gehören, sagt: «Wir haben in der Nordwestschweiz eine Zunahme beim Einkaufstourismus und leider auch beim Schmuggel festgestellt.»

Ab einem Einkauf von 300 Franken ist der Einkaufstourist verpflichtet, die Schweizer Mehrwertsteuer zu bezahlen. Kauft man mehr als zum Beispiel ein Kilogramm Fleisch oder einen Liter Alkohol mit über 18 Prozent Alkoholgehalt pro Liter, muss die Ware zusätzlich auch noch verzollt werden.

Diese speziellen Waren müssen auch dann verzollt werden, wenn ihr Wert die 300-Franken-Grenze nicht übersteigt. Patrick Gantenbein sagt: «Beim Schmuggel entfällt ein Teil auf den Lebensmittelsektor, dort vor allem auf den Fleischbereich.»

Personalaufstockung möglich

Während man gerne mal «vergisst», die Schweizer Mehrwertsteuer und Zollgebühr zu bezahlen, vergisst kaum jemand, die Deutsche Mehrwertsteuer zurückzufordern. «Seit der vierten Kalenderwoche stellen wir einen – für diese Jahreszeit unüblichen – Anstieg an Schweizer Einkäufern fest», sagt Michael Hauck vom Hauptzollamt Singen.

Das führt zu langen Warteschlangen an den Abfertigungsschaltern der Deutschen Zollämter. Dort werden die Ausfuhrkassenzettel, mit denen man die Mehrwertsteuer beim Verkäufer zurückfordern kann, abgestempelt. «Wenn der Ansturm auf die Abfertigungsschalter weiter zunimmt, werden wir das Personal aufstocken», erklärt Hauck.

Diese Massnahme ist man sich bereits von grösseren Anstürmen in der Vorweihnachts- und Vor-Osterzeit gewohnt. Hauck sagt: «Wir haben hier in der südbadischen Grenzregion langjährige Erfahrung mit temporär zunehmendem Schweizer Einkaufstourismus.»

Eine Möglichkeit, die Schlangen vor den Deutschen Zollämtern zu reduzieren, könnte eine sogenannte Bagatellgrenze sein. Diese wird in Deutschland aktuell diskutiert. Dabei würde der Einkäufer erst ab einem bestimmten Einkaufswert, zum Beispiel ab 100 Euro, die Deutsche Mehrwertsteuer zurückerhalten.

Ob diese Massnahme aber wirklich zu kürzeren Wartezeiten führen würde, ist noch unklar. «Das daraus resultierende Kaufverhalten der Schweizer ist nur schwer vorhersehbar», sagt Hauck.

Stichproben führen zu Stau

Auch die Schweizer Grenzwache reagiert auf die Zunahme an Einkaufstouristen und den Schmugglern unter ihnen. Die Kontrollstrategien werden laufend angepasst und es werden vermehrt Stichproben durchgeführt. Das hält allerdings den Verkehr auf. Patrick Gantenbein erklärt: «Zu Spitzenzeiten, wie an Freitagnachmittagen oder Samstagen, kommt es deswegen immer wieder zu Rückstaus und Wartezeiten an den Grenzübergängen.»