Bad Säckingen

Mit Blick für das Alltägliche

Ewig junger «Emil»: Auch mit 84 Jahren weiss Emil Steinberger das Publikum zu begeistern.

Ewig junger «Emil»: Auch mit 84 Jahren weiss Emil Steinberger das Publikum zu begeistern.

Komiker Emil Steinberger überzeugte im Gloria-Theater mit seiner Show «Emil – Noch einmal».

Weisses Haar, verschmitztes Lächeln, funkelnder Schalk im Blick und eine unübertreffliche Mimik: Gleich mit seiner ersten Nummer als schusseliger Garderoben-Mann erobert der Schweizer Kult-Kabarettist Emil Steinberger das Publikum im Bad Säckinger Gloria-Theater im Sturm. An zwei Abenden präsentierte der Schauspieler und Komiker vor ausverkauftem Haus seine Sketch-Parade «Emil – Noch einmal».

Unnachahmlich, wie der 84-Jährige frisch, gewitzt, spontan und locker wie eh und je in die Paraderollen seiner legendären Sketche schlüpft und die Zuschauer mit seinem liebenswürdigen Humor über volle drei Stunden bei bester Laune hält. Am Samstag und Sonntag war ein achtköpfiges Basler Filmteam vor Ort, um die Vorstellungen live aufzunehmen. Für die Gloria-Macher ist es «eine grosse Ehre», dass Steinberger die Gastspiele in ihrem Haus für den Live-Dreh ausgewählt hat und hier die letzte Show der Tournee spielte.

Mit viel Selbstironie

Es hat etwas Hintergründig-Selbstironisches, wenn «Emil» fragt, warum der Garderoben-Mann in seinem Alter noch arbeite. «Er will einfach!», sagt er spitzbübisch. Ausserdem könne er mit seiner kleinen Rente nicht überleben und müsse etwas dazu verdienen. Kleine Leute, Menschen aus dem Alltag zu beobachten und darzustellen, kann Emil Steinberger wie kein Zweiter. Seit «Emil» gibt es einen anderen Blick auf das Allzumenschliche und das Alltagsleben, plaudert er aus dem Erfahrungsschatz seiner langen Karriere.

Wie humorvoll und hintersinnig er Menschentypen aufs Korn nehmen kann, zeigt er in der Nummer als neugieriger Rentner, der mit dem Stumpen im Mund aus dem Fenster schaut und auskundschaftet, was die Nachbarn so treiben. Die Sketche verknüpft Steinberger mit launigen, witzigen, durchaus auch zeitkritischen Bemerkungen zu aktuellen Themen.

Steter Rollenwechsel

Immer wieder wechselt er agil in verschiedene Rollen. Einen Lacher nach dem anderen fährt Steinberger im Sketch aus dem Eisenbahnabteil ein, wo er als Bahnreisender die anderen Passagiere mit seinem ständigen Gequassel nervt. Köstlich ist auch die Nummer als nörgelnder, besserwisserischer Beifahrer im Auto auf Parkplatzsuche. Umwerfend in der Mimik und Gestik, wie Steinberger dieses Hin- und Her-Rangieren parodiert.

Und dann die Telegrafen-Nummer. Im weissen Kittel, mit Brille und zerknautschter Miene mimt Steinberger den begriffsstutzigen, gemächlichen Mann vom Amt, der beim Kreuzworträtseln und bei den Telegrammen alles durcheinanderbringt. Geschickt schlägt Emil einen Bogen von dieser herrlich altmodischen Szene zu den heutigen digitalen Kommunikationsformen und zur Handy- und App-Manie der jungen Generation. Die Mischung aus aktuellen Geschichten, die Steinberger mit pointiertem Witz erzählt, und den beliebten Sketchen macht das Programm abwechslungsreich. Das Publikum dankt es dem ewig jungen «Emil» mit riesigem Beifall und einer spürbaren Welle der Sympathie.

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