Karl Ries (79) hatte es zu seinem persönlichen Fest nicht weit. Wohnt er doch seit seiner Pensionierung im Jahr 2000 in direkter Nachbarschaft zum Schulhaus, wo die Feier stattfand. Die politische Gemeinde Sisseln hat ihm dort als Alterssitz ein Haus renoviert. Das ist, auch wenn der Jubilar lange schon nicht mehr regulär im Dienst ist, dennoch eine Art Pfarrhaus. Übernimmt der rüstige 79-Jährige vertretungsweise doch viele Gottesdienste im Seelsorgeverband Eiken-Münchwilen-Sisseln.

Karl Widmer, Präsident der Kirchenpflege des Seelsorgeverbands, sagte bei der weltlichen Feier in der Turnhalle, dass man Ries in seinem Eifer zur Übernahme von Gottesdiensten seiner Gesundheit zuliebe oft bremsen müsse. Widmer würdigte Ries als einen toleranten, volkstümlichen und geselligen Pfarrer und als «Glücksfall für den Seelsorgeverband Eiken-Münchwilen-Sisseln». Durch seinen Einsatz könne der akute Priestermangel zumindest gelindert werden.

Entdeckung der Langsamkeit

Höhepunkt der Feier am Sonntag war ein von Karl Ries, Diakon Urs Buser und weiteren Pfarrern zelebrierter Gottesdienst unter freiem Himmel. Die Kirchenchöre aus Eiken und Stein unter Leitung von Simone Böhler, der Kapuzinermönch Bernardin Heimgartner auf der Geige und das Schweizer Drehorgel-Orchester begleiteten die Messe musikalisch.

Der österreichische Pfarrer Gerhard Hatzmann, Ries durch seine Wallfahrten nach Lourdes bekannt, sagte in seiner Predigt, dass die Kirche menschlich und glaubwürdig sein müsse, «Sauerteig der Gesellschaft», engagiert und kritisch. Ries stehe mit seiner Person und seinem Wesen für eine solche Kirche ein. Hatzmann sprach auf Ries bezogen von der «Entdeckung der Langsamkeit». Diese gebe den Menschen gerade in den modernen und hektischen Zeiten Halt und Orientierung. Hatzmann überreichte Ries drei weisse Rosen, sinnbildlich für die Menschen, die ihn auf seinem langen Weg in der Kirche begleitet haben.

17 Jahre in Brugg tätig

«Mir sind die 50 Jahre gar nicht so lange vorgekommen», sagte Ries auf Nachfrage der Aargauer Zeitung. Der in Bern Aufgewachsene fand erst nach einer kaufmännischen Lehre in den Pfarrerberuf. Nach der Weihe 1964 in Solothurn war Karl Ries, der auch Ortsbürger von Sisseln ist, in Langenthal und Luzern. Von 1970 bis 1982 war er Pfarrer in Pfeffikon/LU, bevor er dann 1983 für 17 Jahre die Leitung der Pfarrei Brugg übernahm. «Brugg hat mir als Diasporagemeinde besonders gut gefallen», sagte der Jubilar. Gut gefiel ihm am Sonntag auch die gemeinsame Feier seines goldenen Priesterjubiläums mit mehr als 300 Gästen.