Das Intro hat es in sich. «Ui», sagt Claudine Bollier auf einmal laut, wie sie in der Eiker «Sonne» beim Nachtessen sitzt und isst. «Ui», sagt sie nochmals, hält sich die Hand vor den Mund, verdreht die Augen leicht. «Uiiiii.» Diesmal hallen die zwei Silben noch lauter, noch eindringlicher durch die Gaststube. «Ui, was?», fragt sich der Zuschauer. «Ui, heiss?», «Ui, fein?», «Ui, scharf?», «Ui, pfui?»

Schnitt. In dieser Woche ist das Schweizer Fernsehen mit seiner Sendereihe «Mini Beiz, dini Beiz» im Aargau unterwegs. Jeden Abend stellt ein Stammgast seine Beiz vor. Zu fünft wird angestossen, gespeist, diskutiert, gelacht, gelobt, kritisiert – und bewertet. Zweimal vergeben die Testesser dabei ihre Punkte im Fricktal: Am Dienstagabend war die «Sonne» in Eiken an der Reihe, am Mittwochabend geht es ins «White House» nach Rheinfelden.

Rückblick. In der ersten Folge kehrte die Truppe am Montag im Freiamt ein, im «Rössli« in Beinwil. Das ist die Stammbeiz von Albert Kreyenbühl, 75, Rentner, Single, kochunwillig. Er sei «gut zwäg», meint Claudine Bollier, 58, Bank-Rezeptionistin, anerkennend.

Der Gasthof Sonne (Eiken) bei «Mini Beiz, dini Beiz»

Viel Anerkennung erntete am Montag auch «Rössli»-Wirtin Rita Murer: Sie und ihr Team holten sich bei den vier Testessern (der eigene Stammgast darf natürlich nicht mitbewerten) 33 von 40 möglichen Punkten. Eine steile Vorlage für die Konkurrenz, man kann auch sagen: Die Suppe ist angerichtet. Wie heiss sie ist, wird sich bis am Freitag zeigen.

Als Erster versuchte am Dienstag «Sonne»-Wirt Florian Bader Paroli zu bieten. Er ist über die Region hinaus bekannt als «Cordon bleu King». 26 Cordon bleu hat er auf seiner Karte – für jeden Kanton eines. Als er die «Sonne» vor zehn Jahren übernommen hat, «wäre es mir nie im Traum eingefallen, ein Cordon bleu auf die Karte zu nehmen», erzählt 35-jährige Koch und Wirt. Eines Tages bestand ein Gast aber darauf, ein Cordon bleu serviert zu bekommen – und der «King» war geboren.

Dass er mit diesem Titel die Messlatte hoch ansetzt, dass da der Käse gehörig fliessen muss, weiss Bader. Gerade im Blick auf die Grenznähe «müssen wir schauen, dass wir Kunden bekommen», erklärt er in der 25-minütigen Sendung. «Ich kann nicht in der Küche stehen und hoffen, dass Kunden kommen. Ich muss das Marketing auch leben.» Oder wie es Stammgast Dana Mentzel sagt: «Du musste der King sein.»

Für die 33-Jährige, die vor zehn Jahren nach Eiken gezogen ist, ist Bader «der beste Koch». Das ist dem Gekrönten nun sichtbar unangenehm und er relativiert sofort. Genau diese Bescheidenheit und die damit einhergehende Herzlichkeit machen ihn sympathisch. Man spürt dabei: Die beiden verstehen sich. Sie haben auch schon zusammengearbeitet; Dana Mentzel servierte eine Zeit lang in der «Sonne». Sie lacht. «Ich habe bald herausgefunden, dass ich mich besser als Gast denn als Serviertochter mache.»

Heute arbeitet Mentzel, ausgebildete Tierpflegerin, als Teamleiterin in einem Fachmarkt. Die Verbundenheit ist geblieben. Sie sei «fast ein Teil der Familie», sagt Bader – und nimmt sie sogleich mit in die Küche, wo Mentzel ihm hilft, das Basler Cordon bleu zuzubereiten – ein Lachs-Cordon bleu mit einer Frischkäsefüllung in einer Mohnpanade.

Drei Cordons bleus serviert

Es ist nur eines von drei Cordons bleus, das er den TV-Gästen an diesem Abend vorsetzen wird, was denn auch Bollier ein «Um Gottes willen, wie gross muss der Teller sein?» entlockt. Gar nicht so gross, denn die drei Cordons bleus sind recht handlich. Summa summarum mit der Vorspeise – Tatar vom Moschtbröckli auf Berner Rose, einer besonderen Tomatenart – und den Beilagen Gemüse, Spätzli und Pommes Dauphine ist das Mahl dann doch üppig.

Und ebenda, beim Biss in die Dauphine, entweicht Claudine Bollier das «Ui»-Staccato – weil die Kartoffel heiss ist. «Sauheiss», wird Fredy Nater, 56, Filialleiter im Pflegebereich, später sagen. Er unterdrückte jegwelche Laute, ass «zähneknirschend ohne Mucks» weiter, wohl die Kartoffelhölle auf Erden vor Augen.

Sonst machen die fünf durchaus ihre Mucks; sie verstehen sich gut, lachen viel – und auch für kleine Flirts über den Tisch hinweg bleibt Platz.

Das Sendekonzept gefällt, die 25 Minuten sind kurzweilig und man erfährt doch auch einiges über die Region und das Restaurant. So etwa, dass es die «Sonne» seit mehr als 600 Jahren gibt. Vor allem lebt die Sendung – neben dem Essen – von der Spontanität und Unverkrampftheit ihrer Darsteller.

Bollier: «Wie isst Du normalerweise?» Mentzel: «Gesittet.»

Gesittet schritten die Testesser nach dem Mahl auch zur Bewertung. Eine 7 kritzelte Claudine Bollier auf die Schiffertafel, eine 7 auch Fredy Nater. Eine 8 gab es von Albert Kreyenbühl und wiederum eine 7 von Franz Von Arx, 68, selbstständiger Architekt.

Wie die Testesser auf ihre Punktzahl kamen, begründeten sie nicht im Detail. «Das Essen war gutbürgerlich, eine kreative Art, Cordon bleu zu servieren», bilanzierte Fredy Nater. Franz Von Arx fehlte etwas der Wow-Effekt. Für Albert Kreyenbühl war das Preis-Leistungs-Verhältnis «in Ordnung».

Mit den 29 Punkten reichte es dem King zwar nicht ganz auf den Thron. Zufrieden dürfte Florian Bader aber trotzdem sein. Denn er hat für seine «Sonne» und das Fricktal beste Werbung gemacht.

Und wir Fricktaler haben ja noch einen Trumpf im Köcher: Heute Abend geht es ins «White House», dem Restaurant, «in dem sich Frauen wohlfühlen». Fortsetzung folgt.