Man könnte meinen, die Wallbacher hätten an einem der ersten lauen Sommerabende des Jahres anderes vor. Grillieren vielleicht, oder eine Runde Rudern auf dem Rhein – aber nein: Immerhin 115 von total 1394 Stimmberechtigten fanden am Montagabend den Weg in den Gemeindesaal zur Gemeindeversammlung. Zur Einordnung: Das ist mehr als bei den beiden letzten Gemeindeversammlungen. Es mussten gar weitere Stühle aufgestellt werden, damit alle sitzen konnten.

Die Anwesenden interessierte dann vor allem ein Traktandum: das Kreditbegehren des Gemeinderats über 3,12 Millionen Franken für die Hochwasserschutzmassnahmen am Rhein. «Die Dorfkernzone wird bei einem Abfluss von 3000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde überflutet», sagte Gemeindeammann Paul Herzog. Und er unterstrich diese Aussage mit einigen Fotos von Überflutungen im Dorf, von Sandsackbergen und den bekannten orangen Beaverschläuchen.

Bund und Kanton beteiligen sich

Die Gemeinde plant nun bauliche Massnahmen zum Schutz vor dem Wasser. Eine Mauer, die oberhalb des Pontonierdepots beginnt und bis hinunter zum Wohnquartier «Chalch» verläuft, soll den Hochwasserschutz künftig sicherstellen. Die Schutzmauer ist rund 65 Zentimeter hoch und aus Beton, bei Bedarf können zudem mobile Dammbalken eingesetzt werden.

Gleichzeitig mit dem Bau der Schutzmauer soll das Rheinufer in diesem Bereich ökologisch aufgewertet werden. Die Kosten dafür – wie auch für das Dammbalkensystem – tragen Bund und Kanton. Sie beteiligen sich auch an den Kosten in der Höhe von gut acht Millionen Franken für die Schutzmauer, womit für die Gemeinde der Anteil von 3,12 Millionen Franken bleibt.

Baustart wohl 2021

Herzog bat nach Vorstellung des Projekts darum, die Fenster zu öffnen. Warm war es im Saal geworden – allerdings ganz ohne hitzige Diskussionen. Das Projekt schien unbestritten. Fragen gab es lediglich zur Umleitung des Verkehrs während der Bauzeit. Diese soll voraussichtlich über den Alten Forstweg und die Rote Gasse erfolgen, womöglich werde dann vorübergehend auch eine Temporeduktion eingeführt, erklärte Herzog. «Die Abklärungen und Planungen dazu laufen.»

Am Ende stimmte eine deutliche Mehrheit der Anwesenden dem Kreditbegehren zu. Der Zeitplan des Gemeinderats zum Projekt sieht nun vor, dass die öffentliche Planauflage noch in diesem Jahr erfolgt. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll der Grosse Rat den Verpflichtungskredit für die Beteiligung des Kantons bewilligen. Nach dem Genehmigungsverfahren könnte so im zweiten Quartal 2020 mit der Submission begonnen werden. Baustart wäre dann 2021. Im gleichen Zug würde auch die Rheinstrasse saniert. Über den entsprechenden Kredit entscheiden die Stimmberechtigten an der kommenden Wintergemeinde.

Rechnung besser als erwartet

Die deutliche Entscheidung überraschte Gemeindeammann Herzog nicht wirklich: «Das Projekt ist von langer Hand geplant. Wir kriegen zudem viel mehr als ‹nur› den Hochwasserschutz», sagte er nach der Versammlung gegenüber der AZ. Damit spricht er die ökologische Aufwertung des Ufers an, aber auch die künftige Gestaltung der Promenade.

Sämtliche anderen Traktanden wurden von der Gemeindeversammlung ohne Diskussion und mit grossem Mehr angenommen. So etwa die Rechnung mit einem Ertragsüberschuss von rund 1,18 Millionen Franken. «Das tut unserer Gemeindekasse gut – gerade in Anbetracht der anstehenden Bauprojekte», sagte Gemeinderat Werner Bitter.

Nach exakt einer Stunde konnte Paul Herzog die Versammlung beenden. Da blieb noch genug Zeit, den lauen Sommerabend anderweitig zu geniessen.