Wegenstetten

Millionen-Renovation: ein Haus für Ferien und Fledermäuse

Im Herbst beginnen die Bauarbeiten an der «Alten Trotte» in Wegenstetten – der Lebensraum der «Grossen Hufeisennase» im Dachstock soll dadurch erhalten bleiben.

Im Herbst beginnen die Bauarbeiten an der «Alten Trotte» in Wegenstetten – der Lebensraum der «Grossen Hufeisennase» im Dachstock soll dadurch erhalten bleiben.

Dank der Renovation der «Alten Trotte» in Wegenstetten soll eine Fledermaus-Wochenstube erhalten bleiben. Ausserdem sollen in der Ferienwohnung ab Herbst 2019 Gäste wohnen.

Im Dachstock der «Alten Trotte» in Wegenstetten ziehen die Weibchen der «Grossen Hufeisennasen» gerade ihre Jungtiere auf. Im Haus an der Hauptstrasse befindet sich eine der letzten Wochenstuben der vom Aussterben bedrohten Fledermausart in der Schweiz. Die Wochenstube soll für die Zukunft erhalten werden – genauso wie das Gebäude selber. Bei der «Trotte» stehen deshalb Renovations- und Umbauarbeiten an. Das Bauernhaus mit Baujahr 1803 wird zum «Flederhaus».

«Pro Natura Aargau» hatte es zu diesem Zweck vor knapp zwei Jahren gekauft. «Die Planung des Bauvorhabens ist grösstenteils abgeschlossen», sagt Projektleiter Philipp Schuppli. Das Haus wird restauriert und im Wohnteil eine Ferienwohnung eingerichtet. Das entsprechende Baugesuch liegt noch bis zum 3. August auf der Gemeindeverwaltung öffentlich auf.

Flugrouten beim Bau beachten

Bei den Bauarbeiten muss besonders auf die scheuen Bewohner im Dachstock geachtet werden. «Um Störungen zu vermeiden, wird am Gebäude nicht gebaut, bis die Fledermäuse wieder in ihren Winterlebensraum zurückgekehrt sind», sagt Schuppli. Das ist normalerweise im August der Fall.

Aber nicht nur beim Zeitplan muss auf die Fledermäuse geachtet werden, sondern auch bei der endgültigen Gestaltung. Der gesamte Bauprozess wird vom Biologen und kantonalen Fledermaus-Schutzbeauftragten Andres Beck begleitet. «Wichtig ist, dass die Fledermäuse auch nach den Massnahmen ihre angestammten Ein- und Ausflugrouten uneingeschränkt nutzen können», sagt Schuppli. So müssen beispielsweise die Öffnungen unter dem Vordach in den Dachstock gross genug und einige markante Bäume rund um das Gebäude stehen bleiben.

Der Baustart erfolgt voraussichtlich Anfang November. Bereits im vergangenen Winter mussten einige Sofortmassnahmen ergriffen werden, um den Dachstock zu sichern. Zuerst angegangen werden deshalb die verbliebenen Arbeiten zur Sicherung der Statik. «Sie ist in einem abenteuerlichen Zustand», sagt Schuppli. Grund dafür sei «die sehr chaotische Weise», wie der Dachstock und die Geschossdecken ursprünglich aufgebaut und immer wieder verändert wurden. «Viele Arbeiten wurden wohl nicht fachmännisch oder mit sehr eingeschränktem Budget durchgeführt», sagt Schuppli. Die Leitung des Baus hat ein Basler Architekturbüro, das bei der Sanierung von historisch wertvollen Gebäuden bereits Erfahrungen hat.

Kosten von 1,9 Millionen

Die Sanierung der Trotte und der Bau der Ferienwohnung sollen im Mai 2019 abgeschlossen sein. Die Vermietung der Wohnung erfolgt über die Stiftung «Ferien im Baudenkmal».

Wann sie genau erstmals vermietet wird, ist derzeit noch offen. Schuppli geht davon aus, dass es im Herbst 2019 so weit ist. Eine Wintervermietung sei hingegen nicht vorgesehen, da «das Gebäude nicht zusätzlich isoliert wird und bis heute nicht wirklich isoliert ist», erklärt er. Die Kosten für den Umbau belaufen sich laut derzeitigen Schätzungen auf rund 1,9 Millionen Franken. Das Projekt wird durch die öffentliche Hand sowie durch Spenden von Stiftungen, Privatpersonen, Firmen und Vereinen finanziert.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1