Millionen-Coup
Nach Diebstahl aus Schliessfach der Raiffeisenbank: Opfer drohte Bank mit Sprengung und dem IS

Weil nach einem Diebstahl in der Basler Raiffeisenbank die Bank den Schaden eines Fricktalers nicht nach dessen Vorstellungen reguliert, sieht er rot – und droht mit Gewalt und damit, mit sensiblen Daten an die Öffentlichkeit zu gehen. Nun musste er sich vor Gericht der mehrfach versuchten Nötigung verantworten.

Dennis Kalt
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Nicht nur Bargeld, sondern auch Gold, Uhren, alte Noten und Vreneli wurden dem Angeklagten aus dem Schliessfach entwendet.

Nicht nur Bargeld, sondern auch Gold, Uhren, alte Noten und Vreneli wurden dem Angeklagten aus dem Schliessfach entwendet.

Symbolbild: Keystone

Der Diebstahl diverser Gegenstände aus seinem Bankschliessfach traf einen Fricktaler nicht nur finanziell hart. Neben Bargeld und Gold bewahrte er dort Uhren, alte Noten und Vreneli auf, die für ihn von hohen emotionalen Wert waren.

Der 53-Jährige war damals Mieter eines der 22 Schliessfächer der Safeanlage in der Basler Raiffeisenbank, an denen sich Diebe im Frühjahr 2018 bedienten und einen Millionen-Coup landeten. Im Fall um die geknackten Schliessfächer kam es nun, knapp vier Jahre später, zu einem erneuten Showdown. Dieser fand am Bezirksgericht Rheinfelden statt.

Dort trat besagtes Opfer aber nicht als Geschädigter, sondern Angeklagter auf. Als dieser warf ihm die Staatsanwaltschaft mehrfach versuchte Nötigung gegen die Bank vor. Dies mit dem Ziel, eine Entschädigungszahlung wegen des Diebstahls zu erhalten. Hierfür forderte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 110 sowie eine Busse über 1300 Franken.

Drohungen erstreckten sich über zwei Jahre

Die Anklage stützte sich unter anderem auf Notizen der Bankangestellten, die diese infolge des Aufeinandertreffens mit dem Angeklagten erstellten. Gemäss dem Anwalt der Bank, die am Prozess als Privatklägerin auftrat, erstreckten sich die Drohungen über einen Zeitraum von rund zwei Jahren. Er sagte:

«Der Angeklagte drohte in Anwesenheit einer Angestellten, die Bank in die Luft zu jagen, sollte er keine Entschädigung erhalten.»

Ein anderes Mal habe er einem Kundenberater gedroht, «den IS vorbeizuschicken».

Neben diesen Gewaltandrohungen, so führte der Anwalt der Bank aus, sei es auch zu Drohungen gekommen, die auf einen möglichen Reputationsverlust der Bank abzielten. Weil es sich bei dem Angeklagten um eine Person handelte, die vor einigen Jahren selbst in leitender Position bei der entsprechenden Bank arbeitete, musste diese die Drohungen ernst nehmen.

Eine dieser Drohungen sei gewesen, «dass er im Besitz von Informationen sei, die die Bank ins Wanken bringt, falls er diese publik macht», so der Anwalt der Bank. Eine zweite, dass er über alle Daten der von dem Diebstahl aus der Safeanlage betroffenen Kunden verfüge. Als Beweismittel lag auch ein vom Angeklagten verfasstes E-Mail den Akten bei, in dem er drohte, «sensible Informationen» zu verbreiten, wenn ihm die Bank «keinen Lösungsvorschlag anbietet».

Angeklagter streitet alle Vorwürfe ab

‹›Der Angeklagte stritt sämtliche Vorwürfe – bis auf das Verfassen der E-Mail – ab. Zwar sei sein Puls infolge des Diebstahls hoch gewesen, doch die ihm vorgeworfenen Drohungen kanzelte er als unhaltbar ab. Er sagte: «Ich bin das Opfer.» Und:

«Die Bank übt mit den Vorwürfen Druck auf mich aus, damit ich Ruhe gebe.»

Wie der Anwalt der Bank ausführte, habe sich beim Diebstahl aus der Safeanlage die Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht eingeschaltet. Dies mit einer strukturierten Prozessvorgabe zur Aufarbeitung, an den sich die Bank zu halten habe. Weil sich der Angeklagte jedoch nicht an die Bedingungen des Prozesses halten wollte, sei auch keine Kulanzzahlung an ihn möglich gewesen.

Der Verteidiger des Angeklagten forderte in seinem Plädoyer einen Freispruch für seinen Mandaten. Denn die angefertigten Fallnotizen als Basis der Anklage «sind mit grosser Vorsicht zu geniessen». Auch läge durch die verfasste E-Mail keine versuchte Nötigung vor, weil sein Mandant mit dieser «einen Lösungsvorschlag», also ein Gespräch, jedoch keine Entschädigung einforderte.

Das Gericht sah dies gänzlich anders. Den detaillierten Notizen der Bankangestellten mass es eine hohe Glaubwürdigkeit zu. Neben einer Entschädigung von 7302 Franken an die Privatklägerin verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer bedingten Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 40 Franken sowie zu einer Busse über 500 Franken.

Geringer als von der Staatsanwaltschaft gefordert fielen Tagessätze und Busse aus, weil der Angeklagte als selbständig Erwerbender zuletzt keine Einkünfte erzielte.

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