Ein Glück, fuhren Anfang der 1950er- Jahre erst wenige Postautos durch das Wegenstettertal. Sonst wäre Alfred Brogli damals wohl nicht mit dem Milchtransport nach Möhlin gefahren – und er hätte womöglich nie Martha Guthauser kennen gelernt.

In diesen Tagen feiern Alfred und Martha Brogli-Guthauser ihren 60. Hochzeitstag, die diamantene Hochzeit. An den Tag, an dem sie sich kennen lernten, können sie sich noch heute genau erinnern: Alfred (heute 87) war im Militärdienst und musste an jenem Sonntag einrücken. Weil es kein Postauto gab, fuhr er im Milchtransport mit, der bei den Milchhüsli im Tal die Milch einsammelte und nach Möhlin brachte. Der Zufall wollte es, dass Martha (84) an diesem Abend beim Milchhüsli in Zeiningen beim Verladen half. Als er sie durch das Fenster des Transporters sah, da wusste Alfred: «Sie wäre doch eigentlich was für mich.»

Die Familie als Stütze

Einige Wochen später waren die beiden ein Paar. Da habe es einen Moment gegeben, als Alfred im Scherz zu ihr gesagt habe: «Gäll, du weisst: Wenn du es gut machst, hast du bei mir eine Anstellung auf Lebenszeit», erzählt Martha. Im April 1957 standen die beiden dann tatsächlich vor dem Traualtar.

Sie in einem hochgeknöpften Kleid, das eine Kollegin aus der Schulzeit für sie entworfen und genäht hatte; er im dunklen Anzug mit grauer Krawatte. Für das Hochzeitsfoto drückte ihm der Fotograf noch ein Paar weisse Handschuhe in die Finger. «Weil man das damals eben so trug», sagt Alfred Brogli und lacht. Überhaupt scherzen und lachen die beiden viel, wenn sie von der Vergangenheit erzählen.

1962 übernimmt das Paar den Lebensmittel- und Agroprodukte-Handel Brogli in Zuzgen von Alfreds Vater. Innert wenigen Jahren kommen die fünf Kinder, drei Töchter und zwei Söhne, zur Welt. Es ist eine anstrengende Zeit. «Wir dachten manchmal, dass wir das nicht alles schaffen», sagt Martha Brogli heute. Aber: «Wir konnten uns immer aufeinander verlassen.»

Und wenn das einmal nicht reicht, ist da die Familie. «Unsere Verwandtschaft stand immer hinter uns und hat uns unterstützt», sagt Alfred. Das sei eines der Geheimnisse ihrer langen und glücklichen Ehe: «Die Familie hat uns wie ein Netz immer aufgefangen. Das kittet zusammen.»

Noch heute spielt die Familie im Leben der Broglis eine wichtige Rolle. Ihre Söhne führen nun den Laden in Zuzgen. Geschwister und Kinder sehen sie regelmässig. Seit über 20 Jahren unternehmen sie ausserdem mit ihren – inzwischen erwachsenen – Enkelkindern regelmässig Ausflüge.

Die Erinnerungen bleiben

«Wir haben uns überlegt, was wir ihnen mitgeben können, damit sie später, wenn wir einmal nicht mehr da sind, an uns denken», sagt Alfred, und Martha ergänzt: «Das Wertvollste sind doch Erinnerungen, die kann einem niemand nehmen.»

Das gilt auch für die Erinnerungen der Broglis an ihren Hochzeitstag und die gemeinsamen Jahre. Ein Glück also, waren die Postauto-Linien im Wegenstettertal vor über 60 Jahren noch nicht so ausgebaut wie heute.