Die Zahl der Lieferanten ging in den letzten Jahren konstant zurück. 1970 waren es noch deren 44 und jetzt sind es 11 aus Wölflinswil und 2 aus Wittnau. Dennoch blieb die gelieferte Milchmenge in letzter Zeit konstant hoch bei rund 2.2 Mio. Liter pro Jahr.

Direkte Hofabfuhr bei den grösseren Produzenten und fünf Betriebe benützen neu die Sammelstelle in Oberhof. Durch die Entwicklung zu immer grösseren Milchbetrieben haben sich diese für die direkte Hofabfuhr entschieden. Die beiden Wittnauer-Betriebe kooperieren örtlich, sodass auch hier neu auf einem Hof die Abfuhr stattfinden wird. In Wölflinswil kennen bereits sechs Betriebe die Hofabfuhr, fünf Betriebe werden nun neu die Milchsammelstelle in Oberhof anfahren.

1957 erbaut

Das Milchlokal am Dorfplatz in Wölflinswil wurde 1957 erbaut. Die Milchgenossenschaft wurde 1906 gegründet und seit 2002 ist Urs Peter, Fürberghof, Präsident. Neben ihm sind derzeit noch Marcel Belser und Markus Uebelmann, Wittnau im Vorstand. Die Generalversammlung der Genossenschaft von Mitte März hat der Neu-Organisation zugestimmt. Für die fünf Produzenten, die nun nach Oberhof fahren müssen, ist der kurze Weg zwischen den beiden Dörfern zumutbar. Es sind keinerlei Investitionen nötig. Die Einrichtungen in Oberhof wurden vor wenigen Jahren erneuert, diejenigen in Wölflinswil sind aufgrund der kleiner gewordenen Zuliefermenge zu gross und müssten aufgrund von 30 Jahren Betriebsdauer vollständig erneuert werden. Die Kooperation mit Oberhof bietet also für alle Beteiligten Vorteile. Ein betroffener Milchbauer sagt, dass er den weiteren Weg in Kauf nehme. Er habe noch die Zeiten erlebt, dass die Bauern vor der «Milchi» Schlange standen und der «Zimberwilly» die Tagesproduktion in zwei Milchkesseln eigenhändig direkt zur Annahmestelle trug.

Beide Genossenschaften bleiben selbständig. Oberhof zählt noch 7 Lieferanten.

Für das Gebäude am Dorfplatz noch alles offen

«Man muss sich neuen Entwicklungen anpassen», betonte Präsident Peter. Das Gebäude in Wölflinswil weist noch eine Tiefkühlanlage auf, welche bis zu 80% belegt ist und vorderhand erhalten werden soll. Auch das Schlachtlokal bleibt bestehen. Der Frischmilchautomat wird hier nicht mehr betrieben. Man fand eine neue Lösung, wurden doch bisher gegen 800 Liter Frischmilch pro Monat abgeholt. Neu ist Frischmilch ab Hof in Literflaschen im Selbstbedienungsladen von Gaby Grimm und Roger Schmid, Beerenhof, an der Hauptstrasse im Oberdorf zu haben. Der Frischmilchautomat wird beim Milchlokal in Oberhof eingerichtet, wo Ida Brunner, Pilgerhof, die Sammelstelle betreut. Für die Milchannahme in Wölflinswil waren bisher Karl Lenzin und als Stellvertreterin Rosmarie Heimann mit Umsicht tätig. Was mittelfristig mit dem Gebäude am Dorfplatz passiert ist offen. Man will nichts überstürzen. Die Liegenschaft ist fast schuldenfrei.

Auch wenn der Umbruch in der Land- und Milchwirtschaft gross erscheint, glaubt Präsident Peter doch an eine Konsolidierung. Im Moment dürfte sich auch der tiefe Milchpreis von durchschnittlich 62 Rp. pro Kg. wieder etwas erholen. Man rechnet mit 65 Rp. ab Juni 2013 und will weiterhin an Emmi liefern. Für den Gesamtmarkt ist der Käseabsatz wichtig, auch wenn die Wölflinswiler-Produzenten keine Käsereimilch produzieren. Im Käsemarkt bleibt der Appenzeller gut im Rennen und wenn der Emmentaler seit Jahren schlapp macht, so zeigt der Gruyère in letzter Zeit stets steigende Absatzahlen.

Bedauern kann man, dass mit der Schliessung der «Milchi am Dorfplatz» ein Treffpunkt der Bauern verloren geht. Umso wichtiger bleibt für das Dorf, dass die weitere Infrastruktur wie Dorfladen, Raiffeisen- Dorfbank, Landgasthof, Beerenhofladen usw. intakt bleiben. Ein Dorf lebt von solchen Begegnungsorten.