Die Migros zieht sich spätestens Ende Juni 2020 aus der Grossüberbauung Liebrüti in Kaiseraugst zurück. Als Gründe führte Daniela Lüpold von der Medienstelle der Migros Aare die Lage im ersten Obergeschoss, die eher veraltete Ladeninfrastruktur und einen rückläufigen Umsatz an.

Letzterer entsprach nie den Erwartungen der Migros. Bereits 2010 schrieb der damalige Verkaufsleiter der Verkaufsregion Migros Aare in einem Mitarbeitermagazin, dass der Umsatz im besten Jahr gerade einmal zwei Drittel des Erhofften erreicht habe. Wann die Filiale genau geschlossen wird, ist noch offen. Laut Lüpold laufen noch Gespräche mit der Eigentümerschaft.

Ganz überraschend kommt das Aus der Migros damit nicht – auch nicht für die Gemeinde und die Liebrüti-Bewohner. «Der Gemeinderat bedauert im Allgemeinen, wenn eine Firma beziehungsweise eine Dienstleistung Kaiseraugst verlässt», schreibt Gemeindeschreiber Roger Rehmann dazu. Die Frage, ob der Gemeinderat den Entscheid angesichts der rückläufigen Umsatzentwicklung nachvollziehen kann, will die Gemeinde nicht konkret beantworten. «Die Migros ist ein privatrechtliches Unternehmen», hält Rehmann fest. «Dem Gemeinderat sind weder die Geschäftszahlen noch die Strategie der Migros bekannt. Aufgrund dieses Umstandes wäre es von Dritten vermessen, den Entscheid der Migros zu beurteilen.»

Suche nach Nachmieter

Für die Liebrüti-Bewohner stellt sich nach dem angekündigten Rückzug der Migros vorab eine Frage: Können wir in Zukunft noch in der Liebrüti einkaufen? Davon ist die Varioserv AG, die das Zentrum betreibt, überzeugt. Zum einen gibt es bereits heute neben der Migros einen Denner-Satellit. «Wir werden diese Filiale weiterbetreiben und so die Grundversorgung sicherstellen, bis ein Ersatz für die Migros gefunden ist», schreibt die Immobilienfirma in einem Brief an die Mieter, welcher der AZ vorliegt. Damit sagt sie auch schon, dass sie überzeugt ist, «dass wir einen guten Ersatz für die Migros finden werden».

Daran glaubt auch der Gemeinderat. Die Überbauung Liebrüti weise rund 1000 Wohnungen auf, hält Rehmann auf Anfrage der AZ fest. «Obwohl die Versorgungslage in der Gemeinde Kaiseraugst als gut zu beurteilen ist, ist eine Versorgung direkt im Liebrüti-Quartier wünschenswert beziehungsweise wird angestrebt.» Mit dem Bauvorhaben Domus werde wieder eine Grundlage geschaffen, das über 40-jährige Liebrüti-Zentrum zu aktivieren. «Der Gemeinderat ist überzeugt, dass nach der Realisierung des Projekts Domus die Ansiedlung eines Detaillisten im Liebrüti-Zentrum möglich ist», so Rehmann.

Mit der «guten Versorgungslage» meint der Gemeinderat primär das grosse Coop-Center mit Supermarkt, Restaurant, Apotheke, Bau+Hobby und Interdiscount am Junkholzweg. Gleich vis-à-vis könnte dereinst auch der neue Migros stehen. Denn preisgeben will der orange Riese die Gemeinde nicht; sie ist nach Rheinfelden, Möhlin und Frick die viertgrösste Gemeinde im Fricktal. Bereits vor einigen Jahren – und angesichts der latenten Unzufriedenheit mit der Liebrüti-Filiale – hat die Migros deshalb ein rund 3000 Quadratmeter grosses Grundstück an der Landstrasse gekauft.

Früher war dort das Pneuhaus Euromaster untergebracht. Das Problem dabei: Die Areale in diesem Gebiet liegen in der Wohnzone. Bestehende Firmen haben zwar eine Besitzstandsgarantie, neue können aber nicht einfach gebaut werden. Eine Möglichkeit wäre indes, eine Spezialzone Migros zu schaffen. Der Moment dazu ist nicht der schlechteste: Derzeit läuft die Totalrevision der Bau- und Nutzungsordnung. Im Zuge dieser Totalrevision «wird eine allfällige Umzonung dieser Parzelle geprüft», sagt Rehmann.