Zu spanischen Rhythmen schreiten Rabia Bangofur und ihre zwei Söhne über den Catwalk im Rheinfelder Altstadtbau. Dem 5-jährigen Elias und dem 8-jährigen Ryan sieht man an, dass sie den Laufsteg nicht zum ersten Mal betreten. Selbstsicher stemmen sie die Arme in die Hüfte über Mamas selbst genähten Pyjamahosen.

«Rabia aus Marokko kommt bereits seit dem ersten Tag vor sieben Jahren in unser Nähatelier», sagt Schneiderin Olga Gontcharova. Die Leiterin des Nähateliers ist selbst vor 16 Jahren in die Schweiz gezogen und weiss, dass die Integration gerade für Mütter oft besonders schwierig ist. «Die Frauen kümmern sich meist zu Hause um die Kindererziehung und den Haushalt. Da hat man wenig Gelegenheit, die Kultur und die Einheimischen kennenzulernen», erläutert sie.

Dem will das, vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) Aargau geführte, Nähatelier Abhilfe schaffen. Die Besucherinnen lernen nicht nur, selbst Kleider zu nähen und zu flicken, sondern können auch ihre Deutschkenntnisse verbessern oder Alltagsprobleme diskutieren. Die Stimmung an der siebten Modenschau lässt vermuten, dass dabei auch viele Freundschaften entstehen. Türkinnen, Syrerinnen, Portugiesinnen, Afghaninnen, Marokkanerinnen, und Schweizerinnen klatschen füreinander, lachen miteinander und fotografieren sich gegenseitig in ihren Eigenkreationen. Masumeh Scharivi aus Afghanistan etwa posiert stolz in ihrem selbst entworfenen schwarzglitzernden Blazer. Sie war bereits in ihrem Heimatland als Schneiderin tätig und kommt seit etwa einem halben Jahr an beiden offenen Tagen ins Nähatelier. «Hier treffe ich Frauen, denen es ähnlich geht wie mir und mit denen ich mich austauschen kann», erzählt sie. (AZ)