Gansingen
Methusalem und Zwergennüsse: Zwei aussergewöhnliche Gansinger Bäume

Gleich zwei Walnuss-Sorten aus dem Gansinger Gemeindebann fanden Aufnahme ins Verzeichnis des Vereins Fructus. Einer wurde vor 140 Jahren gepflanzt, der andere trägt die kleinsten Nüsse.

Marc Fischer
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Der Nussbaum «Gansingen» vor der Ortschaft Gansingen.

Der Nussbaum «Gansingen» vor der Ortschaft Gansingen.

Marc Fischer

Die eine hat eine glatte Schale, ist leicht knackbar, lässt sich ganz aus der Schale lösen und hat einen bitter-herben Abgang. Die andere ist klein und «schnüsig».

Die eine wächst in Gansingen und heisst auch so. Die andere wächst im Gansinger Weiler Galten. Auch hier verrät der Name bereits die Herkunft. Die Rede ist von zwei Walnuss-Sorten die Aufnahme ins nationale Verzeichnis des Vereins Fructus gefunden haben.

Ziele von Fructus sind der Erhalt der genetischen Vielfalt einheimischer Obstsorten, die Förderung des traditionellen Hochstamm-Obstbaus und der vielseitigen Obstverwertung sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für diese Themen.

«120 Walnuss-Sorten in der Schweiz wurden auf die Liste aufgenommen», erklärt der Ralph Bachmann, Vorstandsmitglied und Nussverantwortlicher von Fructus. Dass gleich zwei Bäumen im gleichen Gemeindebann die Ehre zuteil wurde, sei deshalb doch etwas überraschend.

Die damals noch namenlose Sorte viel den Fructus-Verantwortlichen bereits 2002 auf, als sie eigentlich auf der Suche nach inventarisierungswürdigen Apfel- und Birnen-Sorten waren.

«Als dann das Nussprojekt 2007/08 aktuell wurde, wurde ‹Gansingen› getauft und ins Inventar aufgenommen», blickt Ralph Bachmann zurück. Mittlerweile wird der Baum von Fructus als «Methusalem der Schweiz» – bereits 1872 soll er gepflanzt worden sein.

Besitzer Joseph Boutellier freut sich über die Ehre, die seinem stattlichen Nussbaum zuteil wurde und auch darüber, dass seine Sorte nun auch für die Nachwelt erhalten bleibt.

Mittlerweile wird Gansingen nämlich von einem Spezialisten vermehrt oder veredelt, wie der Klonvorgang in der Fachsprache heisst. Die Nussveredelung sei eine knifflige Angelegenheit, weiss Boutellier ebenso wie der Nussverantwortliche Ralph Bachmann.

«Normalerweise wird eine Nuss als Sämling gesetzt und es entsteht genetisch eine neue Sorte», so Bachmann. Ausgewählte Sorten wie «Gansingen» werden nun fachmännisch veredelt und so entstehen genetisch identische Bäume.

Die ersten Jungbäume wurden bereits verkauft. «Ein Jungbaum steht nun auch bei meiner Tochter im Rheintal und auch im Prättigau wurde einer gepflanzt», erzählt Joseph Boutellier stolz.

«Gansingen» wächst nun also auch in der Ostschweiz. Doch auch Joseph Boutellier wird demnächst Jungbäume erwerben und sie in Gansingen pflanzen. Verwendung für die Baumnüsse hätte er allemal, verkauft er doch Nussöl und -schnaps, hergestellt aus den eigenen Früchten.

Mittlerweile hat «Gansingen» Gesellschaft im Fructus-Inventar erhalten. Seit 2011 ist auch die Sorte «Galten» verzeichnet.

«Mir war schon lange bewusst, dass am Baum des Nachbars spezielle Nüsse wachsen», erzählt Georg Oeschger, «vor zwei Jahren habe ich die kleinen Nüsse an eine internationale Obstsortenausstellung mitgenommen. Daraufhin fand auch ‹Galten› Aufnahme ins nationale Inventar.»

Ralph Bachmann von Fructus schwärmt von den «Galten»-Nüssen: «Sie sind die kleinsten mir bekannten Walnüsse, kaum grösser als ein 20-Rappen-Stück.»

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