Die Rheinpromenade in Stein ist ein idyllischer Ort: So geniessen an einem Abend im Mai 2011 auch einige junge Menschen das Leben bei schönem Wetter und Blick auf den Fluss: Doch als ein 22-jähriger Deutscher, begleitet von seiner Freundin und einer anderen jungen Frau, an zwei Asylbewerbern vorbeiläuft, ist dies der Anfang einer Konfrontation, die nur dank viel Glück nicht mit seinem Tod endet.

Alkohol und Provokationen

Bei den beiden Asylbewerbern handelt es sich um einen 21-jährigen Iraker und einen 22-jährigen Iraner. Sie sitzen auf einer Bank, bei sich haben sie Bier, Wodka und Süssgetränke. Sie sind angetrunken. «Schöne Frauen», ruft nun der Iraker. Der junge Deutsche, ein Chemielaborant mit Irokesenschnitt, fühlte sich provoziert – und schon kommt es zum Wortgefecht. Er kontert, indem er die Mutter des Irakers eine «Hure» oder «Schlampe» nennt.

Für den ist das offenbar zu viel. Mit einem Schweizer Taschenmesser stürmt er auf den anderen zu, der selbst ein Klappmesser zieht. Dessen Freundin wiederum versucht, ihn zurückzuhalten – vergeblich. Ebenso gelingt es dem Iraner nicht, die beiden Streithähne zu trennen. Stattdessen sticht und schlägt der Deutsche den Iraner, so dass der sich zurückzieht.

Messer in Kopf gerammt

Nun wird es richtig gefährlich: Der Iraker rammt dem Deutschen sein Messer mit voller Wucht in den Hinterkopf. Die Klinge bricht ab. Der Chemielaborant kann sie sich aus dem Kopf ziehen. Doch der Iraker sticht mit der kleineren Klinge weiter zu und fügt ihm weitere Verletzungen am Oberkörper zu.  

Das Aargauer Obergericht verurteilte den Iraker zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten, namentlich wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung und Raufhandels. Der Deutsche sei nur durch Zufall nicht lebensgefährlich verletzt worden, schreiben die Richter aus Lausanne in der Urteilsbegründung. Der Iraker habe damit rechnen müssen, dass ein Stich mit dem Schweizer Taschenmesser in den Hinterkopf ebenso wie in den Hals- oder Nackenbereich hätte tödlich enden können. Es verwies auf mehrere frühere Urteile, gemäss denen tödliche Verletzungen mit einem Taschenmesser sehr wohl möglich sind.

Mit Beschwerde vor Bundesgericht

Per 1. Februar 2016 wurde der Iraker bedingt aus dem Strafvollzug entlassen, landete aber sogleich in Ausschaffungshaft und kam also nicht frei. Dagegen wehrte sich der Iraker bis vor Bundesgericht. Doch dieses hat die Beschwerde nun abgewiesen und das Urteil des Aargauer Verwaltungsgerichts bestätigt. 

Diese sei zumutbar. Die allgemeinen Ausführungen des Beschwerdeführers zur Lage im Irak genügen in den Augen der Richter nicht, die Unzumutbarkeit bzw. Unmöglichkeit eines Wegweisungsvollzugs darzulegen. 

Der Iraker war 2007 in die Schweiz eingereist und hatte Asyl beantragt. Im Dezember 2012 trat das Bundesamt für Migration auf sein Asylgesuch nicht ein und verfügte die Wegweisung. 

Mysteriöse Schlägerei in Stein fordert drei Verletzte

Schlägerei in Stein AG fordert drei Verletzte (TeleM1, Mai 2011)