Eiken
Melioration würde die Hosenträgerparzellen zum Verschwinden bringen

Die Melioration (Landumlegung), wie sie für die Gemeinde Eiken vorgeschlagen ist, hat mit schätzungsweise fast 6 Millionen Franken ihren Preis. Dafür gibt es einige Vorteile für die Bewirtschaftung des Landwirtschaftslandes durch die Bauern.

Walter Christen
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Die Fachleute sind der Meinung, eine Gesamtmelioration würde für das Land in Eiken eine wesentliche Aufwertung bedeuten. – Foto: chr

Die Fachleute sind der Meinung, eine Gesamtmelioration würde für das Land in Eiken eine wesentliche Aufwertung bedeuten. – Foto: chr

Es muss sich niemand wundern, dass in Eiken viele Traktoren mit angehängtem Ladewagen, Mäher oder Pflug auf den Strassen unterwegs sind: Eiken hat seinen ländlichen Charakter bewahrt und weist immer noch über ein Dutzend landwirtschaftliche Haupt- und drei Nebenerwerbs-Landwirtschaftsbetriebe (Nela) auf. Sie alle bewirtschaften auf dem Gemeindebann eine landwirtschaftliche Nutzfläche von rund 320 Hektaren. Aber jetzt kommts: Parzellen der einzelnen Bauern liegen im Dorf zum Teil weit verstreut – deshalb verkehren immer wieder Fuhrwerke auf den Strassen, schliesslich muss jedes Landstück bewirtschaftet werden.

Die ausgeprägte Parzellierung und die teils unzureichende Erschliessung (Flurwege) verunmöglichen den Eiker Bauern eine zeitgemässe und rationelle Bewirtschaftung und Pflege des Kulturlandes. Dies äussert sich nicht nur durch die vielen Fahrzeugbewegungen im Dorf, sondern nicht zuletzt auch in überdurchschnittlich hohen landwirtschaftlichen Produktionskosten.

Viele neuere Beispiele aus anderen Gemeinden im Aargau zeigen, dass mit dem Instrument der Gesamtmelioration derart unbefriedigende Zustände ganzheitlich und unter gleichzeitiger Wahrung ökologischer, landwirtschaftlicher und weiterer Interessen weitestgehend behoben werden können.

Der Gemeinderat Eiken hat sich in den letzten paar Jahren auf Anstoss aktiver Landwirte der Thematik intensiv angenommen und die Ausarbeitung einer landwirtschaftlichen Vorplanung in Auftrag gegeben. Auf dieser Basis und aufgrund der positiven Haltung des Kantons mit dem zuständigen Regierungsrat Roland Brogli beabsichtigt der Gemeinderat, die Gesamtmelioration in die Wege zu leiten. Entscheidend ist jedoch das Mitwirken der Landbesitzer, sei es im Alleineigentum, im Miteigentum oder im Gesamteigentum.

Über 300 Personen folgten diese Woche der Einladung des Gemeinderats Eiken zur Präsentation der Ausgangslage, der Notwendigkeit und der Ziele einer Gesamtmelioration. Gegenwärtig findet zudem das Mitwirkungsverfahren statt mit öffentlicher Auflage des Beizugsgebiets (vgl. Bericht auf dieser Seite). Das zugehörige Beteiligten- und Flächenverzeichnis legt jene Grundstücke fest, welche in eine allfällige Melioration einbezogen werden.

Matthias Müller, Leiter der Abteilung Landwirtschaft des Kantons Aargau, zeigte sich an der Informationsveranstaltung im Kulturellen Saal von der Idee der Melioration voll überzeugt. Christian Gamma, Kantonsgeometer, hofft auf Zustimmung zum Vorhaben. «Die amtliche Vermessung kommt bis im Jahr 2015 sowieso», hielt er fest.

Viktor Oeschger vom Büro Koch und Partner in Laufenburg präsentierte ausführlich die ganzen Planunterlagen und machte interessante Ausführungen. So war von ihm zu erfahren, dass das ganze Planungsgebiet 453 Hektaren umfasst, davon 397 Hektaren in Eiken, 45 Hektaren Fricker Bann, 9 Hektaren Land in der Gemeinde Sisseln und weitere 3 Hektaren in Münchwilen. Das Land gehört total 405 Eigentümern und ist in 1585 (!) Parzellen aufgeteilt, darunter in unzählige sogenannter Hosenträgerparzellen, die in der Regel sehr schmal sind, dafür lang. Die grösste Parzelle misst 6,66 Hektaren, die kleinste lediglich 46 Quadratmeter.

Schätzungen gehen von Kosten für die Melioration im Betrag von rund 5,8 Millionen Franken aus.

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