«Best of 2016»-Serie
Meistgelesen im Februar: Der Gemeinderat will Nancy Holten nicht mehr einbürgern

Wir lassen das Jahr 2016 nochmals Revue passieren und präsentieren für jeden Monat den meistgelesenen Artikel der Aargauer Zeitung: Am 17. Februar 2016 stellte sich der Gemeinderat von Gipf-Oberfrick doch noch hinter den Entscheid der Stimmbürger. Die Gemeindeversammlung hatte Ende November 2015 die Einbürgerung von Nancy Holten, die Kämpferin gegen Kirchen- und Kuhglocken, abgelehnt.

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Nancy Holten ist enttäuscht über den Sinneswandel des Gemeinderats.

Nancy Holten ist enttäuscht über den Sinneswandel des Gemeinderats.

AZ

«Best of 2016»-Serie

Wir lassen das Jahr 2016 nochmals Revue passieren: Welche Geschichten bewegten uns in diesem Jahr, welche Artikel wurden am meisten gelesen? In einer losen Serie zeigen wir Ihnen für jeden Monat die Top-Geschichte aus der Welt und aus unseren Regionen.

Wie es mit dieser Geschichte weiter ging, können Sie hier nachlesen.

Nancy Holten hat Post aus Aarau erhalten. «Ich dachte, es sei der Entscheid des Regierungsrates zu meiner Beschwerde», sagt sie. Ist es nicht. Das Departement Volkswirtschaft und Inneres hat der Holländerin, die gerne Schweizerin werden möchte, den Protokollauszug des Gemeinderates zugestellt. In diesem kommt die Exekutive zum Schluss, dass die Beschwerde «gestützt auf den Entscheid der Gemeindeversammlung abzuweisen» sei.

Rückblick. Am 27. November lehnt die Gemeindeversammlung nach emotionaler Diskussion die Einbürgerung von Nancy Holten ab. Die Mehrheit hält Holten, die mit ihrem Kampf gegen Kirchen- und Kuhglocken national für Furore sorgte, für ungenügend integriert. Oder wie es im Protokollauszug des Gemeinderates heisst: Die Mehrheit habe sich auf den Standpunkt gestellt, «dass eine genügende Integration nur dann gegeben ist, wenn die einbürgerungswillige Person die lokalen, regionalen und nationalen Traditionen im Grundsatz akzeptiert». Wenn solche «über Jahrhunderte gewachsene Werte» lautstark bekämpft werden, stelle sich zu Recht die Frage, «ob die Voraussetzungen für die Einbürgerung gegeben sind».

Holten ist enttäuscht von der Haltung des Gemeinderates. Natürlich habe sie ein gewisses Verständnis dafür, dass sich der Gemeinderat hinter den Entscheid des Souveräns stelle, nur: «Der Gemeinderat hatte meine Einbürgerung ja ursprünglich befürwortet. Sein Sinneswandel überrascht mich doch etwas.»

Gemeindeschreiber Urs Treier versteht die Kritik nicht. «Die Gemeindeversammlung hat dem Gemeinderat einen klaren Auftrag gegeben, nämlich die Einbürgerung abzulehnen. Diesen nimmt er wahr. Nichts anderes.» Seiner Ansicht nach wäre es nicht korrekt, wenn der Gemeinderat anders handeln würde.

Der Entscheid aus Aarau wird demnächst eintreffen. «Bislang ging ich davon aus, dass die Chancen auf den Schweizer Pass gut stehen», sagt Holten. Die Stellungnahme der Gemeinde «hat mich nun doch verunsichert». Sie bleibt dabei: «Vom Gefühl her steht mir der Schweizer Pass zu.» (twe)