Projekt
"Mein Weihnachtswunsch ist, dass Frick ein Dorfzentrum bekommt" – das könnte bis 2020 in Erfüllung gehen

Der Kanton arbeitet ein Sanierungsprojekt für die Hauptstrasse aus – Umsetzung ist frühestens 2020.

Thomas Wehrli
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So könnte die Hauptstrasse nach der Umgestaltung aussehen: Mittelinsel und Mehrzweckstreifen sollen die Sicherheit der Fussgänger erhöhen.

So könnte die Hauptstrasse nach der Umgestaltung aussehen: Mittelinsel und Mehrzweckstreifen sollen die Sicherheit der Fussgänger erhöhen.

Visualisierung zvg

«Mein Weihnachtswunsch», sagte kürzlich eine ältere Dame im Café Kunz zu einer Kollegin, während sie genüsslich in einen Nussgipfel biss, «mein Weihnachtswunsch für das Dorf ist, dass Frick endlich ein Dorfzentrum erhält.»

Dieser Wunsch könnte ihn Erfüllung gehen – allerdings frühestens in ein paar Jahren. Denn der Gemeinderat will die Hauptstrasse im Zuge der anstehenden Sanierung gleichzeitig umgestalten. Dazu hat er in diesem Jahr ein Konzept erarbeitet. «Wir wollen eine klare Aufwertung zugunsten der Fussgänger, der Aufenthaltsqualität sowie der Sicherheit», sagte Gemeinderat Thomas Stöckli im Sommer gegenüber der AZ.

Die Hauptstrasse soll nicht mehr nur den Verkehr schlucken – aktuell fahren oder stauen sich rund 15 000 Fahrzeuge durch das Dorf –, sondern soll auch Lebens-, Handels- und Begegnungsraum sein. Das Konzept, das bei der Präsentation viel Lob und einige kritische Stimmen erntete, sieht sechs grössere Veränderungen vor.

  • Auf der Höhe des Swisscom-Shops soll beidseits eine Bushaltestelle eingerichtet werden. Es ist neben jener bei der Migros und beim Möbel Brem die dritte im Dorf.
  • Die fünf bestehenden Fussgängersteifen bleiben erhalten, werden aber teilweise verschoben. So sollen sie besser auf die effektiven Bedürfnisse der Fussgänger ausgerichtet werden. Bei der neuen Bushaltestelle ist zudem eine sechste Fussgängerquerung geplant.
  • Sämtliche Fussgängerstreifen werden mit einer Mittelinsel ausgestattet.
  • Die Strasse wird generell 6,2 Meter breit. Gegenüber heute ist dies eine massive Verengung der Strasse im Oberdorf. Damit will man eine natürliche Geschwindigkeitsreduktion bewirken.
  • Die Parkplätze entlang der Hauptstrasse werden weiter von der Fahrbahn weggenommen. Heute kommt es oft zu gefährlichen Situationen, wenn ein Automobilist die Türe öffnet und von hinten ein Velofahrer heranbraust. Gleichzeitig werden die Parkplätze in Zweiergruppen angeordnet. Dies soll das Einparkieren erleichtern.
  • Der Mehrzweckstreifen bei der Migros, der als Einspurstrecke benutzt werden kann, hat sich bewährt und soll bis zur Bäckerei Kunz verlängert werden. Um ihn besser von der Fahrbahn abzugrenzen, ist ein Betonbelag geplant. Dank dem Mittelstreifen erhalten Fussgänger neben den Fussgängerstreifen eine weitere Möglichkeit, die Hauptstrasse zu queren.

Soweit die Theorie. Bis die ältere Dame, die ihren Nussgipfel inzwischen verspeist hat, die Krümel inklusive, mit ihrem E-Bike über den «Hauptstrassen-Boulevard» flitzen kann, dauert es allerdings noch einige Zeit. «Die kantonale Abteilung Tiefbau erarbeitet ein konkretes Strassensanierungsprojekt, bei dem das erarbeitete Betriebs- und Gestaltungskonzept die Grundlage bildet», sagt Gemeindeammann Daniel Suter auf Anfrage. «Wir gehen von einem Start der Projektierung im nächsten Jahr aus.» Eine früheste Realisierung sei «ab dem Jahr 2020 denkbar».

Parkplatzverlust beschäftigt

Da es sich beim Konzept, das die Gemeinde just vor einem halben Jahr der Bevölkerung vorgestellt hat, erst um einen Betriebs- und Gestaltungsplan handelt und noch nicht um ein konkretes Projekt, gingen bei der Gemeinde auch nur wenige Rückmeldungen ein, wie Suter sagt.

Gegenüber der AZ beurteilen Fricker vor allem zwei Punkte kritisch: Erstens die neue Bushaltestelle, weil die Busse auf der Strasse halten und dies die Rückstauproblematik zusätzlich verschärft. Zweitens der Wegfall von Parkplätzen. Heute können in der blauen Zone entlang der Strasse rund 35 Fahrzeuge parkieren; künftig werden es mit den Zweier-Buchten noch rund 25 sein.

35...

...Parkplätze gibt es heute in der blauen Zone entlang der Hauptstrasse. Nach der Umgestaltung sollen es noch rund 25 sein. Kompensiert werden sie unter anderem mit dem neuen öffentlichen Parkplatz beim «Rebstock».

Die Parkplatz-Kritik kontert Suter mit dem Hinweis auf die Sicherheit und der Aufwertung der verbleibenden Parkplätze. «Zudem sind als Kompensation bereits an zentraler Stelle neue Parkplätze auf dem Areal des ‹Rebstocks› entstanden», so Suter. Auch die Bushaltestellen auf der Fahrbahn verteidigt er. «Das Platzangebot auf der Hauptstrasse ist auch jetzt schon so eng, dass keine Busbuchten realisiert werden können. Eine zusätzliche Bushaltestelle ist höher zu gewichten als ein kurzzeitiger Rückstau auf der Hauptstrasse.»

Immer wieder kam in den letzten Jahren auch Tempo 30 auf der Hauptstrasse zur Sprache. Dies ist insbesondere eine Vision des abtretenden Fricker Baudirektors Thomas Stöckli. Seine Vision wird in Frick kontrovers diskutiert und die Tempo-30-Thematik wurde beim Betriebs- und Gestaltungskonzept deshalb bewusst ausgeklammert. Auftrieb könnte Stöcklis Slow-down-Idee nun wieder erhalten: Die Stadt Zürich hat letzte Woche die erste Tempo-30-Zone auf einer Kantonsstrasse eingerichtet.

Kanton bei Tempofrage im Lead

Suter will sich nicht aus dem Tempo-Fenster lehnen. Auf die Frage, ob sich der Gemeinderat vorstellen kann, dass das Thema Tempo 30 auf der Hauptstrasse wieder aufgegriffen werde, sagt er sibyllinisch: «Bei der Hauptstrasse handelt es sich um eine Kantonsstrasse. Es liegt folglich nicht in der Kompetenz des Gemeinderats, ein anderes Geschwindigkeitsregime anzuordnen.»