Rheinfelden
Mehrfache Veruntreuung von Autos: Mechaniker geht acht Monate ins Gefängnis

Ein 41-jähriger stand wegen der Veruntreuung von mehreren Autos und grober Verletzungen der Verkehrsregeln vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Nun wurde er zu acht Monaten verurteilt – das Gericht glaubte ihm nicht.

Dennis kALT
Merken
Drucken
Teilen
Wegen Uneinigkeiten bei den Reparaturkosten soll der Angeklagte einem Kunden ins Gesicht geschlagen haben. (Symbolbild)

Wegen Uneinigkeiten bei den Reparaturkosten soll der Angeklagte einem Kunden ins Gesicht geschlagen haben. (Symbolbild)

Nadja Tratschin

Angst habe er und das Ende für ihn sei es. Dies antwortet der 41-jährige Italiener auf die Frage von Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab, was es für ihn bedeuten würde, wenn er ins Gefängnis gehen müsste.

Wegen mehrfacher Veruntreuung eines Motorfahrzeuges, Tätlichkeiten und grober Verletzungen der Verkehrsregeln muss sich der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte vor dem Bezirksgericht Rheinfelden verantworten – dies ohne Rechtsanwalt, weil er es verpasst hat, einen Antrag auf eine amtliche Verteidigung zu stellen. Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von acht Monaten unbedingt sowie eine Busse in Höhe von 500 Franken.

45 Kilometer pro Stunde beträgt die Geschwindigkeitsübertretung, mit welcher der Angeklagte auf der Autobahn gemessen wurde.

Am Prozess treten die Inhaber eines Gewerbebetriebs, ein Ehepaar, als Privatkläger auf. Sie fordern von dem Angeklagten, der damals eine Autowerkstatt hatte, eine Entschädigung von 10 000 Franken dafür, weil dieser ihren Firmenwagen, einen Kleintransporter, veräussert haben soll. «Ich habe das Auto damals zum Angeklagten gebracht, weil dieser es bei der Motorfahrzeugkontrolle vorführen sollte», so der Firmen-Inhaber.

«Immer wieder vertröstet»

Doch lange Zeit passiert nichts. Dann, einige Monate später, meldet sich der Angeklagte per Telefon: «Er sagte mir, dass er einen Käufer gefunden habe, der für das Auto 10 000 Franken zahlen würde», so der Firmeninhaber, der damals dem Verkauf zustimmte. Auf die 10 000 Franken wartet das Ehepaar jedoch noch heute: «Wir sind immer wieder zu ihm in die Garage gegangen und haben ihn nach dem Geld gefragt. Er hat uns immer wieder vertröstet», erzählt die Firmen-Inhaberin.

Der Angeklagte kann über die Äusserrungen der Zivilkläger nur den Kopf schütteln. «Stimmt alles nicht», sagt er. Laut Aussage des ehemaligen Werkstatt-Besitzers sei der Kleintransporter mehrere Jahre bei ihm gestanden und habe einen Standschaden gehabt. «Von einer Vorführung bei der Motorfahrzeugkontrolle ist keine Rede gewesen.

Er wollte das Auto gleich verkaufen», so der Angeklagte, der erzählt, dass er den Kleintransporter des Handwerkunternehmens gegen einen Fiat eingetauscht habe, weil sich dieser leichter verkaufen liesse. Über diese Aussage muss der Firmeninhaber schmunzeln: «Von einem Tausch des Autos war nie die Rede.»

Auf die Frage, wo sich der Fiat momentan befindet, antwortet der Angeklagte, dass er diesen nach dem Konkurs seiner Werkstatt entsorgt habe.

Ein Faustschlag ins Gesicht?

Neben dem Handwerks-Unternehmen tritt noch ein weiterer Geschädigter auf, der bei der polizeilichen Einvernahme zuvor angab, vom Angeklagten am Hals gepackt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Grund hierfür seien Uneinigkeiten wegen der Reparaturkosten seines Personenwagens gewesen. Der Geschädigte verzichtet jedoch an der Verhandlung darauf, Zivilforderungen geltend zu machen.

Ein Zeuge bestätigt vor Gericht, dass er die Tätlichkeit beobachtet und den Geschädigten vom Angeklagten weggezogen habe. Der Angeklagte streitet zwar nicht ab, dass er sich mit dem Geschädigten getroffen habe, der angebliche Zeuge sei jedoch bei dem Treffen nicht dabei gewesen.

Ein anderer Vorwurf, mit dem der Angeklagte konfrontiert wird, ist derjenige des Rasens. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte um drei Uhr nachts auf der Autobahn die Höchstgeschwindigkeit um 45 Kilometer pro Stunde, nach Abzug der Toleranz, überschritten haben. «Ich habe mich mit meiner Frau gestritten und bin deshalb so schnell gefahren», erklärt der Angeklagte, der für zwei Jahre seinen Führerausweis abgeben muss.

«Für alles eine Ausrede»

In seinem Plädoyer stellt der Anwalt der Firmeninhaber, deren Auto veruntreut wurde, auf die Unglaubwürdigkeit des Angeklagten ab. «Seine Aussagen sind Schutzbehauptungen und mit Vorsicht zu geniessen.» Unbestritten sei, dass er sich eine fremde Sache angeeignet habe, um sich an dieser zu bereichern.

Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab spricht den Angeklagten in allen Punkten schuldig. Aufgrund des Vergleichs zwischen den Aussagen bei der Polizei und denjenigen Aussagen vor Gericht, schenkt sie dem Angeklagten weniger Glaubwürdigkeit als den Auskunftspersonen. Sie verurteilt den Angeklagten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten. Dies deshalb, weil sie dem Angeklagten noch «eine einigermassen günstige Prognose» gibt.

Zusätzlich muss der Angeklagte 10 000 Franken an die Zivilkläger zahlen und aufgrund eines Urteils aus einem anderen Verfahren 600 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.