Öffentlicher Verkehr

Mehr Züge, mehr Verlässlichkeit: Deutsche Bahn will Bedingungen auf Hochrheinstrecke verbessern

Frust und Wut der Pendler auf der Hochrhein-Strecke zeigen erste Wirkungen: Die Bahn verspricht beim zweiten Schienengipfel in Waldshut-Tiengen zusätzliche Züge und eine bessere Informationspolitik. Melanie Völk

Frust und Wut der Pendler auf der Hochrhein-Strecke zeigen erste Wirkungen: Die Bahn verspricht beim zweiten Schienengipfel in Waldshut-Tiengen zusätzliche Züge und eine bessere Informationspolitik. Melanie Völk

Die anhaltende Kritik von Bahnpendlern auf der Hochrheinstrecke zwischen Basel und Singen zeigt Wirkung.

Beim zweiten Schienengipfel in Waldshut-Tiengen erkennt die Deutsche Bahn die Misere an und kündigt weitere Verbesserungen an. Ein Massnahmen-Bündel soll für mehr Verlässlichkeit sorgen. So sollen zusätzliche Züge eingesetzt werden, Reservezüge vorgehalten, der Fahrplan optimiert und eine Personalreserve aufgebaut werden. Zudem möchte die Bahn ihre Informationspolitik verbessern.

Konkret plant die Bahn, drei Fahrzeuge der Baureihe VT 612 aus dem Sauerland zu holen. Die Inbetriebnahme sei für Juli 2019 geplant. Weiter sollen defekte Fahrzeuge schneller repariert werden. Hierzu wurde laut Bahn die Zahl der Mitarbeiter in den Werkstätten aufgestockt. Für das erste Halbjahr 2019 ist zudem geplant, die Kundenkommunikation zu verbessern, indem eigene Social-Media-Kanäle speziell für Kunden der Hochrheinstrecke ausgebaut oder auch neu entwickelt werden.

Gefrustete Pendler

Zu dem Treffen im Waldshuter Rathaus hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner neben Vertretern der Deutschen Bahn, Landes- und Bundespolitikern sowie Bürgermeistern auch Pendler eingeladen. Betroffene, die sich immer wieder per E-Mail an die Abgeordneten wenden. Und die Pendler machten auch am Schienengipfel aus ihrem Frust und ihrer Wut über Verspätungen, Zugausfälle, mangelnde Informationen auf Bahnhöfen und schlechten Zustand des Zugmaterials keinen Hehl. Silke Vetter arbeitet bei Roche in Grenzach. Sie pendelt täglich von Murg zu ihrem Arbeitsplatz und sagt: «Seit dem letzten Schienengipfel hat sich nichts getan.» Von 100 Mitarbeitern ihres Teams seien inzwischen 17 aufs Auto umgestiegen.

Eine Massnahme, zu der sich auch Nikolaus Efinger aus Waldshut gezwungen sah. Ursprünglich hatten er und seine Frau ihre Autos verkauft, um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Über mehrere Jahre hinweg pendelte er von Waldshut täglich zu seinem Arbeitsplatz in Singen. Inzwischen hat er einen Schritt zurückgemacht und ist wieder aufs Auto umgestiegen. Efinger: «Als Personalleiter kann ich Mitarbeiter nicht wegen regelmässigen Zuspätkommens abmahnen, wenn ich selbst regelmässig zu spät komme.»

Züge von der Resterampe

Ebenso wie die Pendler sieht auch Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Stuttgarter Verkehrsministerium, die Bahn in der Pflicht und sparte nicht mit Kritik an deren Zustand. Gleichwohl sagte er dem Unternehmen Unterstützung seines Ministeriums zu, auch in Form von Geld. Unzufrieden mit den Zuständen auf der Hochrheinstrecke ist auch der Waldshuter Landrat Martin Kistler: «Der Schienengipfel ist gut, aber wir müssen jetzt spürbar etwas auf die Schiene bringen – zum Wohl der Kunden.»

Die Waldshuter SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, sparte ebenfalls nicht mit Kritik an der Bahn: «Mit Zügen von der Resterampe haben wir am Hochrhein in den letzten Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. Mit dem Wissen von heute erwarte ich von der Bahn, dass man dieses Mal genau auf die Funktionsfähigkeit achtet und ein stabiler und verlässlicher Betrieb gewährleistet ist.»

Elektrifizierung bis 2027

Aussagen, die auch beim neuen Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Thomas Krenz, Wirkung zeigten. Aber nicht nur das – er war am Tag des Schienengipfels selbst Opfer der Unzuverlässigkeit seines Unternehmens. Wegen einer Signalstörung hatte sein Zug 45 Minuten Verspätung. Er sagte: «Die Hochrhein-Strecke hat für uns hohe Priorität.»

Eines wurde beim zweiten Waldshuter Schienengipfel aber auch deutlich: Vermutlich wird erst die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke zwischen Basel und Erzingen jene Verbesserungen bringen, die alle Beteiligten zufriedenstellen werden. Martin Kistler hatte bislang das Jahr 2025 als Zielmarke für die Realisierung der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke vorgegeben. Die Planer der Bahn gehen aktuell von einer Fertigstellung zwischen 2025 bis 2027 aus. Dies unter anderem deshalb, weil zusätzliche Verbesserungen in die Infrastruktur vorgesehen sind. So sollen zwischen Basel und Erzingen unter anderem drei zusätzliche Bahnhalte gebaut und Bahnsteige angepasst werden. Dadurch steigen die Gesamtkosten auf inzwischen 280 Millionen Euro. An den Kosten beteiligen sich auch die angrenzenden Schweizer Kantone .

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