Möhlin

Mehr als eine Tonne Hilfsgüter im Monat: Seit fünf Jahren im Einsatz für die Ukraine

Der Möhliner Andreas Burckhardt sammelt pro Monat mehr als eine Tonne Hilfsgüter in seiner Garage ­­– es ist ihm ein Herzensanliegen.

In der Velo-Garage von Andreas Burckhardt in Möhlin stapeln sich zuweilen die Bananenschachteln bis knapp unter die Decke. Dies nicht etwa, weil Burckhardt eine besondere Affinität für die gebogene Frucht hat, nein – er bewahrt in diesen gut erhaltene Schuhe und Kleidung auf.

Es handelt sich hierbei um Hilfsgüter für die Ukraine. Mittlerweile ist es rund fünf Jahre her, seit Burckhardt mit dem Sammeln begann.

«Die Ukraine ist für mich ein Herzensanliegen», sagt Burckhardt auf die Frage nach seiner Motivation. Hinzu kommt, dass die Leute aus dem Fricktal sich sehr solidarisch zeigten und froh seien, wenn ihre Bekleidung dorthin komme, wo sie die Menschen benötigten.

Nach dem Überfall der russischen Streitkräfte auf die Krim im März 2014 und durch die ­Besetzung der Regionen um die Städte Donzek und Luhansk ­flohen viele Ukrainer aus den besetzten Gebieten im Osten des Landes nach Westen in Richtung der Hauptstadt Kiew.

«Sie mussten fast alles zurücklassen. Deswegen fing auch der Verein ‹Ukrainer in Basel› an, Hilfsgüter zu sammeln und ich half sofort mit», erzählt Burckhardt.

Ein Baby-Wagen, ein Föhn und ein Bügelbrett

Die Spenden erhält Burckhardt nicht nur aus der Region um Möhlin, sondern aus dem ganzen Fricktal. «Oftmals von älteren Menschen, deren Ehemann oder -frau gestorben ist, aber längst nicht nur», sagt er. Etwa zwei Drittel der Sachspenden sind Kleider, Schuhe, Bett- und Frotierwäsche.

«Bei der letzten Sammlung waren auch ein Baby-Wagen, eine Föhnhaube und ein Bügelbrett dabei», sagt Burkhardt und schiebt nach: «Durch das Hilfswerk ‹Gemeinsam helfen› erfahren wir, dass die Menschen sehr dankbar für die Hilfe sind.»

Letztgenanntes Hilfswerk ist es auch, das den Transport der von Burckhardt zusammen getragenen Hilfsgüter in die ­Ukraine seit etwa eineinhalb Jahren ­organisiert.

Viele ­Binnenflüchtlinge

«Wir holen bei ihm ein bis zwei Mal pro Monat Hilfsgüter-Sammlungen mit einem Gewicht von 800 bis 1000 Kilogramm ab», sagt Benjamin Malgo von «Gemeinsam helfen».

Von Möhlin aus gingen die Hilfsgüter zunächst in ein Zwischenlager nach Wohlen, dann weiter in die Ukraine nach ­Saporischschja, einer Stadt mit rund 800'000 Einwohner, 200 Kilometer westlich von Donezk gelegen.

«Dort gibt es sehr viele ­Binnenflüchtlinge. Wenn unser Projektverantwortlicher vor Ort einen Sack mit 300 Kilogramm Klamotten öffnet, sind diese in Windeseile verteilt», erzählt Malgo.

Auf der Suche bei der ­Sperrmüll-Abfuhr

Insgesamt wird für den Transport der Hilfsgüter eine Strecke von rund 4500 Kilometer zurückgelegt. «Wir können fast alles transportieren, was hierzulande nicht mehr gebraucht wird», sagt Malgo. Eine Ausnahme sei Mobiliar.

So seien etwa ein Schrank oder ein Bett zu sperrig und würden anderen Hilfsgütern zu viel Platz auf der Ladefläche wegnehmen. «Zudem ist die Gefahr gross, dass auf der langen und mitunter auch holprigen Fahrt das Mobiliar den Transport nicht unbeschadet übersteht», sagt er.

Malgo windet Burckhardt für seinen unermüdlichen Einsatz ein Kränzchen. «Wenn Sperrmüll-Abfuhr ist, macht sich Andreas Burckhardt auf den Weg und sendet mir Fotos von Dreirädern und Kinderwagen, die sich allenfalls für die nächste Hilfsgüterlieferung eigenen.»

Und wenn mal ein Teil an besagtem Dreirad oder Kinderwagen defekt sei, versuche Burckhardt ein Ersatzteil zu organisieren und das Gefährt wieder herzurichten, so Malgo.

Autor

Dennis Kalt

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