Frick

Mehr als 10'000 Besucher: Das Sauriermuseum hat ein Rekordjahr hinter sich

«Ein solches Projekt braucht Zeit»: Andrea Oettl, Leiterin des Sauriermuseums, zum Projekt eines Museumsneubaus.

«Ein solches Projekt braucht Zeit»: Andrea Oettl, Leiterin des Sauriermuseums, zum Projekt eines Museumsneubaus.

Die Leiterin des Fricker Museums Andrea Oettl spricht über Besucherzahlen, Dino-Fieber, XL- und XS-Saurier und erzählt, weshalb sie sich ein Krokodil wünscht.

Das Sauriermuseum in Frick hat ein Spitzenjahr hinter sich: 10'900 Personen tauchten 2019 in die Welt der Dinosaurier ein – so viele wie noch nie. In den letzten Jahren zählte das Museum jeweils um die 9000 Besucher; auf über 10'000 stieg die Besucherzahl erst einmal, 2010.

Auch bei den Führungen kann Museumsleiterin Andrea Oettl einen Spitzenwert vermelden: 241 Gruppen liessen sich 2019 durch das kleine Museum im Untergeschoss des Primarschulhauses führen – das sind zehn Gruppen mehr als im bisherigen Rekordjahr.

Andrea Oettl macht vorab zwei Gründe für den Dino-Boom verantwortlich. Zum einen gebe es derzeit viele Kinder, die mit dem Dino-Virus infiziert seien. Zum anderen spielt dem Museum der aktuelle Lehrplan in die Hand. «Wir haben deshalb viele Schulklassen im Museum», so Oettl.

Aber auch sonst war es für Oettl und das Saurier-Team ein bewegtes Dino-Jahr. So kam der erste Raubdinosaurier, der in der Schweiz gefunden wurde, im letzten Jahr endlich zu seinem Namen: Notatesseraeraptor frickensis heisst der Saurier, der 2006 und 2009 in Frick ausgegraben wurde.

Er lebte in der späten Trias, also vor rund 210 Millionen Jahren, war rund 2,6 bis 3 Meter lang und war bis zum Fund in Frick eine unbekannte Gattung und Art.

«XL» begeistert die Besucher in Bonn

Ein weiteres Highlight war für Oettl, dass «XL» fertig präpariert werden konnte. Der Plateosaurier, der wegen seiner acht Meter Länge zu seinem Namen kam und welcher der bislang grösste ausgegrabene Plateosaurier der Schweiz ist, kam 2015 bei Ausgrabungen in der Tongrube Gruhalde zum Vorschein. «In XL stecken eineinhalb Jahre Arbeit», erzählt Oettl.

Entsprechend stolz waren die Museumsverantwortlichen und die Gemeindevertreter, als sie XL Ende August der Öffentlichkeit im Gemeindehaus präsentieren konnten. Seit September ist XL Gaststar einer Ausstellung in Bonn. Wie lange er dort bleibt, ist noch offen. Das Museum denke über eine Verlängerung der Ausstellung nach, weil XL ein Publikumsmagnet sei, so Oettl.

Nach seiner Rückkehr wird XL wohl wieder eingelagert. «Im Museum jedenfalls haben wir keinen Platz für dieses grosse Skelett», sagt Oettl. Noch keinen Platz, muss man sagen, denn eine Projektgruppe arbeitet an den Plänen für ein neues Museum – direkt bei der Ausgrabungsstätte hinter dem Bahnhof.

Man sei auf gutem Weg, sagt Oettl. «Aber ein solches Projekt braucht Zeit.» Sie rechnet mit mindestens sieben bis acht Jahren, bis die Saurier beim Bahnhof für Furore sorgen werden. Zu klären ist neben dem Standort und dem Konzept vor allem eines: die Finanzierung.

Das Gegenstück von XL heisst Fabian oder eben: «XS». Ein deutscher Forscher wird den kleinen Saurier – Fabian ist nur gerade zwei Meter lang und hat die Höhe eines Truthahns – in diesem Jahr einscannen und ihn dann als 3D-Druck ausgeben.

Noch offen sei, so Oettl, ob man die eingescannten Knochen 1:1 ausgebe oder sie zurückrechne – also das Skelett so zeige, wie es ursprünglich und vor der Deformation der Knochen war.

Fabian wird das erste 3D-Modell in Frick sein und auch der erste Saurier, der steht. Bislang werden die Knochen der ausgestellten Saurier liegend in Vitrinen gezeigt. Zu sehen, wie der Saurier einst da stand, sei schon noch einmal eine andere Dimension, sagt Oettl. Sie ist denn auch überzeugt, dass das 3D-Modell das Museum einen Schritt vorwärts bringen wird.

Allzu lange muss Modell-Fabian zudem nicht alleine herumstehen. In diesem Jahr läuft die Präparation eines rund fünf Meter langen Plateosauriers an, der die Besucher ebenfalls stehend begrüssen soll. Präpariert sein soll «Ringelschwanz», wie der Saurier aufgrund seiner eingerollten Fundposition heisst, bis 2021.

Das Grabungsjahr 2019 war sauriermässig «durchzogen», sagt Oettl. Einen Sensationsfund wie XL oder XS gab es nicht. «Das Grabungshighlight war ein rund ein Zentimeter grosser Zahn eines Lungenfischs aus der Trias-Zeit», so Oettl.

Den Fund wertet sie als Puzzleteil, welches das Vorkommen einer weiteren Tierart bestätigt habe. Bislang hat man in Frick rund zehn verschiedene Tierarten aus der Urzeit ausgegraben.

Ein vier Meter langes Krokodil soll es werden

Für das Grabungsjahr 2020 hat Andrea Oettl einen Wunsch: «Ich hätte gerne ein vier Meter langes Krokodil», sagt sie, bemerkt den irritierten Blick des Journalisten, lacht. Die Wahrscheinlichkeit, ein Krokodilskelett auszugraben, sei zwar recht klein, räumt Oettl ein.

«Aber es ist nicht unmöglich». Zum einen hätten in der Zeit der Saurier auch Krokodile gelebt. Zum anderen habe man in Frick ja auch eine Schildkröte ausgegraben, die vor 210 bis 205 Millionen Jahren durch das Fricktal gewandert ist. Mit anderen Worten: Nichts ist unmöglich.

Ein Krokodil zu finden, wäre nicht nur ein weiterer Sensationsfund – davon gibt es in Frick ja einige –, «sondern ein zusätzliches Argument für ein neues Museum», meint Oettl schmunzelnd. Das Grabungsteam um Dino-Papst Ben Pabst jedenfalls gibt alles. «Sie sagen jeweils schon, wenn sie in die Gruhalde gehen: Wir gehen jetzt dein Krokodil ausgraben.» Man darf gespannt sein.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1