Hans, der älteste der drei ReimannBuben, spielte schon als Kind Klavier, spielte später Orgel und ist ein «begnadeter Musiker», wie sein Bruder Maximilian anerkennend sagt. Sein jüngerer Bruder Kurt ist nicht minder musikalisch; ihn verschlug es zu den Bläsern.

Und er selber? Er tanzte aus der Reihe, oder treffender: Er liebte den Steilpass schon als Kind mehr als die Tonleiter. «Ich war schon immer der Sporttyp», erzählt Reimann, der viele Jahre lang Sportsendungen am Fernsehen moderiert hat. Wenn immer möglich, schnappte er sich nach der Schule einen Fussball, suchte sich einige Gleichgesinnte und kickte darauf los. «Unbebaute Flächen gab es damals in Frick noch reichlich.» Das hat sich geändert. Und nicht nur das.

Das Damals, das waren die späten 1940er-Jahre. «Es waren schöne Jahre», bilanziert Reimann, auch wenn das Leben kurz nach dem Krieg seine Beschwernis hatte, wenn Kind-Sein damals weniger mit Viel-Haben als mit Sich-Haben zu tun hatte. In besonderer Erinnerung geblieben sind ihm die Waldweihnachten mit der Jungwacht Frick, in den damals noch meist tief verschneiten Wäldern des Frickbergs, im Moos oder am Kornberg. «Mit einer Kanne heissem Tee wärmten wir uns dann beim nächst gelegenen Bauernhof wieder auf.»

Ganz kam aber auch Maximilian Reimann nicht um das Musizieren herum, ein Instrument zu spielen, gehörte zum guten Ton. «Ich brachte es immerhin zur Blockflöte», erzählt Reimann. Einige Jahre lang traten er und Hans an Weihnachten als Duo auf, spielten einige Weihnachtslieder. «Ich war immer froh, wenn es vorbei war.»

Maximilian (links) und Hans Reimann spielen Weihnachtslieder.

Maximilian (links) und Hans Reimann spielen Weihnachtslieder.

Hochform an Heiligabend

Nur das Musizieren, nicht Weihnachten, denn diese Zeit liebte Reimann schon als Kind. «Ich hatte stets grosse Erwartungen an diese Tage», sagt er. Weniger an die Geschenke, davon gab es in der Nachkriegszeit noch nicht so viele und wenn, dann nützliche. Aber auf das Familien-Sein freute sich Reimann, auf das Zusammen-Sein, auf den geschmückten Baum auch – und auf das Festessen. «Meine Mutter lief stets zur Hochform auf.» Traditionell gab es bei Reimanns am Heiligabend Pasteten mit frischen Champignons aus Frick.

Zum Fest gehörte für Reimann auch der Besuch der Mitternachtsmesse, lange als Ministrant. «Es war ein schöner Abschluss eines besinnlich-heiteren Tages», sagt er. Diese Besinnlichkeit, so glaubt er, bleibe heute oft weitgehend auf der Strecke. «Weihnachten ist für viele zur rein kommerziellen Angelegenheit verkommen.» Die Geschäfte wittern das grosse Geschäft, die Menschen übertrumpfen sich gegenseitig mit Geschenken, die Häuser werden mit Lichterketten vollgehängt, im Garten stehen röhrende Leucht-Elche. «Das hat mit dem Eigentlichen an Weihnachten nicht mehr viel zu tun.»

Wenn das schlechte Gewissen nagt

«Im Gegenzug nagt das schlechte Gewissen», hat Reimann beobachtet, «und dieses befriedigt man, indem man Geld spendet und Entwicklungshilfe leistet.» Reimann schüttelt den Kopf. «Das ist ein Widerspruch. Wenn schon, dann sollte man unabhängig von Weihnachten Gutes tun.»

Weihnachten, das sind für Reimann auch Lebensphasen. In einer ersten glaubte er, wie wohl alle, ans Christkind und hört die Grossmutter noch genau, wie sie ihm, dem Dreikäsehoch, mit ernster Miene sagte: «Ich sah das Christchindli eben davonfliegen.»

Die zweite Phase war die musizierende Phase, die dritte jene, als er selber Vater wurde und nun selbst das Christkind fliegen liess.

Die vierte Phase kam fliessend, mit dem Erwachsen-Werden seiner beiden Töchter Leonie und Evelyn. Sie zogen aus dem Elternhaus aus, eine neue Ruhe kehrte in das Haus in Gipf-Oberfrick ein, eine Ruhe, die auch Weihnachten veränderte. Heute nutzt SVP-Nationalrat Maximilian Reimann die Zeit nach der intensiven Sessions-Zeit in Bern oft, um zu reisen, um andere Kulturen kennenzulernen, um Menschen in anderen Ländern in ihrem Weihnachts-Sein zu begegnen. «Einen Weihnachtsbaum zu haben, ist für mich derzeit nicht zentral», sagt Reimann. Denn auch ohne lebt er das, was Weihnachten eigentlich sein sollte: eine Zeit der Besinnung.

Den Weihnachtsbaum ganz an den Nagel gehängt hat Reimann, inzwischen 74, allerdings nicht. Er könne in seinem Leben dereinst durchaus wieder an Bedeutung gewinnen, sagt er, dann etwa, wenn er Grossvater werden sollte. Wie heisst es doch in dem Lied, das jeder kennt, der einmal Blockflöte spielte oder spielen musste: Ihr Kinderlein kommet.