Steht Matthias Kyburz an einer Startlinie, kann er sich eigentlich immer Chancen auf den Sieg, oder zumindest eine Medaille, ausrechnen. Fünf Gesamtweltcupsiege hat der Möhliner Orientierungsläufer in seiner Karriere bisher gesammelt, zuletzt drei in Serie. Als Kyburz aber am Sonntag an der Startlinie für den Silvesterlauf in Zürich stand, da rechnete er nicht mit einem Sieg – Stadtrennen sind schliesslich nicht sein Spezialgebiet. Trotzdem gewann der 28-Jährige am Ende, zur eigenen Überraschung. «Ich habe mir einen guten Lauf zugetraut, aber nicht, dass es ganz nach vorne reicht», sagt Kyburz mit einem Lachen.

Und dann war da ja auch noch die Europameisterschaft im Mai im eigenen Land – für Matthias Kyburz und seine Schweizer Teamkollegen ein einziges Highlight. Im Sprint gewannen Kyburz und Daniel Hubmann zeitgleich. Über die Mitteldistanz siegte Kyburz vor Florian Howald. In der Staffel gab es Silber. Zu guter Letzt erreichte Kyburz über die Langdistanz ein lange verfolgtes Ziel. Die Silbermedaille war für ihn die erste Medaille in dieser Disziplin an den grossen Titelkämpfen EM und WM. Kein Wunder also betitelt Kyburz den Bericht auf seiner eigenen Homepage über die Tage im Tessin mit: «Una grande festa» – zu deutsch: «Eine grosse Party».

«Ich habe mich regelrecht in einen Rausch gelaufen», blickt er nun mit etwas Abstand zurück. «Vor einem grossen Wettkampf träumt man von so einem Resultat. Dass es dann Wirklichkeit wird – und erst noch vor heimischem Publikum – ist das Schönste, was einem Sportler passieren kann.»

Enttäuschung in Riga

Weniger gut lief es im August im lettischen Riga an der WM. Mit der Staffel holte er zwar Silber. In den Einzelwettkämpfen verpasste Kyburz die Medaillen allerdings – wenn auch teilweise äusserst knapp. Wie etwa im Sprint, als nur gut zwei Sekunden fehlten. Zählt man die Rückstände auf die Gewinner des Sprint-, Mitteldistanz- und Staffelrennens zusammen, so kam Kyburz auf total nicht einmal 50 Sekunden Rückstand. «Ich habe insgesamt keine schlechte Leistung gezeigt», sagt Kyburz. Aber klar: «Eine Medaille oder keine Medaille – auf der Uhr liegen dazwischen manchmal nur Sekunden, emotional aber sind es ganze Welten.»

Trotzdem sei es ihm gelungen, von der Weltmeisterschaft ein positives Gefühl mitzunehmen. Dies wohl auch, weil er im vergangenen Winter stark im mentalen Bereich gearbeitet hatte. «Es ging dabei darum, wie ich reagiere, wenn es mal nicht so gut laufen sollte», erklärt Kyburz. «Das hat sicher geholfen, nach der Weltmeisterschaft wieder neue Chancen zu sehen.» So konnte er den Fokus im Herbst erfolgreich auf den Gesamtweltcup richten.

Medaillen in Norwegen?

Mittlerweile ist der Fokus bereits wieder auf die kommende Saison gerichtet. Matthias Kyburz ist momentan daran, eine Detailplanung für die Vorbereitung, die Trainingslager und die Wettkämpfe aufzustellen. Der OL-Weltcup startet erst im Juni wieder. «Ich kann daher derzeit nicht sagen, wann ich das nächste Mal an einer Startlinie stehen werde. Wohl an einem Stadtlauf im Frühling», sagt Kyburz. Ein Höhepunkt soll die WM im August in Norwegen werden – wieder mit dem Ziel, eine Medaille über die Langdistanz zu holen. «Das ist mir nun an einer EM gelungen. Jetzt möchte ich das auch an der WM schaffen.»

Seit rund einem Monat ist er wieder voll im Trainingsaufbau für nächste Saison. Eine erste Standortbestimmung lieferte der Zürcher Silvesterlauf letzten Sonntag – und der lässt definitiv darauf hoffen, dass auch die nächste Saison eine gute wird für Matthias Kyburz.