Das Vordach seines Camping-Mobils schützt vor der stechenden Mittagssonne. Darunter hat es sich Roland Hoffmann auf seinem Camping-Stuhl bequem gemacht. Neben ihm steht ein Klapptisch mit frischem Obst und kaltem Wasser: «So kann man das Leben geniessen», sagt der Sinti. Rund 30 Fahrende belegen für zwei Wochen mit zwölf Wohnwagen die Zirkuswiese neben dem Kunstrasen auf der Schul- und Sportanlage Ebnet in Frick.

Wie eine grosse Familie

Die Mitglieder der Gruppe, die von Frühling bis Herbst auf der Suche nach Stellplätzen quer durch die Schweiz reisen, sind mehr oder weniger immer die Gleichen: «Die Karawane besteht aus sieben bis 20 Wohnwagen. Wir sind wie eine grosse Familie», sagt Hoffmann. So treffen sich die Fahrenden am Wochenende zum gemeinsamen Abendessen und helfen einander aus, wenn dem Nachbarn mal etwas fehlen sollte. «An die Depotgebühr von 2000 Franken für den Stellplatz hat jeder seinen Anteil gezahlt», sagt Hoffmann.

«Ich bin schon von Kindesbeinen an Fahrender», erzählt der Sinti. Damals hätten ihn jedoch seine Eltern aufgrund der Schulpflicht vor den Behörden verstecken müssen, da er ansonsten im Waisenhaus gelandet wäre. Heutzutage ist dies anders: «Im Winter leben wir an einem festen Standort, an dem die Kinder in die Schule gehen», sagt Hoffmann. Geht die Gruppe auf Wanderschaft, wird sie immer von einer Lehrerin begleitet. «Bei ihr am Wohnmobil treffen sich die Kinder und bekommen Unterricht in Deutsch oder Mathematik», erzählt der Fahrende, der auf diese Art auch seine eigenen vier Kinder grossgezogen hat. «Einer ist jetzt sogar Pfarrer», sagt er stolz.

Sich an einem Standort fest niederzulassen, kann sich Hoffmann nicht vorstellen: «Ich brauche die Tapetenwechsel», sagt er. Dafür nimmt er es auch in Kauf, ständig auf der Suche nach einem freien Stellplatz zu sein. «Die Gemeinden haben oftmals keinen Platz. Wir fragen daher öfters Landwirte, ob wir gegen einen Obolus auf ihren Wiesen gastieren dürfen», erzählt Hoffmann. Wenn die Gruppe auf die Schnelle keinen Platz findet, dann kann es zu unangenehmen Situationen kommen, erzählt Hoffmanns Frau: «Einmal mussten wir zwei Nächte auf einem Parkplatz im Solothurn verbringen. Am zweiten Tag wurden wir dann von der Polizei am frühen Morgen verjagt. Und das, obwohl die Kinder noch geschlafen haben.»

Angst und Vorurteile

Und wie sieht es mit den Vorurteilen gegenüber den Sinti aus? «In Frick gibt es keine», sagt Hoffmann, da die Anwohner es dort schon gewohnt sind, dass jedes Jahr ein paar Wohnmobile auf der Wiese stehen. «Nur wenn wir an einem Standort sind, an dem zuvor noch keine Wohnwagen gestanden haben, haben die Anwohner Vorurteile und auch ein wenig Angst, weil sie denken, dass wir sie bestehlen würden», erzählt er.

Den Grund dafür sieht er in dem «unzivilisierten Verhalten» anderer Fahrender: «Es gibt Gruppen, die Standorte in einem verdreckten und vermüllten Zustand hinterlassen. Aufgrund von Pauschalisierungen wirft das dann ein schlechtes Licht auf uns.»