Die weissen Handschuhe und das weiss geschminkte Gesicht bildeten den einzigen Kontrast, des ansonsten ganz schwarz gekleideten Mannes zur schwarzen Bühne. Ohne Worte und Requisiten schaffte es Carlos Martínez, eine vielseitige Welt, verziert mit den unterschiedlichsten Bildern, Düften, Geräuschen und Gefühlen, entstehen zu lassen und das Publikum ganz in seinen Bann zu ziehen. Werkzeuge dafür waren lediglich des Künstlers Mimik und Gestik, die gekonnt der Stille eine Form gaben.

Pointierte Geschichten bewegten

Die Vorstellung begann in der Garderobe des Künstlers, wo Zucker im Kaffee zum Essenziellen wurde und die rund 100 Zuschauer im Meck à Frick den völlig süssen Brei nur zu gut im eigenen Gaumen schmecken konnten. Nach diesem Auftakt erzählte Martínez in einem abendfüllenden Programm unterschiedliche kurze Episoden, die der 55-jährige Künstler aus Barcelona aus dem Leben gegriffen hat und damit die Zuschauer mitten in die Herzen traf.

Die präsentierte Geschichtensammlung könnte unterschiedlicher nicht sein: Plötzlich war das zarte Flattern eines Schmetterlings hörbar, gleich darauf konnte der süsse Duft einer blühenden Rose wahrgenommen werden, und schnell kam Wehmut über die Taschenuhr auf, welche eine ganze Familiengeschichte erzählte. Die Vorstellung, wie das Kochen einer Omelette oder das einfache Warten auf den nächsten Bus schnell zum Desaster werden kann, brachte schallendes Gelächter hervor. Mit diesen kurzen und pointierten Geschichten des Lebens formte Carlos Martínez die scheinbare Stille in fantasievolle Welten, voller Humor und Wahrheiten über das menschliche Wesen.

Fasziniert von den Bewegungen eines einzelnen Mannes im Scheinwerferlicht, befand sich das Publikum im Wechselbad der Gefühle: Lautes Gelächter und gebannte Rührung wechselten sich im Takt der Geschichten ab. Das im Meck vorgeführte Programm «Hand Made», enthält die beliebtesten Stücke aus dem Repertoire des Mimen und gewann den Publikumspreis des internationalen Almada Theater Festival in Portugal.

Die Vorstellung endete wieder in der Garderobe. Danach bediente sich der Pantomimekünstler einer weiteren Requisite – einem roten Handtuch, mit dem er sich die weisse Schminke aus dem Gesicht wischte. Und nun konnte Carlos Martínez sprechen: «Für viele Menschen ist es ein Wunder, wenn ein Pantomime zu sprechen beginnt – für meinen Vater war es aber ein Wunder, dass ich über eine Stunde ruhig sein konnte.»

Nachdem er sich beim Publikum für seinen Applaus, für seine Stille und für sein Lachen bedankte, gab er den Gästen zum Schluss noch eine Gutenachtgeschichte auf den Heimweg: das Rotkäppchen – und es wurden nochmals Tränen gelacht.