Gansingen
Marschieren in Herzformation: Die Musikgesellschaft trainiert für den Paradewettbewerb

Die Musikgesellschaft Gansingen holt sich für den Paradewettbewerb am «Ohren auf!» in Laufenburg den Feinschliff.

Dennis Kalt
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Ist eifrig am Proben für den Auftritt am kantonalen Musikfest in drei Wochen: die Musikgesellschaft Gansingen.

Ist eifrig am Proben für den Auftritt am kantonalen Musikfest in drei Wochen: die Musikgesellschaft Gansingen.

Dirigent Michel Byland reckt seinen Arm mit dem Tambourstab dem schwarzen Himmel entgegen, wirbelt den Stab durch die Luft und fängt ihn gekonnt. Er marschiert vor dem Musikkorps auf der Stelle. Dann ertönen Bass und Trommeln auf dem Gansinger Schulhof.

Die Bläser setzen ein und die Musikgesellschaft Gansingen zieht im Gleichschritt los. Die hinteren Reihen steigern das Marschtempo, preschen in die Lücken zwischen den Vorderleuten, reihen sich ein und schliessen den Kolonnen-Wechsel ab. Währenddessen läuft ein Mann mit einer Kamera seitlich mit und filmt das Szenario. «Das Video dient der Fehleranalyse. Während der Proben ist es nicht möglich, alle Ungenauigkeiten zu entdecken», erklärt Byland.

Dass sein Puls von Probe zu Probe steigt, kann Byland nicht verhehlen. In drei Wochen steht das kantonale Musikfest «Ohren auf!» in Laufenburg auf dem Terminkalender der Musikgesellschaft Gansingen. «Nein», sagt Byland und schmunzelt: «Mit der derzeitigen Performance können wir uns noch nicht am Paradewettbewerb mit Evolutionen präsentieren.»

So muss das Musikkorps die verschiedenen Figuren, die es auf der 250 Meter langen Paradestrecke präsentieren will – Herz, Pfeil oder den Kolonnen-Wechsel – noch weiter verfeinern. Fünf Proben hat Byland noch dafür Zeit. Dass dies kein Zuckerschlecken wird, weiss er. «Klar, für viele Musikanten ist es eine Herausforderung, wenn sie am Abend zur Probe auf der Matte stehen und nach ihrem Arbeitstag noch einmal die Konzentration voll hochfahren müssen.»

Wie an der Schnur gezogen

Doch dies ist nötig, damit die Abstände zwischen den Musikanten an der Parade identisch, die Schritte gleichmässig und die Abläufe bei den Figurenwechseln flüssig sind. Denn den Argusaugen der vier Bewertungsrichtern am «Ohren auf!» wird auch keine noch so kleine Asynchronität entgehen. Dies gilt auch schon für die Aufstellung.

«Es gibt einige Dirigenten, die eine Schnur dabei haben und kontrollieren, ob die Reihen gerade ausgerichtet sind, bevor es losgeht», erklärt der stellvertretende Dirigent Andreas Hüsler. Byland verzichtet darauf: «Augenmass», sagt er lakonisch. Dieses lässt er auch immer wieder in den Proben walten, wenn er neben dem Musikkorps hin und her wuselt und mit einem Pfiff zu verstehen gibt, dass eine Reihe schräg ist.

Am Wochenende vom 23. und 24. Juni müssen sich die Gansinger mit sechs anderen Musikkorps am Paradewettbewerb mit Evolutionen messen. Hüsler will keine grossen Töne spucken und umgeht die Frage nach den Siegeschancen gekonnt. «Ein Nachteil ist, dass wir zuallererst laufen müssen. So kann es sein, dass die Experten zu tief bewerten, um noch Luft nach oben zu lassen.»

Andererseits kann die Startzeit um 11 Uhr auch ein Vorteil sein. Nämlich dann, falls später, wenn die Kontrahenten starten, so richtig die Sonne auf den Asphalt der Baslerstrasse in Laufenburg knallt. Es sei nämlich «eine Ehrensache», dass sich die Musikvereine und -gesellschaften in voller Montur – meistens Hemd, Schlips und Kittel – zeigen. «Da kann man während den zehn Minuten, in denen man spielt, ganz schön ins Schwitzen kommen», sagt Hüsler.

Wichtig sind für Byland und Hüsler, dass die Figuren, die sie am Wettbewerb zeigen, eine Geschichte erzählen. Diese läuft unter dem Titel «Das chunnt eus spanisch vor». Einen Grund, wieso gerade das Thema Spanien gewählt wurde, gebe es nicht. Jedenfalls deutet die Pfeilformation beim Lied «El Gato» an, dass einige beim Stierlauf vom Pamplona auf die Hörner genommen werden und im Stück «Spanish Eyes» entwickelt sich zwischen einem Spanier und einer Landsfrau eine Liebe, die ihren Höhepunkt in der Herzformation findet.

«Pflicht, die Figuren der Parade um eine Geschichte zu spinnen, ist es nicht», sagt Byland. Es könne jedoch schon den einen oder anderen Punkt in der Kategorie «Gesamteindruck» mehr bringen und wenn es knapp würde, darüber entscheiden, wer neben oder auf dem Treppchen stünde.

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