Markus Schmid, die katholische Kirchgemeinde Frick-Gipf-Oberfrick stimmt am nächsten Mittwoch über die Projektierung des Pastoralraums ab. Wie stehen Ihrer Ansicht nach die Chancen?

Markus Schmid: Ich blicke optimistisch auf die Abstimmung an der Kirchgemeindeversammlung. Wir stimmen auch nicht über die Bildung des Pastoralraumes ab, sondern über einen Kredit für das Projekt. Mit der Ausarbeitung in diesem Projekt soll unser Pastoralraum organisatorisch und funktional definiert werden. Die Abstimmung zum Pastoralraum findet erst nach Beendigung der Projektphase und dem Vorliegen aller Fakten statt.

Was halten Sie persönlich vom Pastoralraum?

Eine vermehrte Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien sehe ich positiv. In unserem Seelsorgeverband «Tierstein» wird dies auch jetzt schon sehr aktiv von unseren Seelsorgern gelebt. Ob die Bildung der Pastoralräume langfristig das Personalproblem der katholischen Kirche lösen kann, beurteile ich eher zurückhaltend. Hier müsste meines Erachtens die Kirche einen Schritt tun – beispielsweise bei der Zulassung zur Priesterweihe.

Was sind die Stärken eines Pastoralraums?

Die Stärken sind sicher, dass die Möglichkeit noch besser genutzt werden kann, Themen und Anlässe gemeinsam zu bearbeiten.

Wo orten Sie die Schwächen?

Es muss besonders beachtet werden, dass weiterhin jede Pfarrei «ihren» Seelsorger hat. Die Leute müssen wissen, wer ihr Seelsorger ist. Aber solche Fragen sind genau in der Projektphase zu definieren und zu beantworten.

Wittnau und Oberhof haben bereits Nein zum Projektierungskredit gesagt. Welchen Einfluss hat dies auf die Abstimmung in Frick? Hat dies Präjudizcharakter?

Es werden sicher Fragen dazu aufkommen. Für mich ist dies jedoch kein Grund, zum Projekt-Kredit Nein zu sagen. Die Pfarreien Oeschgen, Gipf-Oberfrick und Frick bilden auch im zukünftigen Pastoralraum eine Einheit und für uns liegt diese Zusammenarbeit mit oder ohne Pastoralraum im Vordergrund.

Moniert wurde in Wittnau, dass man über einen Kredit abstimme – aber den Projektleiter nicht kenne. Teilen Sie diese Kritik?

Ja, diese Kritik lasse ich ebenfalls gelten. Es ist klar, dass es entweder der Gemeindeleiter von Gipf-Oberfrick oder der Gemeindeleiter von Oeschgen sein wird. Da wir aber beide Personen als langjährige und bewährte Seelsorger bei uns kennen, ist dies für mich auch kein Grund, das Projekt nicht zu starten.

Viele Gläubige sagen: Den Pastoralraum braucht es nicht; wir haben heute eine gute Zusammenarbeit – und das reicht. Ihre Antwort?

Das heisst aber auch nicht, dass es mit dem Pastoralraum keine gute Zusammenarbeit mehr geben wird. Wir im Fricktal sind bis heute noch kaum mit der Tatsache des Priestermangels in Berührung gekommen. Einsätze von bereits pensionierten Priestern haben uns immer geholfen. Wie es aber in fünf Jahren aussieht, wenn man einfach nichts tut, weiss ich nicht. Aber nichts zu tun und abzuwarten, scheint mir falsch zu sein.

Was erwarten Sie vom Bistum, sollten neben Wölflinswil und Wittnau noch weitere Kirchgemeinden Nein sagen?

So schnell wird vom Bistum wohl nichts kommen. Jedoch ist die Bildung des Pastoralraumes keine Angelegenheit der staatskirchlichen Organisationen, also der Kirchgemeinden und Kirchenpflegen, sondern einzig diejenige des Bischofs. Selbstverständlich sind die Finanzen bei den Kirchgemeinden.

Macht ein Start in den Pastoralraum aber noch Sinn, wenn am Schluss nur noch die Hälfte oder zwei Drittel der Kirchgemeinden dabei sind?

Es macht meines Erachtens Sinn, wenn wir uns mit dem Start des Projektes mehr Klarheit verschaffen können, wie ein zukünftiger Pastoralraum aussehen könnte. Aber auch ohne Pastoralraum werden wir die Zusammenarbeit zwischen Oeschgen, Gipf-Oberfrick und Frick weiter pflegen und optimieren. Mit dem Ersatz für den Fricker Pfarrer Thomas Sidler werden wir für diese drei Pfarreien einen priesterlichen Mitarbeiter mit einem 100-Prozent-Pensum erhalten, was uns weiterhin eine gute Ausgangslage und eine optimale seelsorgerliche Versorgung unserer Gläubigen gibt.