Marktgasse Rheinfelden
Leben trotz Regen – am Puls der Altstadt Rheinfelden

Die Terrassen sind wieder offen, doch das Wetter spielt nicht mit. Trotzdem ist die Altstadt in Rheinfelden belebter, als man vielleicht annehmen würde. Ein kleiner Rundgang durch die Marktgasse zeigt mehr.

Simon Widmer
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Marktgasse in Rheinfelden. Das Wetter ist sehr wechselhaft und es können nur wenige Minuten zwischen blauem Himmel und strömendem Regen liegen.

Marktgasse in Rheinfelden. Das Wetter ist sehr wechselhaft und es können nur wenige Minuten zwischen blauem Himmel und strömendem Regen liegen.

Simon Widmer

Schon seit nun mehr als zwei Wochen sind die Terrassen wieder offen. Leider lädt das Wetter überhaupt nicht dazu ein, sich eine Pizza oder ein saftiges Steak zu gönnen. Doch es gibt Mutige, die sich trotzdem wagen, wie ein Spaziergang durch die Marktgasse in Rheinfelden zeigt.

Die Stadt ist ruhig

Bereits beim Eintreten in die Altstadt merkt man: Es ist viel ruhiger als früher. Im angrenzenden Stadtpark finden sich nur vereinzelt Spaziergänger und ein paar wenige auf den Bänken, die einen Moment der Ruhe in der Natur geniessen. Das lauteste Geräusch ist das Zwitschern der Vögel.

Beim Weitergehen kommen einem ab und zu Menschen entgegen, die meisten sind sichtlich gestresst und auf dem Weg zum nächsten Meeting. Bei den ersten Restaurants angekommen, findet man noch reichlich Platz. Gerade vor dem Mittag sind nur sehr wenige Sitze besetzt. Ein paar einzelne, meist ältere Menschen stehen vor den Schaufenstern und begutachten die Ware in den Läden. Im Grossen und Ganzen ist jedoch wenig los.

Gerade kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und es wird angenehm warm. Eigentlich ein Wunder, dass nicht mehr Leute bei solchem Wetter unterwegs sind, doch der Schein trügt. Nur zehn Minuten vorher hat es noch in Strömen geregnet und in rund einer halben Stunde wird das wieder der Fall sein.

Kaum hat es aufgehört zu regnen und die Restaurants haben ihr Material aufgestellt, kommt schon der nächste Schauer und man kann rennenden Kellnern zusehen, die alles wieder ins Trockene bringen.

Der Hunger lockt Gäste an

Zur Mittagszeit ändert sich die Situation. Langsam füllen sich die Restaurants. An einem Ort muss sogar ein Kunde abgewiesen werden, weil keine Plätze mehr frei sind. Wie ein Gastwirt jedoch verrät, sind die Terrassen im Moment gar nicht voll gestuhlt. Er sagt:

«Es ist extrem schwer zu planen, wie viele Gäste kommen, wenn nur an einem Tag die Sonne scheint und es dann wieder regnet.»

Damit das schlechte Wetter nicht mehr zum Dinner-Killer wird, müssten die Innenräume wieder öffnen. Da sind sich sowohl Gastgeber als auch Besucher einig. Erstere hoffen natürlich, endlich wieder eine gute Kundenzahl zu erreichen, und die Zweiten wollen eine Möglichkeit, ins Trockene zu gehen, wenn die Terrasse verregnet wird. Ende Monat könnte es laut Bundesrat so weit sein. Trotzdem herrscht ein gewisses Unverständnis, dass es nicht schon jetzt geschieht, da kaum Ansteckungen in Restaurants festgestellt wurden.

Auch generell ist Corona immer noch das wichtigste Gesprächsthema. Egal, mit wem man spricht, es kommt immer vor im Dialog. Speziell das Impfen sorgt für viele Fragen und somit auch Gesprächsstoff. Zwei Männer, die gerade auf ihren Kaffee warten, fragen sich, wann man als Geimpfter dann endlich wieder Dinge tun könne.

Das Impfen ist auch die Sache, die die meisten Menschen anzieht: Nirgends in der Stadt sieht man eine so grosse Gruppe wie die Schlange vor dem Impfzentrum.

Hartnäckig im Regen

Nach dem Mittag setzt der Regen wieder ein. Schnell verdünnt sich die Menschenanzahl. Jetzt sind nur noch die unterwegs, die das nicht freiwillig tun. Eine Frau ist zum Beispiel gerade dabei, Postkarten zu besorgen. Doch trotz androhender Sintflut gibt es immer noch Leute, die am Essen sind. Es ist kaum zu glauben, doch weil es so lange nicht möglich war, geniessen sie auch im stärksten Regen die Gesellschaft. Eine ältere Dame sagt:

«Die Menschen haben extreme Freude daran, dass die Restaurants wieder offen sind. Da ist das Wetter egal.»

Grenzöffnung hat grossen Einfluss

Ein wichtiger Faktor für die Zahl der Menschen im Städtli ist auch die Grenze. Am Wochenende und an schönen Tagen gibt es wieder viele Spaziergänger, die den Rundgang Brücke–Kraftwerk gehen, der beidseits des Rheins verläuft. Doch da im Moment das sonnige Wetter nur sehr spärlich vertreten ist, bleiben auch die Menschen grösstenteils aus. Einzig Biker aus der Ferne findet man. Auch aus Frankreich hat es kaum mehr Touristen, die den Weg nach Rheinfelden finden. Wohl alles wegen der Coronamassnahmen, nimmt ein Beizer an.

Es gibt wieder Leben

Alles in allem kann man jedoch sagen, dass Rheinfelden langsam aber sicher wieder aus ihrem Schlaf erwacht. Seit den Terrassenöffnungen ist es wie nach einem Waldbrand: Die jungen Keime spriessen hervor und es gibt wieder Leben – und das trotz Regen.