Laufenburg
Markenzeichen: Diese Guggenmusiker schminken sich vor jedem Auftritt

Vor jedem ihrer 20 Auftritte unterzieht sich die 32-köpfige Guggenmusig Barocker einer aufwendigen Schminkprozedur. Die Guggenmusiker lassen sich jedes Jahr aufs Neue aufwendige Muster einfallen, die ihre Gesichter zieren.

Sarah Serafini
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Unter den Ohren nicht vergessen!
13 Bilder
Im Airbrush-Zimmer wird es eng
Gesichtsbemalung ist das Markenzeichen der Guggemusig Barocker
Jeder Pinselstrich muss sitzen
Ein Gesicht wie das Innere eines Uhrwerks
Die grünen Hauben schützen die Haare
Die einen mögen es gefürchiger
Das Endresultat kann sich sehen lassen
Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt
Bald ist Auftritt
Augen zu und sprühen
Am Schminktisch wird perfektioniert
Aussehen wie ein Science Fiction-Held

Unter den Ohren nicht vergessen!

Alex Spichale

18 Uhr: Einzelne trudeln ins Schminklokal an der Schützenmattstrasse 1 ein. Noch zweieinhalb Stunden bis zum Auftritt der Guggemusig Barocker. Die meisten kommen direkt von der Arbeit, hatten vorher noch kurz Zeit, sich umzuziehen. Die Kostüme sind mehrheitlich selbst genäht: dunkelbraune Hosen mit Schnallen, Nieten und Täschchen, um die Hüften breite Gürtel.

Einige Frauen tragen breit gefächerte Röcke mit mehreren Schichten, Rüschen und Spitze. Oben dicke Westen, blau, schwarz oder braun mit vielen Knöpfen. Was bei keinem Kostüm fehlt, sind Verzierungen in Form von Zahnrädern. Alles in allem sehen die Barocker aus wie eine Mischung aus Science-Fiction-Abenteurer, Romantiker und Proletarier – passend zu ihrem diesjährigen Motto: «Steampunk», ein Stil, der in den Neunzigerjahren entstanden ist und sich auf das viktorianische Zeitalter beruft.

Nur die Gesichter wollen noch nicht so richtig zu den Kostümen passen. Das soll jetzt geändert werden. Im hinteren Teil des Schminklokals stehen drei Barhocker nebeneinander. Darauf nimmt nun ein Guggenmusiker nach dem anderen Platz. Auf den Köpfen tragen sie Hauben, um den Oberkörper ein Plastikmäntelchen, um Haare und Kleidung vor der Farbe zu schützen. Das Schminkteam ist jetzt gefordert. Es füllt die Patronen der Airbrush-Maschine und macht sich an die Arbeit.

Augen zu und sprühen

Die Barocker sind bekannt für ihre aufwendig bemalten Gesichter während der Fasnacht. Es ist ihr Markenzeichen. So lassen sich die Guggenmusiker jedes Jahr aufs Neue aufwendige Muster einfallen, die ihre Gesichter zieren sollen. Dieses Jahr stehen drei Grundtöne zur Verfügung: Gold, Bronze und Braun.

18.30 Uhr: Tobias Giess hat sich für Braun und Bronze entschieden. Er schliesst die Augen und zuckt leicht zusammen, als die Airbrush-Maschine die erste Farbe in sein Gesicht sprüht. Giess ist seit zwei Jahren Dirigent der Guggemusig Barocker.

Seit August probt er mit seiner Gruppe einmal in der Woche zwei Stunden lang für die Fasnachtsauftritte im Februar und März. Er sagt, wenn er dann jeweils die Treppenstufen zum Schminklokal hinunter gehe, dann wisse er: «Jetzt ist es so weit. Bald geht es los!» Nervös sei er deswegen aber nicht. «Höchstens ganz kurz vor dem Auftritt. Aber hier unten bleibt alles entspannt.»

Die Chefin des Schminkteams, Sibille Frei, fordert Giess nun auf, still zu sitzen. Sie platziert eine Schablone in seinem Gesicht und beginnt vorsichtig weisse Farbe aufzusprühen. Dann verschiebt sie die Schablone um einige Zentimeter und sprüht weiter. Dies wiederholt sie mehrmals. Tamara Hort, die neben ihm auf dem Barhocker sitzt, hat sich für ein anderes Muster entschieden.

Auf ihrem goldenen Gesicht prangen verschieden grosse Zahnräder. Sie sieht aus wie das Innere eines Uhrwerks. Sie rutscht vom Hocker und setzt sich an eine Festbank in der anderen Ecke des Raumes. Nun will sie das Werk vollenden.

Pinseln, bis alles perfekt sitzt

19 Uhr: Inzwischen hat sich Keller gefüllt. Bald wird es eng. 32 aktive Mitglieder zählt die Guggemusig Barocker. Obwohl die Gesichter von einigen noch unbemalt sind, bricht keine Hektik aus. Zwei Guggenmusiker stehen um einen Baumstamm. In der einen Hand halten sie eine Bierdose, in der anderen einen Hammer.

Nacheinander schlagen sie Nägel ins Holz. Jemand fragt: «Wo ist Joel?» «Der steht im Hardwald im Stau!» Hort scheint das Treiben rundherum gar nicht mehr zu hören. Vertieft schaut sie in den kleinen Spiegel auf dem Tisch. Neben ihr sind ihre Schminksachen ausgebreitet. Sie tunkt einen feinen Pinsel in ein Döschen und verziert die Zeichnungen in ihrem Gesicht. Strich um Strich malt sie säuberlich und fixiert zuletzt alles mit einem Spray.

Nach ihrem letzten Auftritt am 9. März wird sie diese Arbeit insgesamt zwanzig Mal getan haben. Schminkchefin Frei sagt: «Je mehr Auftritte wir hinter uns haben, desto mehr perfektionieren wir die Zeichnungen auf unserem Gesicht.» Die Farben seien zum Glück relativ angenehm und einfach abwaschbar. Trotzdem gebe es immer solche, die gegen Ende der Fasnacht die Schminkerei immer weniger gut ertragen.

19.30 Uhr: Die letzten Vorbereitungen laufen. Kleider werden zurechtgerückt und Hüte auf den Kopf gesetzt. Das Kostüm ist komplett. Die Letzten verlassen den Keller und steuern auf ihre Autos zu. Die Guggenmusiker fahren heute individuell an den Konzertort. Haben sie an einem Abend mehrere Auftritte, fahren sie gemeinsam mit ihrem Car.

Ein Guggenmusiker sagt, dass er gar nicht merke, wie streng die vielen Auftritte sind. «Ich bin dann mittendrin und geniesse es.» Wenn die Fasnacht im Fricktal dann aber zu Ende ist und diejenige in Basel beginnt, dann denke er jeweils: «Bin ich froh, dass es vorbei ist.»