Frick
Maria Theresia gab die Fricktaler Gemeindebannpläne in Auftrag

Wie die Fricktaler Gemeindebannpläne von 1772 bis 1788 entstanden, erklärte Werner Rothweiler an einem Vortrag der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde (FBVH).

ANDREAS FAHRLÄNDER
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Der Fricker Flurplan mit Frick, Gipf und Oberfrick von Geometer Fridolin Leimgruber, 1776.

Der Fricker Flurplan mit Frick, Gipf und Oberfrick von Geometer Fridolin Leimgruber, 1776.

Werner Rothweiler

Am Donnerstagabend lud die Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde zum ersten von drei Wintervorträgen in den Kornhauskeller in Frick. Der Referent Werner Rothweiler aus Magden war lange Jahre Chemiker bei Ciba-Geigy, bevor er sich im Ruhestand mit spürbarer Leidenschaft an die Lokal- und Regionalgeschichte des Fricktals heranwagte. Er betreibt Flurnamenforschung und ist unter anderem der Herausgeber der Magdener Ortsgeschichte.

Hohe Kunst

Bei den Recherchen zur Ortsgeschichte stiess Rothweiler auf die Gemeindebannpläne, die für alle Fricktaler Ortschaften im Auftrag der österreichischen Obrigkeit zwischen 1772 und 1788 erstellt worden sind. Im bis auf den letzten Platz besetzten Saal veranschaulichte der Referent die erstaunliche Entstehungsgeschichte dieser Flurpläne. Was in Zeiten von Google Maps eine Leichtigkeit ist, setzte im 18. Jahrhundert eine hohe Kunst voraus: Die Landschaft so präzise darzustellen, dass sie der Realität im verkleinerten Massstab fast haargenau entspricht.

Steuerreform als Impuls

Die Erstellung der Gemeindebannpläne wurde von der vorderösterreichischen Provinzialregierung in Freiburg im Breisgau beauftragt, der damals auch das Fricktal unterstellt war. Nötig wurde sie aufgrund der Steuerreformen der Kaiserin Maria Theresia.

Die habsburgische Regentin wollte durch ihre Reformen ein gerechteres Steuersystem schaffen. Das bedingte die präzise Erfassung der Gemeindebanne. Im Fricktal wurden 33 solcher Pläne gezeichnet, im südlichen Breisgau 87. Geschulte Geometer wurden beauftragt, alle Gemeinden mit ihren Siedlungen, Wald, Feldern, Matten, Reben und Äckern abzubilden. Das Ergebnis war nicht nur verwaltungstechnisch wertvoll, sondern zudem auch wunderschön anzusehen.

1827 schenkte das Grossherzogtum Baden die Fricktaler Gemeindebannpläne dem 1803 entstandenen Kanton Aargau, der sie den jeweiligen Gemeinden weitergab. Dort gingen sie jedoch im Laufe der Zeit teilweise vergessen oder verloren. In den vergangenen fünf Jahren wurden auf Anregung Werner Rothweilers die verbliebenen Pläne vom Aargauer Staatsarchiv gesammelt, kopiert und digitalisiert.

Aufruf zur Nachforschung

Auf dem kantonalen Onlineportal AGIS können alle erfassten Pläne eingesehen werden. Zum Schluss seiner Ausführungen appellierte Werner Rothweiler an die Gemeinden: «Haben Sie in Ihren Archiven Beilagen oder Duplikate der Pläne? Es muss in den Gemeindearchiven noch einiges an Material zu finden sein.» Die FBVH bot einen spannenden Abend über ein lebendiges Stück fricktalischer Geschichte.