Rheinfelden
Marga Huber verkauft Bio-Gemüse und Konfitüre und spendet das Geld

Vor acht Jahren begann Marga Huber mit dem Gärtnern. Mittlerweile erntet sie derart viel Gemüse, dass sie es an einem Selbstbedienungs-Stand verkauft und den Erlös an ein Hilfsprojekt in Peru spendet. Doch sie wurde auch schon enttäuscht.

Janine Müller
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Marga Huber vor ihrem kleinen Selbstbedienungs-Stand. Sie verkauft saisonales Bio-Gemüse und selbstgemachte Konfitüre.

Marga Huber vor ihrem kleinen Selbstbedienungs-Stand. Sie verkauft saisonales Bio-Gemüse und selbstgemachte Konfitüre.

Walter Christen

Geld vom Konto abheben und einem Hilfswerk spenden; das passt nicht zu Marga Huber. Das ist ihr zu einfach. Lieber will sie mit ihren Händen etwas Gutes bewirken.

Also begann sie auf einem kleinen Stück Land, oberhalb des Bahnhofs Rheinfelden am Fuss des Kapuzinerbergs, anzupflanzen. Ein paar Salate und Küchenkräuter taten es am Anfang für die damals noch ungeübte Gärtnerin. Die Tipps ihrer italienischen und portugiesischen Garten-Nachbarn fruchteten rasch. Marga Huber vergrösserte den Garten, bald wusste sie nicht mehr wohin mit all dem Gemüse, das übrigens alles biologisch ist. Die Verwandten hatten längst alle schon genug davon. «Wegwerfen wollte ich all das schöne Gemüse aber auch nicht», erklärt sie ihr Dilemma.

Das war vor acht Jahren, als die damals frisch pensionierte Lehrerin und Katechetin von Oberwil/BL mit ihrem Mann nach Rheinfelden zog. Mitgezügelt hat sie die Freude an einem Hilfsprojekt in Peru. Dieses hat sie bereits zuvor 15 Jahre lang mit ihren Schulklassen mit dem Verkauf von Gebasteltem an Märkten unterstützt.

Projekt von Gertrud Bärtschi

Marga Huber war dann schnell klar, wofür sie das übrig gebliebene Gemüse aus ihrem Garten brauchen will: Verkaufen, für einen guten Zweck. Für das Hilfsprojekt «Gema: Gente del Mañana» (deutsch: Menschen von morgen). In Huancayo, eine Stadt mit 320 000 Einwohnern im peruanischen Hochland, ist das Projekt angesiedelt. 100 Kinder besuchen dort die Schule und können gleichzeitig in Werkstätten (Schreinerei, Glasschleiferei, Weberei, Handarbeitsabteilung) arbeiten und so eine Grundlage für ihr späteres Berufsleben schaffen. Geleitet wird das Projekt von Peruanern. Es gehört zu einem der neun Projekte in Peru, welche von der Baslerin Gertrud Bärtschi gegründet wurden. 1995 verlieh die Uni Basel Gertrud Bärtschi die Ehrendoktorwürde für ihr Engagement.

Geld aus der Kasse gestohlen

Für dieses Projekt also stellte Marga Huber einen kleinen, überdachten Selbstbedienungs-Stand direkt am Strassenrand auf. Ihr Gemüse platzierte sie da, eine Kasse daneben. Immer mit etwas Reservemünz zum Wechseln. Das Projekt lief gut an, immer mehr Geld landete in der kleinen Kasse. Bis eines Tages keines mehr drin war. Gestohlen. «Das machte mich sehr traurig», sagt Marga Huber. «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand Geld stiehlt, das für bedürftige Kinder gedacht ist.» Sie seufzt und fügt an: «Das war wohl etwas naiv.» Nachdem dann ein weiteres Mal Geld entwendet wurde – mitsamt Kasse – hatte die heute 73-Jährige genug. Heute bittet sie die Leute, das Geld in den Briefkasten zu werfen.

Einnahmen stetig gewachsen

In den letzten Jahren hat sie ihren Garten um mehr als verdreifacht. Und auch die Einnahmen sind stetig gewachsen. In diesem Jahr kann sie um die 4000 Franken spenden. Und zu den Salaten und zum Gemüse hinzu kocht sie jetzt auch Konfitüre und verkauft diese ebenfalls an ihrem Stand.

Manchmal versinkt sie so in ihrer Arbeitswut (sie selber nennt es lieber Arbeitsfreude) – im Sommer verbringt sie bis zu zehn Stunden im Garten–, dass das Familienleben drunter leidet. «Dann muss mir mein Mann wieder sagen, dass ich etwas zurückschalten muss», sagt sie.

Sie freut sich darüber, dass ihr kleines Gartenprojekt diesen Erfolg hat. Und auch darüber, dass sie so Kontakte zu Menschen knüpfen konnte, die sie heute zu ihrer Stammkundschaft zählen kann.

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