Bezirksgericht Rheinfelden
Mann stellt Bilder seiner Freundin mit Kontaktdaten auf Pornoseite

31-Jähriger soll Nacktfotos von Freundin mit Nummer online gestellt haben – dies bestreitet er vor Rheinfelder Gericht.

Dennis Kalt
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Das Bezirksgericht Rheinfelden.

Das Bezirksgericht Rheinfelden.

Peter Rombach

Ehrverletzung durch Verleumdung und Pornografie – wegen diesen beiden Tatbeständen musste sich ein Landwirt aus dem oberen Fricktal gestern vor dem Bezirksgericht Rheinfelden verantworten. Gegen den entsprechenden Strafbefehl hatte der 31-Jährige zuvor Einsprache eingelegt.

Konkret wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, von seinem Computer aus Nacktfotos seiner Freundin unberechtigter Weise auf eine Pornografie-Plattform hochgeladen, veröffentlicht und dazu ein Profilbild mit Angabe ihrer Handynummer hinzugefügt zu haben. Ebenfalls habe er ihre «sexuellen Vorzüge» detailliert aufgeführt und «männliche Interessierte zur Kontaktaufnahme aufgefordert». Pornografisch seien die Bilder, weil auf einem ihr Schambereich, auf einem anderen ihre Brüste zu sehen sind. Die Staatsanwaltschaft fordert hierfür eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 60 Franken sowie eine Busse von 1600 Franken.

Ein IT-Spezialist der Kantonspolizei hat bei den Ermittlungen gegen den Angeklagten auf dessen Computer belastende Daten sichergestellt, die ihm mit dem «Fake-Profil» auf der Porno-­Plattform in Verbindung bringen. Gefunden bei der Analyse der Daten auf dem Computer habe er eben Hinweise auf jene Bilder, die sich auch auf dem anzüglichen Profil der einschlägigen Seite befinden.

Auch einen Screenshot, auf dem zu sehen ist, dass jemand gerade auf dem Profil eingeloggt ist, konnte der Polizist sicherstellen. Nur Hinweise darauf, dass der Angeklagte die Bilder auf die Plattform hochgeladen hat, konnte er nicht finden.

Der Angeklagte bestreitet, das Profil erstellt zu haben

Gemäss dem IT-Experten befand sich auf dem PC des Angeklagten auch ein Programm, mit dem dieser die kompromittierenden Bilder von dem Whats­app-Messenger seines Handys auf seinem Computer heruntergeladen hat. Der Angeklagte verhehlte nicht, dass er von seiner damaligen Freundin solche intimen Fotos erhalten hat. «Ich habe zu ihr gesagt: Solche Bilder musst du mir nicht schicken.» Dass er die Bilder jedoch hochgeladen und ein entsprechendes Profil erstellt hat, bestritt er gegenüber dem Bezirksgericht.

Auch gab der Angeklagte in der Befragung zu, auf derselben Porno-Plattform, auf dem das Profil seiner Freundin angelegt wurde, selbst mit einem ­Account seit 2014 aktiv zu sein, «weil ich dort gerne erotische Fantasy-Romane lese».

Computer des Angeklagten ist stark geschützt

Gelungen ist es dem IT-Spezialisten zu ermitteln, wann der erste Login auf dem Porno-Profil erfolgte – an einem Samstagmorgen. Der Beschuldigte erinnerte sich bei der Befragung, dass seine damalige Freundin in der Nacht vor der Erstellung des Profils bei ihm übernachtet und er am Morgen das Haus verlassen habe, um sich zu einem Fest aufzumachen. «Sie war zu der Zeit der Profil-Erstellung alleine bei mir.» Beweisen kann er dies aber nicht.

Die Aussage vor Gericht, dass sein Computer zu diesem Zeitpunkt zugänglich für seine Freundin war, revidierte der Angeklagte als die Anwältin der Geschädigten ihn mit einer Aussage aus seiner polizeilichen Einvernahme konfrontierte. Denn hier gab der Angeklagte an, der Zugang zu seinem Computer erfolge über ein sechsstelliges Passwort und einen achtstelligen Code, der über sein Handy generiert werde.

Verteidiger fordert ­Freispruch

Die Anwältin, welche die Geschädigte als Zivilklägerin vertrat, forderte gegenüber dem Angeklagten einen Schadensersatz von 7612,40 Franken sowie eine Genugtuung in Höhe von 2000 Franken. Das Motiv des Angeklagten sieht sie in seiner Kränkung, dadurch, dass seine Mandantin dem Angeklagten eingestand, ihn in der Beziehung betrogen zu haben – unter anderem mit seinem besten Freund. Während der Befragung sagte der Angeklagte hierzu, dass ihn das Fremdgehen «nicht so hässig wie erwartet gemacht» habe.

Der Verteidiger forderte in seinem Plädoyer einen Freispruch, weil nicht zweifelsfrei bewiesen werden könne, das sein Mandant die Bilder hochgeladen hat. «Vom IT-Fachmann habe ich mir mehr erhofft.»

Das Bezirksgericht wird das Urteil schriftlich eröffnen.