Heute wollen wir uns mit einer Eigenschaft befassen, die uns alle hin und wieder heimsucht – und von der wir gleichsam wissen, dass sie weder langfristig nützt, noch kurzfristig hilft, sondern bloss dazu dient, sich nicht an die Arbeit machen zu müssen.

Wir fokussieren uns also auf unsere Fähigkeit, möglicherweise konfliktträchtige Tatsachen, Wünsche, Probleme oder Erinnerungen aus unserem Bewusstsein zu verbannen und ins Unbewusste abzuschieben: Weg damit, nicht mehr dran denken!

Und wir wollen heute speziell darüber nachdenken, warum die Müllabfuhr alltäglichen Verdrängens auch bei jenen Dingen so grossartig funktioniert, die eigentlich keinen Aufschub dulden, kein Wegschieben zulassen. Wir leuchten heute grössere und kleinere Herausforderungen aus, die unser tägliches Leben stark betreffen, weil wir beispielsweise gerade am Start des Erwerbslebens stehen oder krank und schwach und zitternd dem Lebensabend entgegensehen.

Wir fragen uns darum wie es kommt, dass Behörden und Institutionen und deren Repräsentanten so gewieft sind im Verdrängen, weil sie zwar wissen, dass zwei Spitäler in einer verhältnismässig kleinen Region sowohl Luxus, weil zu teuer, sind oder was zu tun wäre, dass eine Berufsschule nachhaltig gesichert werden kann, statt alle paar Jahre auf den Prüfstand gesetzt zu werden.

Wir fragen uns also, was die zuständigen Organe und Personen möglicherweise antreibt, dass sie den Handlungsbedarf zwar erkennen – aber das Problem dann einfach mal auf die Seite schieben.

Wie war das noch beim Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) mit seinen beiden Spitälern in Rheinfelden und Laufenburg?

Schon vor dem Zusammenschluss der beiden Krankenhäuser unter das Dach des GZF war angesichts der allgemeinen gesundheitspolitischen Entwicklung klar, dass nur eine klare Einschränkung und Fokussierung des Leistungsangebots zukunftsfähig wäre.
Warum jetzt, nach dem Abgang von drei Ärzten, die Sache offenbar beförderlichen Status bekommt, bleibt schleierhaft.

Der in den betroffenen Branchen, Institutionen und Behörden plötzlich manifestierte Aktionismus hilft der Sache wenig. Es bleibt letztlich die Erkenntnis, dass es die Verantwortlichen über Jahre versäumt haben, eine nachhaltige Ausrichtung zu planen, den Steuerzahlern zu vermitteln und sich als entsprechende Kompetenzzentren zu etablieren.

Dass nun, unter dem Druck eines angeblichen Personalnotstands beim GZF, Denkmodelle im öffentlichen Diskurs nicht eben rational und wertfrei erörtert werden können, ist bedauerlich – und der verpassten Chance anzulasten, das erkennbare Problem eben nicht zu verdrängen, sondern einer Lösung zuzuführen.

Interessant wird in diesem Zusammenhang nun auch die Beobachtung sein, wie sich der Verein für Altersbetreuung im Oberen Fricktal (VAOF) mit seinen 25 Mitgliedsgemeinden und der mit Gemeindevertretern besetzte Verwaltungsrat des GZF finden und sich daraus eine für das ganze Fricktal sinnvolle und finanzierbare Gesundheitsversorgung auch unter Einbezug kantonaler und ausserkantonaler Einrichtungen ergibt.

So viel zum Sterben und Gesundwerden. Reden wir noch kurz von Bildung:

Als vor gut zwei Jahren bekannt wurde, dass das Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) in Rheinfelden geschlossen werden sollte, habe ich eine Petition lanciert: 14 Gemeinden sowie 280 Unternehmen aus dem ganzen Fricktal, die gegen 500 Lehrlinge ausbilden, haben den Aufruf unterzeichnet, der vom Kanton ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Fricktal durch den Erhalt und Ausbau des BZF verlangte.

Gleichzeitig habe ich auch an Schulleitung und Politik appelliert, es brauche eine klare Strategie, wie das Ausbildungsangebot mit den in der Region verankerten Branchen besser ausgerichtet werden könne.

Am Schluss wollte das kantonale Parlament nicht auf die entsprechende Vorlage eintreten – schliesslich standen Wahlen vor der Tür; Politiker und Parteien wollten das heisse Eisen nicht mehr anfassen.

Verdrängen?

Iwo: «An uns kommt man nicht so leicht vorbei», tröteteten die Fricktaler Grossräte in einer Stellungnahme und versprachen, «uns auch weiterhin mit vereinten Kräften für ein starkes BFZ» einzusetzen.

Ich habe damals, es war im Spätsommer 2016, auf der Website zur Petition www.jazumbzf.ch nicht nur bedauert, dass das BZF mit dem Nullentscheid um die Möglichkeit gebracht worden sei, die vom Regierungsrat vorgeschlagene Erhöhung der Schülerzahlen und Klassengrössen beim BZF umzusetzen.

Ich schrieb auf der Website weiter an alle Petitions-Unterzeichner: «Jetzt aber abzuwarten, was geschieht, wäre meines Erachtens der falsche Weg. Wenn die Fricktaler Grossräte in ihrer gemeinsamen Stellungnahme betonen: ‹An uns kommt man nicht so leicht vorbei!›, so sind sie jetzt zum Tatbeweis gefordert: Sie müssten sich mit Vorstand und Rektorat des BZF unabhängig weiterer regierungsrätlicher Entscheide in der Sache darauf verständigen, mit welchen politischen Vorstössen aus der Region der Erhalt und der Ausbau des BZF mit zukunftsfähigen Angeboten gesichert werden können – das, und nicht weniger ist auch die Bringschuld gegenüber Ihnen, die Sie sich engagiert für das BZF eingesetzt haben. Verschnaufpausen sind jetzt fehl am Platz.»

Passiert ist nichts. Problem verdrängt.

Neulich wurde bekannt, dass der Kanton die Standortfrage der Berufsschulen wieder aufs Tapet bringt und in diesem Bereich jährlich drei bis sieben Millionen einsparen will. Der Präsident des Schulvorstandes des BZF liess ausrichten, es liefen Gespräche und es sei «noch nicht klar, was dies für uns bedeutet».

Und weiter: «Wir wünschen uns, dass wir die heutigen Berufsfelder behalten und grössere Klassen bilden können.»

Wünsche sind das eine. Politische Ziele das andere. Nachhaltige Zukunftskonzepte tönen anders.