Alleinerziehend
«Mama, alles wird gut»: Junge Mutter wünscht sich einen Job, um die Familie aus der Armut zu befreien

Nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte, verlor eine junge Aargauer Mutter ihre drei Jobs und rutschte in die Sozialhilfe. Und dann kam auch noch die Coronakrise. Die 30-Jährige aus dem oberen Fricktal sucht Arbeit, um sich und ihre Kinder aus der Armutsfalle zu hieven.

Dennis Kalt
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Zerbrechen junge Familien, dann ist der Gang zum Sozialamt ­zuweilen unumgehbar.

Zerbrechen junge Familien, dann ist der Gang zum Sozialamt ­zuweilen unumgehbar.

Symbolbild: Oliver Menge

Es fällt Laura (Name geändert), 30, schwer, ihren beiden Söhnen, acht- und zehnjährig, an Heiligabend ihre Wünsche nicht erfüllen zu können. Doch Geschenke jenseits von 50 Franken liegen für die alleinerziehende Mutter aus dem oberen Fricktal einfach nicht drin. Laura schmerzt der Gedanke, dass nach den Weihnachtsferien die Gspändli ihrer Söhne in der Schule stolz von neuen Velos oder angesagtestem Spielzeug berichten und ihre Söhne aussen vor bleiben, weil sie nichts Vergleichbares vorzuweisen haben. «Meine Jungs finden das zutiefst ungerecht», sagt Laura. «Zuweilen zeigen sie aber auch Verständnis, wenn ich ihnen erkläre, dass jetzt warme Schuhe oder eine dicke Jacke wichtiger sind als neue Spielsachen.»

Laura ist arbeitslos. Zuvor, als die Beziehung zum Vater der Kinder vor etwa zwei Jahren noch intakt war, hatte sie drei Jobs. Etwa ging sie abends putzen. Lauras Mann hatte eine Vollzeitstelle. «Das Geld hat immer gut gereicht», sagt sie. Doch dann kam die Trennung. Sie stand alleine mit den Kindern da, verlor beide Putzjobs, weil sie ihre Söhne am Abend nicht alleine lassen konnte. Auch eine dritte 40-Prozent-Stelle verlor sie wegen mangelnden Verständnisses ihres Arbeitgebers. Mit den Kindern sitzen gelassen, ohne Job, fiel sie in ein tiefes Loch – schliesslich musste sie Sozialhilfe beantragen. Dies, obwohl sie zuvor nie die Arbeit gescheut hatte.

Sie will den Kindern ein Vorbild sein

Am Abend, so sagt Laura, könne sie sich nicht auf die Schulter klopfen und sagen: «Für das Geld, das du bekommst, hast du etwas geleistet.» Dies latente Gefühl der Wertlosigkeit belastet sie. Gerne würde sie auf diese Abhängigkeit verzichten, «auch, um meinen Kindern ein Vorbild zu sein, ihnen zu zeigen, dass man im Leben etwas leisten soll, um seinen Unterhalt zu bestreiten». Und sie würde gerne das Klischee widerlegen, das da so in manchem Kopf vorhanden sei: «Junge Mutter, alleinerziehend, arbeitslos – typisch.»

Weil sich Laura der Tattoo- und Piercing-Szene verbunden fühlt, absolvierte sie in diesem Bereich ein Praktikum, schloss bis Ende Februar entsprechende Fortbildungen ab. Dann kam Corona – und ihre Hoffnungen auf eine Anstellung lösten sich in Luft auf. Ihre Bewerbungen liefen seither ins Leere. Im Sommer engagierte sie die Gemeinde, um die Gäste einer Freizeitanlage wegen coronabedingter Zulassungsbeschränkungen zu zählen. «Das habe ich gern gemacht. Zumal meine Schulden bei der Gemeinde dadurch weniger stark angestiegen sind.» Denn Sozialhilfe muss man zurückzahlen.

Ein Gastrokind, das sich ­viele Jobs vorstellen kann

Laura ist als Gastrokind aufgewachsen, sagt von sich, sie sei offen, kommunikativ, könne es gut mit Menschen und sich deshalb viel vorstellen: Einen Job im Verkauf, der Gastronomie, in der Produktion oder als Reinigungskraftkraft. «Mir ist es eigentlich fast egal, was für eine Arbeit es ist – Hauptsache, ich kann wieder arbeiten.» Nur irgendwo im oberen Fricktal sollte sie sein, dass sie bei einem Notfall schnell bei ihren Kindern sein kann.

Laura glaubt daran, dass sie im nächsten Jahr eine Chance erhält, sich aus der finanziellen Abhängigkeit zu befreien, muss sie auch irgendwie, gerade, wenn ihre Kinder sie in den Arm nehmen und sagen: «Mama, alles wird gut.»