Fricktal

Magere Schwarzkittel machen sich über den Mais her

In den Maisfeldern halten sich zurzeit auch viele Mutterschweine mit Frischlingen auf.

In den Maisfeldern halten sich zurzeit auch viele Mutterschweine mit Frischlingen auf.

Im Fricktal leiden die Wildschweine unter der Trockenheit. Eine Folge: Die Jungtiere wachsen massiv langsamer. Dagegen nehmen die Schäden in den reifenden Maisfeldern zu.

Sie sind in grossen Gebieten unterwegs, haben keinerlei Nachwuchssorgen und sie lieben es ausserordentlich, den Boden durchzupflügen. Herr und Frau Schwarzkittel fühlen sich im Wald wie auch in angrenzenden Feldern und Wiesen im wahrsten Sinne des Wortes «sauwohl». Das trifft zumindest auf die Vorjahre zu. «Die lange Trockenheit in diesem Jahr macht den Tieren zu schaffen», erklärt Hansruedi Apolloni. Er ist Schadensabschätzer für den Bezirk Rheinfelden und Teile des Bezirks Laufenburg.

Trotz steigenden Wildschweinbeständen sind die Schadensmeldungen im landwirtschaftlichen Kulturland unterschiedlich. 2012 und 2013 waren Jahre mit ausserordentlich hohen Schäden. «2014 sind diese erstaunlicherweise stark zurückgegangen», erklärt der Fricktaler Schadensabschätzer. Den Grund für diesen Rückgang weiss man nicht. Erwin Osterwalder, Fachbereichsleiter Jagd beim Kanton meint, dass im letzten Jahr der Wald genügend Nahrung (Buchennüssli und Eicheln) hergegeben hat.

Erst spät Nachwuchs

Die Meldungen über Schäden auf Getreidefeldern durch Schwarzkittel hielten sich bisher in Grenzen, unter anderem auch darum, «weil es Anfang Jahr wenige Frischlinge gab. Die Wildschweine haben erst Anfang Mai ihren Nachwuchs bekommen.» Das sei sonst nicht üblich, erklärt Apolloni. Osterwalder bestätigt, dass zurzeit noch viele Bachen mit ihren gestreiften, teils sehr kleinen Jungen unterwegs sind.

Aktuell nehmen die Schäden in den reifenden Maisfeldern zu. Apolloni erwartet eine deutliche Steigerung der Meldungen gegenüber den Vorjahren. Der Kaister Landwirt hat selbst innert Kürze bereits dreimal zwei Bachen und ihre Frischlinge von seinen Maisfeldern verjagt. «Die Mutterschweine waren extrem mager», macht er deutlich, dass die Tiere aufgrund des trockenen Sommers nicht wie sonst im Wald und in den landwirtschaftlichen Kulturen einen gut gedeckten Tisch vorgefunden haben. Auch an Wasser fehlt es ihnen. Das führt wiederum dazu, dass die Bachen zu wenig Milch für ihren Nachwuchs haben. Der genügend Feuchtigkeit beinhaltende Mais sei deshalb eine begehrte Nahrung. Bei seinen Beobachtungen hat Apolloni zudem festgestellt, dass Frischlinge nicht wie üblich im Maisfeld spielen würden, vielmehr seien die untergewichtigen Tiere sehr träge und würden sich einzig auf den Mais konzentrieren.

Schlechte Maisqualität

Als eher schlecht bezeichnen Hansruedi Apolloni und Erwin Osterwalder die Maisqualität in diesem Jahr. Dafür verantwortlich ist wiederum die trockene Witterung. Viele Landwirte haben zum Schutz gegen die gefrässigen Wildtiere elektrische Zäune um ihre Maisfelder gezogen. Trotzdem schaffen es viele Schwarzkittel, die drahtigen Hindernisse zu überwinden.

Erwin Osterwalder erklärt, dass es im Fricktal flächendeckend zurzeit viele Wildschweine hat. Die Jagdgesellschaften hätten schon einiges zu tun gehabt. Die genaue Abschusszahl wird erst Ende Jahr ermittelt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit würden es mehr sein als im letzten Jahr, so Osterwalder. Damals wurden gesamtkantonal 831 Wildschweine erlegt, fast die Hälfte davon im Fricktal. Der asaisonale Nachwuchs erschwert den Jägern die Arbeit. Denn nach eidgenössischem Tierschutzgesetz dürfen säugende Muttertiere und ihre Jungen nicht geschossen werden.

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