Kaisten Fricktal
Lys Assia umarmt im Tierlignadenhof sogar den 1280 Kilo schweren Cäsar

Die 90-jährige Grand Dame des Chansons ist tief beeindruckt von der Harmonie auf dem Tierlignadenhof Kaisten. Seit vielen Jahren unterstützt sie die Stiftung. Erstmals ist sie nun zu Besuch auf dem grossen Hof.

Susanne Hörth
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Lys Assia im Tierlignadenhof Kaisten
7 Bilder
Lys Assia (links) und Monika Spörlé bei Ross, Esel und Wildsau
Blick unten durch
Grosser Hund
Lys mit Hunden
Lys und Sau Joker
Lys Assia und das Reh Sarah

Lys Assia im Tierlignadenhof Kaisten

Susanne Hörth

Starallüren? Keine Spur. Lys Assia sitzt entspannt, gleichsam voller Aufmerksamkeit ganz oben am Tisch im frisch sanierten Wohn-/Esszimmer im Tierlignadenhof Kaisten. Nur ganz kurz kommt die 90-jährige Chanson-Legende auf ihr Aussehen zu sprechen.

Hätte sie gewusst, dass eine az-Berichterstatterin anwesend sei, so hätte sie sich schon etwas mehr zurechtgemacht und ihre Haare in Form gebracht. Unnötig, denn die Grand Dame des Schweizer Chansons ist auch so sehr gepflegt und irgendwie alterslos.

Lys Assia geniesst das einfache Mittagessen, das Tierlignadenhof-Betreiberin Monika Spörlé und ihre langjährigen Helferinnen Stefanie und Janina Sutter zubereitet haben. Dackeldame Cindy sitzt währenddessen auf dem Schoss ihrer Besitzerin, wird kaum fertig mit dem Aufnehmen der vielen tierischen Eindrücke in der Wohnstube.

Kaum ein Plätzli im grossen Raum, der nicht von Katzen in Beschlag genommen ist – ausser dem Esstisch, dem widmen sie keines Blickes. Nicht so die vielen grossen Hunde. Sie holen sich immer wieder von der Besucherin ein paar Streicheleinheiten. «Tiere sind für mich sehr wichtig, schon immer. Ich hatte immer Hunde, früher auch Pferde», so Lys Assia.

Ihr Blick folgt einem kleinen Huhn, das sich immer wieder den Weg zwischen Möbeln, Hunden, Katzen und Menschen sucht, um dann wieder an geeignet erscheinendem Örtchen ein Nickerchen zu machen.

Die eigenen Hündchen

Neben der zehnjährigen Dackelhündin Cindy hat Lys Assia auch ihr zweijähriges Chihuahua-Mädchen Alijah dabei. Eigentlich habe sie zu sich und Cindy einen Hund aus dem Tierheim holen wollen, doch die hätten ihr keinen gegeben. «Wegen meines Alters. Der Hunde könnte mich ja überleben», so die Gewinnerin des allerersten «Grand Prix Eurovision de la Chanson» 1956.

Über das Alter redet sie nicht wirklich. Die gleich drei kurz hintereinander folgenden Stürze – Letzterer kurz vor ihrem 90. Geburtstag im März – hätten weniger mit dem Alter, als vielmehr mit Stolperfallen und Hindernissen in der Wohnung zu tun.

Noch machen die Folgen der Stürze der 90-Jährigen zu schaffen. Insbesondere der Rücken schmerze. Beim Rundgang durch den grossen Hof läuft Lys Assia dennoch scheinbar mühelos und aufrecht von Stockwerk zu Stockwerk, von Stall zu Stall. Selbst die Stupserei der Pferde, Ponys und des Esels nimmt die heute im Kanton Zürich Wohnhafte standhaft entgegen. Streichelt einem Pferd sanft über den Kopf, tätschelt dort den Esel leicht auf die Schulter und schiebt wo nötig ein etwas gar hartnäckiges Huftier zur Seite. Tierlignadenhof-Betreiberin Monika Spörlé achtet sorgfältig darauf, dass kein Tier der bekannten Besucherin unbeabsichtigt wehtun könnte.

Ochse und Wildsau

Lys Assia zögert nur kurz, als sie von Monika Spörlé aufgefordert wird, deren ganz besonderen Liebling zu umarmen. Cäsar lässt es mit aussergewöhnlicher Sanftheit über sich ergehen, er bewegt seinen grossen Kopf nur ganz sachte. Wie wenn er wüsste, dass seine mächtigen, spitzen Hörner problemlos Schlimmes anrichten könnten. Liebling Cäsar ist ein gewaltiger, 1280 Kilogramm schwerer, schwarzer Ochse. Auch die Journalistin nimmt ihren Mut zusammen und umfasst das riesige Tier um den Hals. «Ist er nicht süss?», fragt Monika Spörlé. Wirklich, fast könnte man glauben, Cäsar würde ein wohliges «Schnurren» von sich geben.

Dass es aber noch mehr Aussergewöhnliches auf dem Tierlignadenhof gibt, erlebt Lys Assia ausserhalb von Cäsars Stall. Hier füttert sie Joker mit ein paar Leckerli. Nicht ohne zuvor den grossen Keiler «Sitz» machen zu lassen. «Joker ist ein richtiger Sauhund», lacht Monika Spörlé. Etwas pikiert reagiert darauf Lys Assia. «Ein Tier mit solchen Schimpfnamen zu benennen, ist doch nicht schön.» Diese Reaktion erwartend, grinst Monika Spörlé jetzt erst recht: «Joker ist eine Wildsau, benimmt sich aber wie ein Hund. Daher der Sauhund, das passt zu ihm und ist ganz und gar nicht böse gemeint.»

Tief beeindruckt

«Einfach aussergewöhnlich, unglaublich», so eine beeindruckte Lys Assia nach ihrem mehrstündigen, spontanen Besuch auf dem Kaister Hof. Den Kontakt zum Tierlignadenhof hat sie schon viele Jahre, unterstützt diesen auch mit Spenden. Jetzt zu Ostern ist sie aber das erste Mal hier. Hat sich überzeugt, dass das, was sie bisher Gutes vom Kaister Gnadenhof gehört und gelesen hat, auch wirklich stimmt. «Cindy und Alijah werden heute sehr gut schlafen, so viele Eindrücke haben sie hier erhalten», sagt die Grand Dame mit dem grossen Herzen für Tiere kurz vor ihrem Aufbruch. Nicht nur die Hunde, sondern auch das Frauchen sind erfüllt von sehr speziellen Begegnungen in der Tiergemeinschaft in Kaisten.

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