Rheinfelden
Luxuswohnungen statt Gaumenschmaus - «Zähringer» macht dicht

Das Gasthaus mit dem Tavernenrecht wird zum «Zähringerhof» mit Eigentumswohnungen. Ein Blick auf die Geschichte des um 1900 erbauten Hauses.

Walter Christen
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Ende Mai schliesst die Gaststätte in der Rheinfelder «Rheinlust», denn im Haus aus dem Jahr 1900 entstehen luxuriöse Wohnungen. chr

Ende Mai schliesst die Gaststätte in der Rheinfelder «Rheinlust», denn im Haus aus dem Jahr 1900 entstehen luxuriöse Wohnungen. chr

«Ab 31. Mai bleibt das Restaurant für immer geschlossen», steht am Eingang des Restaurants-Pizzeria «Zähringer» in Rheinfelden, unterschrieben von Bekir Peker, dem Leiter des Teams.

Damit verschwindet Ende Monat die Gaststätte in dem denkmalgeschützten Haus aus dem Jahr 1900, das sich an der Stelle befindet, wo bis vor ein paar Jahren der Eisensteg für Fussgänger und Velofahrer über den Rhein führte.

Liegenschaft wird renoviert

Das Haus ist eingerüstet, wird derzeit renoviert und mit luxuriösen Wohnungen ausgestattet. Die Bauherrschaft, Poli Immobilien AG in Meggen, und die TAT Bau- und Immobilien-Management AG, Luzern, wollen das historische Ambiente erhalten und als «Zähringerhof» mit zeitgemässem Wohnkomfort verbinden. Es entstehen Eigentumswohnungen mit besonderem Flair in attraktiver Lage unmittelbar am Rhein.

Die Architekten Robert Curiel und Karl Moser aus Karlsruhe haben das stattliche Haus in den letzten Monaten des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts als «Rheinlust» erbaut. In der Folge diente das Gebäude als Zollstation und Gasthaus. Noch heute ist an der Ecke im Parterre der Raum der Grenzwache erhalten und über der Türe ein Schweizer Kreuz mit Laub in die Fassade gehauen.

Die aussergewöhnliche Lage und Architektur machten die «Rheinlust» schon in den späten 1970er-Jahren zu einer beliebten Wohnliegenschaft. Nach dem Eigentümerwechsel im Jahre 2010 soll das Haus nun in neuem Glanz erstrahlen.

1895 läutete der Baubeginn des Wasserkraftwerks Rheinfelden das Industriezeitalter in der Region ein. Aus allen Himmelsrichtungen strömten Arbeitskräfte herbei, um eine Beschäftigung zu finden. Da die Kraftwerkbaustelle in grosser Entfernung von der Stadt lag, entschloss sich Carl Habich-Dietschy (1845–1928), der Inhaber des Salmenbräus, ein Gasthaus in unmittelbarer Nähe der Industrieanlagen an der Schweizer Seite der Kraftwerkbrücke zu bauen. Sicher war dafür auch die Tatsache ein Auslöser, dass kurz zuvor ein grosser Teil der Rheinfelder Holzbrücke zum badischen Ufer hin abgebrannt war und die Fuhrwerke deshalb lange Zeit über die Kraftwerkbrücke geleitet wurden.

Am 1. April 1900 eröffnet

Das Gasthaus «Rheinlust» mit dem Tavernenrecht wurde am 1. April 1900 eröffnet. Das Haus wurde zum Treffpunkt zahlreicher Arbeiter und Angestellten der neuen Stromindustrie. Meist noch junge Leute und Junggesellen, denen das Geld locker sass. Ein Ingenieur brauchte damals von seinem Verdienst, der pro Monat bei 6 bis 7 Goldstücken im Wert von je 20 Mark lag, die Hälfte für Unterkunft und Verpflegung. So kann aus heutiger Sicht gesagt werden, dass zu jener Zeit das Gold in der «Rheinlust» glänzte.