Frick

Luxuriös und gefährlich? Diese Tempo-30-Tafeln sorgen für rote Köpfe

Die Tempo-30-Tafel am Juraweg kommt kurz vor der Kurve. Zu kurz? Die IG Gänsacker und Gemeinde sind sich nicht einig.

Die Tempo-30-Tafel am Juraweg kommt kurz vor der Kurve. Zu kurz? Die IG Gänsacker und Gemeinde sind sich nicht einig.

Die Mitglieder der IG Gänsacker ärgern sich über falsch platzierte und zu teure Tempo-Tafeln. Die Gemeinde widerspricht.

Es sind markige Worte, die Vreni Grenacher von der IG Gänsacker wählt: «Der Fricker Gemeinderat bestimmt, die Einwohner haben nur zu zahlen. Und wenn das Geld nicht reicht, setzt man halt den Steuerfuss rauf.»

Was Grenacher angesichts der beantragten Steuerfusserhöhung von sechs Prozentpunkten derart in Rage bringt, ist «die Verschwendung von Steuergeldern». Für Grenacher manifestiert sich diese nicht nur in Grossprojekten, sondern auch im Kleinen. In ihrem Fall: in der Umsetzung der Tempo-30-Zone im Gebiet Gänsacker, Königsweg und Kirchmattweg.

Konkret: Grenacher stört sich daran, dass die Gemeinde für die Tempo-30-Ausschilderung «teure Zweibeiner» verwendet und diese erst noch in die Strasse gesetzt hat. Die IG dagegen wollte, dass die Gemeinde günstigere Tafeln nimmt, diese an Kandelabern befestigt oder als Einbeiner neben die Strasse setzt. «Die Schilder müssen nun jedes Mal, wenn der Markt stattfindet, entfernt werden, da sonst die Marktumfahrung nicht funktioniert», sagt Grenacher. Man habe den Gemeinderat in Sitzungen stets darauf hingewiesen – auch darauf, «dass die IG solche Zweibeiner nicht will, sondern eine möglichst einfache Lösung bevorzugt.» Grenacher schüttelt den Kopf. «Der Gemeinderat ging gar nicht darauf ein.» Dass es auch anders gehe, dass die Signalisation also auch einfacher sein könne, «zeigen Beispiele wie Bad Zurzach oder Aarau».

Bei der Gemeinde kann man diese Kritik nicht nachvollziehen. Zum Vorwurf, der Gemeinderat sei nicht auf die IG und ihre Forderung nach einer minimalen Tempo-30-Signalisation eingegangen, sagt Gemeindeschreiber Michael Widmer: «Das Gegenteil ist der Fall. Im ganzen Gebiet wurde komplett auf bauliche Massnahmen wie Schwellen und Verengungen verzichtet. Auch wurden keine mobilen Elemente wie Pflanztröge aufgestellt.»

Ebenso bestreitet Widmer, dass das Entfernen der Schilder an Markttagen gross Kosten verursacht. «Beim Aufstellen der Marktumfahrung ist das Team des Bauamts jeweils ohnehin bereits im Einsatz.» Die Schilder in der Fahrbahn seien in Steckhülsen gesetzt und «können mit kleinem Aufwand aufgestellt und entfernt werden». Dass man auf besagte «Zweibeiner» gesetzt hat, hat laut Widmer noch einen weiteren Grund: die Einheitlichkeit der Ausschilderung im Dorf. Dies sei für das Erkennen solcher Zonen wichtig.

Heikle Situationen am Juraweg?

Vreni Grenacher und der IG geht es aber noch um etwas anderes: die Sicherheit. «Die Tafeln sind nicht nur überflüssig, sondern zum Teil auch gefährlich platziert», ist Grenacher überzeugt und erwähnt als Beispiel jene am Juraweg. Die Strasse werde von vielen Schülern mit dem Velo genutzt. «Da sie der Tafel ausweichen müssen und diese nahe bei der Kurve steht, kommt es immer wieder zu heiklen Situationen mit Fahrzeugen, die um die Kurve kommen und etwas weit ausholen.»

Bei der Gemeinde teilt man diese Einschätzung nicht. Es habe bei allen Tafeln ausreichend Platz für das sichere Kreuzen von zwei Personenwagen. «Dass für ein sicheres Kreuzen die Geschwindigkeit reduziert werden muss, beurteilen wir nicht als Nachteil – im Gegenteil, eine Reduktion des Geschwindigkeitsniveaus ist gewollt», sagt Widmer. «Tempo 30 soll einfach erkannt werden. Der Automobilist soll nicht in die Falle gelockt werden.» Und dazu dienten die Markierungen am Boden ebenso wie die Schilder.

Messungen, ob das neue Temporegime eingehalten wird, hat die Gemeinde noch keine gemacht. «Zuerst sollen sich die Verkehrsteilnehmer an die neue Situation gewöhnen. Später sind sowohl statistische Messungen als auch solche mit Bussenfolge im Übertretungsfall vorgesehen.»

Nach einem Jahr erfolgt dann die vom Gesetz vorgeschriebene Nachkontrolle. Sollte diese zeigen, dass die Tempi zu hoch sind, muss die Gemeinde weitere Massnahmen treffen. «Ausreichende Markierungen und Signalisationen liegen somit im Interesse der IG Gänsacker, die sich stets gegen bauliche Massnahmen ausgesprochen hat», sagt Widmer an die Adresse der IG.

Gegen eine ausreichende Signalisation habe die IG ja auch nichts, kontert Grenacher. Nur gegen Unnütze. Als Beispiel nennt sie jene bei der Unterführung am Ende des Gänsackers. «Hier fährt kaum jemand durch. Zudem führt die Strasse ins Nirwana.» Widmer räumt ein, dass die Tafel an einem Ort mit tiefen Verkehrsfrequenzen steht. «Würde dort der Beginn der Tempo-30-Zone jedoch nur am Boden oder an einem Kandelaber markiert, so würden sich später sicher Automobilisten beschweren, die wegen einer Geschwindigkeitsübertretung gebüsst würden, ohne sich überhaupt bewusst zu sein, sich in einer Tempo-30-Zone zu befinden.»

Keine negativen Rückmeldungen

Die neue Tempo-30-Zone ist seit Oktober in Betrieb. Für eine erste Bilanz sei es «noch viel zu früh», sagt Widmer. «Das Ausbleiben von Rückmeldungen aus der Bevölkerung und der Fakt, dass die Umfahrung am Martinimarkt im Gegenverkehr gut funktioniert hat, stimmen jedoch zuversichtlich.»

Auch Grenacher mag noch nicht Bilanz ziehen. Mit Tempo 30 in ihrem Wohnquartier hat sich die einst vehemente Gegnerin inzwischen arrangiert. «Eine Mehrheit der Quartierbewohner wollte Tempo 30», so Grenacher. «Diesen demokratischen Entscheid akzeptiere ich.»

Froh ist sie und ihre IG-Kollegen, dass die Kernforderung inzwischen umgesetzt ist: Die sieben Baumbuchten am Gänsacker und am Königsweg wurden entfernt, die Bäume im Stieracker neu eingepflanzt. «Seither rollt der Verkehr deutlich besser», sagt Grenacher. Sie hofft derweil: «Dass die Gemeinde auch in Geldfragen etwas das Tempo rausnimmt.»

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