Fricktal
Lösungsvorschlag: «Gemeinden einmalig entschulden»

Jürg Müller, Gemeindeammann von Mumpf, macht einen provokativen Vorschlag zur Lösung der Finanzsorgen.

Thomas Wehrli
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Jürg Müller, hat einen ungewöhnlichen Lösungsvorschlag.

Jürg Müller, hat einen ungewöhnlichen Lösungsvorschlag.

Thomas Wehrli

Knallig rot. Zehn Gemeinden stechen aus der ansonsten in rot-blau gehaltenen Kantonsgrafik heraus. Sie weisen eine Nettoschuld von mehr als 3000 Franken pro Einwohner auf und bilden das Schlusslicht in der Gemeindefinanzstatistik. Unter den Rote-Laternen-Trägern befinden sich auch Mumpf und Schupfart. Letzteres kommt auf eine Pro-Kopf-Schuld von 4100 Franken, Mumpf auf eine solche von 3179 Franken.

Sehen auch die Gemeindeammänner rot? Beide winken ab. «Natürlich ist es unschön, zu den Gemeinden mit den höchsten Schulden pro Einwohner zu gehören», sagt Jürg Müller, Gemeindeammann von Mumpf. Nur: «Das ist jeweils eine Momentaufnahme», ergänzt Bernhard Horlacher, Gemeindeammann von Schupfart.

Wie hoch die Schulden seien, hänge stark von den Investitionen ab. «Eine Kleingemeinde wie wir ist wesentlich stärkeren Schwankungen unterworfen als eine Grossgemeinde.» Denn eine Investition von zwei Millionen Franken, wie sie Schupfart für die Mehrzweckhalle bevorsteht, wirke sich ganz anders auf die Pro-Kopf-Verschuldung aus als bei einem Dorf mit 10 000 Einwohnern. «Dieses kann eine solche Investition viel besser tragen.»

Ist Schupfart bald Schlusslicht?

Horlacher macht denn auch keinen Hehl daraus, dass seine Gemeinde im kommenden Jahr Densbüren als Schlusslicht wohl ablösen wird. «Durch die Investition in die Mehrzweckhalle kommen wir Ende Jahr auf eine Nettoverschuldung von über 6000 Franken pro Einwohner.» Densbüren liegt aktuell bei 5584 Franken.

Horlacher ist jedoch überzeugt: «Die Investition ist sinnvoll, denn sie wertet unsere Infrastruktur auf.» Zudem zeige der Finanzplan, dass man diese Schuldenspitze danach abbauen könne. «Wir haben unseren Einwohnern immer klar kommuniziert, dass die Investition in die Mehrzweckhalle nicht gratis zu haben ist.» Der Souverän stimmte deshalb einer Steuererhöhung von 4 auf 119 Prozent vor Jahresfrist auch zu.

Was Horlacher wie Müller zu denken gibt, ist die Schere, die sich zwischen armen und reichen Gemeinden zusehends öffnet. Man arbeite gut, mache nichts falsch, so Müller. Das bestätige einem der Kanton. «Dennoch kommen wir auf keinen grünen Zweig, weil wir die strukturellen Probleme nicht einfach ablegen können.» Dazu zählt die Lage, dazu zählen lange Strassenabschnitte, deren Unterhalt teuer ist.

In die Zukunft blickt Müller mit sorgenvoller Miene. In den nächsten fünf Jahren stehen in Mumpf Investitionen von gut sieben Millionen Franken in Schule und Kantonsstrasse an. «Die Verschuldung wird also weiter steigen.» Gehofft hat er, wie Horlacher, auf die Fusion im mittleren Fricktal. Doch diese ist im letzten Spätherbst gescheitert. «Eine verpasste Chance», findet Horlacher nach wie vor. Was tun? Müller stellt einen provokativen Ansatz in den Raum: «Der Kanton sollte die Gemeinden, denen es sehr schlecht geht, einmalig entschulden.» Kombiniere man diese Entschuldung mit rigorosen Auflagen, «wäre das Problem gelöst».

So weit wird es nicht kommen, das weiss auch Müller. Ein Lichtblick ist für ihn das Wachstum im Dorf. 45 Wohnungen sind bald bezugsbereit, rund 160 in Planung. «Das wird die finanzielle Situation entspannen», sagt er. Zur Genesung reicht es nicht.